Erneuerter Brandanschlag auf Synagogen in London

Datum19.04.2026 17:39

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn London gab es mehrere Brandanschläge auf Synagogen, die von der pro-iranischen Gruppe Harakat Ashab al-Jamin al-Islamija bekannt wurden. Premierminister Starmer und Oberrabbiner Mirvis verurteilen die Taten entschieden. Die Polizei ermittelt wegen möglicher antisemitischer Motive und hat die Präsenz erhöht. Fälle aus den Vorwochen werden ebenfalls untersucht, da Ähnlichkeiten bestehen.

InhaltSeit Wochen häufen sich Angriffe gegen jüdische Ziele in Großbritannien, offenbar auch mit islamischem Hintergrund. Premierminister Starmer verurteilt die Taten als abscheulich. Nach einer Serie von Brandanschlägen auf jüdische Einrichtungen in London hat die britische Anti-Terror-Polizei die Ermittlungen übernommen. Der britische Oberrabbiner Ephraim ​Mirvis warnte am Sonntag vor einer zunehmenden Gewaltkampagne gegen die jüdische Gemeinde, nachdem in der Nacht eine weitere Synagoge im Norden der Hauptstadt zum ‌Ziel geworden war. Zu den meisten der jüngsten Vorfälle bekannte sich die pro-iranische Gruppierung Harakat Ashab al-Jamin al-Islamija. Bei dem jüngsten Vorfall warfen Unbekannte einen Brandbeschleuniger in die Kenton United Synagoge im Stadtteil Harrow. Eine Polizeistreife entdeckte das beschädigte Fenster kurz nach Mitternacht. Das Feuer richtete zwar keinen größeren Schaden an, es war jedoch bereits der dritte Angriff auf jüdische Ziele in London in weniger als einer ​Woche. Die Polizei verstärkte daraufhin ihre Präsenz in der Gegend und zog bewaffnete Einheiten sowie Kräfte der Anti-Terror-Abteilung zusammen. Der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis sprach auf X von einer "Kampagne der Gewalt und Einschüchterung" gegenüber Juden, die sich beschleunige. Zum Glück seien keine Leben zu Schaden gekommen. Doch dürfe nicht gewartet werden, bis das Verständnis entstehe, "wie gefährlich dies für die gesamte Gesellschaft ist". Auch der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte ‌die Taten. Er sei entsetzt über die versuchten antisemitischen Brandanschläge, teilte er auf ​X mit. "Das ist abscheulich ‌und wird nicht toleriert. Angriffe auf unsere jüdische Gemeinde sind Angriffe auf Großbritannien." Die Gruppierung Harakat Ashab al-Jamin al-Islamija veröffentlichte in den sozialen Medien ein Video, das den Angriff auf die Synagoge in Kenton zeigen soll. Die Gruppe erklärte zudem, für eine Reihe von Anschlägen auf US-, israelische und ‌jüdische Ziele in ganz Europa verantwortlich zu sein. Erst am Freitagabend hatte es einen Brandanschlag auf Räumlichkeiten in einem von vielen Juden bewohnten Stadtteil von London gegeben. Bei dem Angriff im nordwestlichen Stadtteil Hendon auf Räume, die früher von einer jüdischen Hilfsorganisation genutzt worden waren, wurde niemand verletzt. Beamte einer Anti-Terror-Einheit nahmen ebenso wie im Fall der Synagoge die Ermittlungen auf, wie die Polizei der britischen Hauptstadt mitteilte. Die Polizei erklärte, noch könne kein Zusammenhang zu ähnlichen Brandanschlägen der vergangenen Wochen hergestellt werden. Es gebe aber "Ähnlichkeiten". In den vergangenen Wochen hatte es in Großbritannien mehrere Angriffe auf jüdische Einrichtungen gegeben. Erst am Mittwoch wurden nach einem Brandanschlag auf eine Synagoge im nahegelegenen Stadtteil Finchley zwei Verdächtige festgenommen. Im März war im Londoner Stadtteil Golders Green ein Brandanschlag auf vier Krankenwagen einer jüdischen Hilfsorganisation verübt worden. Die Polizei wertet den Vorfall als antisemitisch motiviertes Verbrechen, drei mutmaßliche Täter wurden festgenommen. Zu der Tat bekannte sich die wenig bekannte islamistische Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (Hayi) mit mutmaßlichen Verbindungen zum Iran. Starmer erklärte im Onlinedienst X, die Polizeipräsenz werde erhöht und "die Verantwortlichen werden gefunden und vor Gericht gestellt werden". Im Zusammenhang mit dem jüngsten Anschlag wurde ein Bereich um die ‌israelische Botschaft in London ​abgesperrt. Zuvor hatte es im Internet Berichte gegeben, wonach das Gebäude mit Drohnen angegriffen worden sei, die gefährliche Substanzen transportierten. Die Polizei gab ​später jedoch Entwarnung und erklärte, die gefundenen Gegenstände enthielten keine schädlichen ⁠Stoffe. Der örtliche Polizeichef Luke Williams betonte, man ​nehme ​die Sorgen der Bevölkerung und insbesondere der jüdischen Gemeinden ernst. Die Anti-Terror-Polizei leite die Ermittlungen zu all diesen Vorfällen, da die Umstände ähnlich seien und es ‌im Internet Bekenntnisse ‌gebe.