Datum19.04.2026 15:30
Quellewww.spiegel.de
TLDREine private Initiative plant, einen gestrandeten, geschwächten Buckelwal lebend in die Nordsee zu transportieren, wofür ein Schlepper bereitsteht. Die Initiative kritisiert Behörden wegen angeblicher bürokratischer Verzögerungen, was diese zurückweisen und auf rechtstaatliche Abwicklungen verweisen. Der Transport, der bereits am Freitag stattfinden sollte, verzögert sich. Wissenschaftler bezweifeln die Überlebenschancen des Wals aufgrund seines geschwächten Zustands.
InhaltDer Rettungsversuch für das geschwächte Tier verzögert sich, die Initiative macht dafür die Behörden verantwortlich ‒ was diese wiederum zurückweisen. Ein Schlepper steht jedenfalls schon bereit. Ein Transport des gestrandeten Wals könnte nach Plänen der privaten Rettungsinitiative auch spätabends oder nachts starten. Nach seinen Kenntnissen spiele es keine Rolle für den Rettungsversuch, ob es hell oder dunkel sei, sagte einer der Geldgeber, MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz. Er behauptete, man habe "durch unsägliche bürokratische Maßnahmen" einen Tag verloren. Die Initiative äußert diese Kritik nicht zum ersten Mal. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hatte dem NDR gesagt, man bekomme Hinweise, falls die Akteure vom Konzept abwichen. Das müsse man dann wenigstens anschauen. "Wir leben auch in einem Rechtsstaat." Man entscheide in kurzer Frist. Eine aus Hawaii eingeflogene Tierärztin etwa habe kurzfristig eine Zulassung bekommen. "Ich kann nicht erkennen, dass wir hier bürokratische Hindernisse aufbauen." Im Hafen von Wismar traf am Sonntag der Schlepper "Robin Hood" ein, der das Tier in die Nordsee bringen soll. Kapitän Martin Bocklage sagte der "Bild"-Zeitung, er freue sich auf diese neue Herausforderung und warte, dass es endlich losgehe. Geplant ist nach früheren Angaben der Gruppe, unter den Wal eine zwischen Pontons befestigte Plane zu führen. Damit soll er aus dem flachen Bereich geborgen und später Richtung Nordsee gebracht werden. Die Pontons sollen dazu von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Auf Livestreams im Internet war am Sonntagnachmittag zu sehen, wie mit einem Bagger auf der schwimmenden Plattform offenbar weiter Sand unter dem Tier abgepumpt wurde. NDR-Reporter berichteten, zwei Taucher hätten vor dem Wal Plane und Netz ausgerichtet, die Teil der Transportkonstruktion sind. Seit Donnerstag laufen die Arbeiten der privaten Initiative, die das Tier lebend zurück in die Nordsee bringen möchte. Ursprünglich war der Start des Transports für Freitag geplant. Der geschwächte Wal liegt bereits seit Ende März vor der Insel Poel. Wissenschaftler, Fachleute von Behörden sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen waren sich nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier massive Schäden zufügen würden. Der Buckelwal sei orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Heimreise nicht schaffen werde.