Datum19.04.2026 12:44
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie EU-Kommission schlägt angesichts der Energiepreiskrise Homeoffice und ÖPNV-Zuschüsse vor. Unternehmen sollen mindestens einen Tag Homeoffice ermöglichen. Weiterhin werden Subventionen für den öffentlichen Nahverkehr und eine Mehrwertsteuersenkung für erneuerbare Energien empfohlen. Diese Maßnahmen basieren auf früheren Krisenreaktionen und sind als Empfehlungen gedacht, nicht als verbindliche Vorschriften zur Reduzierung des Energieverbrauchs.
InhaltAls Reaktion auf die Energiepreiskrise empfiehlt die EU-Kommission Homeoffice und ÖPNV-Zuschüsse. Bevormunden will die Kommission aber niemanden. Die Europäische Kommission will den Mitgliedstaaten Homeoffice und höhere Subventionen für den öffentlichen Nahverkehr nahelegen, um den Energiepreisschock durch den Krieg im Nahen Osten abzumildern. Wie aus einem der "Financial Times" vorliegenden Dokument hervorgeht, wird die Kommission den Mitgliedstaaten nächste Woche eine Reihe von Maßnahmen zur Senkung der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen, zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Förderung sauberer Energien vorlegen. Die Schritte sollen eine "sofortige Entlastung" bei den hohen Energiepreisen bewirken. Auch Bloomberg berichtete bereits über den Plan der Kommission, allerdings nicht den Homeoffice-Vorschlag. Die Empfehlungen basieren auf Maßnahmen, die bereits während der durch die russische Invasion in der Ukraine ausgelösten Energiekrise umgesetzt wurden. Damals senkte die damalige Regierung etwa die Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden, die Außenbeleuchtung öffentlicher Gebäude oder Denkmäler wurde eingeschränkt. Unternehmen sollen nach den aktuellen Kommissionsvorschlägen ermutigt werden, wo möglich mindestens einen Tag verpflichtendes Homeoffice einzuführen. Zudem empfiehlt sie die Subventionierung des öffentlichen Nahverkehrs und eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Wärmepumpen, Heizkessel und Solaranlagen. Anonymer EU-Beamter Brüssel werde zudem "ehrgeizige", aber noch nicht näher bezifferte Ziele für die Elektrifizierung festlegen, heißt es in dem aktuellen Dokumententwurf. Um diese Ziele zu erreichen, will Brüssel die Mitgliedstaaten bei der Entwicklung von "sozialen Leasingmodellen für saubere und effiziente Technologien" wie Wärmepumpen, Elektroautos und Speicherbatterien unterstützen. Mehrere Beamte betonten, dass es sich bei den Maßnahmen um Empfehlungen und nicht um verbindliche Vorschriften handele. "Wenn wir mit Energieknappheit konfrontiert sind, ist es unsere Verantwortung sicherzustellen, dass die Bürger wissen, was sie tun können, um den Verbrauch zu senken", sagte ein EU-Beamter. "Wir betreiben kein Mikromanagement im Leben der Menschen." Die Empfehlungen zur Senkung des Öl- und Gasverbrauchs sind Teil eines umfassenderen Pakets zur Bewältigung der hohen Energiekosten. Dieses Paket umfasst auch die Elektrifizierung des Energiesystems und eine verstärkte Koordinierung beim Einkauf fossiler Brennstoffe. Die Mitteilung, die den Staats- und Regierungschefs laut Bloomberg am nächsten Mittwoch vorgelegt wird, ist weitgehend unverbindlich. Die Kommission wird jedoch zwei Gesetzesinitiativen zur Kostensenkung einbringen. Dazu gehören Gesetzesänderungen zur Anpassung der Strommarktregeln, um die Transportkosten für Strom zu senken. Außerdem soll eine Richtlinie geändert werden, um sicherzustellen, dass Strom niedriger besteuert wird als fossile Brennstoffe. Ebenso will die Kommission die Mitgliedstaaten bei Regeln zu Preisdeckeln und der Stützung von Einkommen unterstützen und nationale Übergewinnsteuern prüfen. Eine EU-weite Übergewinnsteuer, wie von einigen Mitgliedstaaten gefordert, ist darin jedoch nicht vorgesehen.