Ukraine: Polizei steht nach tödlichen Schüssen in Kyjiw in der Kritik

Datum19.04.2026 12:13

Quellewww.zeit.de

TLDRNach einem blutigen Angriff mit sechs Toten in Kyjiw, der als Terroranschlag eingestuft wird, steht die ukrainische Polizei in der Kritik. Innenminister Klymenko ordnete eine Untersuchung des Verhaltens beteiligter Beamter an, nachdem Videos aufgetaucht waren, die Polizisten zeigen, wie sie fliehen, während ein Kind und ein Mann von Schüssen getroffen werden. Der Täter, ein 58-jähriger in Russland geborener Mann mit Waffenerlaubnis, wurde erschossen. Ein politischer Hintergrund oder Verbindung zur russischen Invasion ist unklar.

InhaltSechs Tote, mehr als ein Dutzend Verletzte – der Schusswaffenangriff in Kyjiw wirft nicht nur Fragen zum Täter auf. Auch zum Verhalten der Polizei laufen Ermittlungen. Einen Tag nach tödlichen Schüssen in Kyjiw hat der ukrainische Innenminister Ihor Klymenko angekündigt, ein Dienstaufsichtsverfahren gegen beteiligte Polizisten einzuleiten. Er habe den Polizeichef beauftragt, eine "Untersuchung zu den Handlungen der Polizeibeamten während des Terroranschlags in Kyjiw durchzuführen", schrieb Klymenko auf Telegram. Alle Erkenntnisse sollen der Staatsanwaltschaft übermittelt werden. "Dienen und schützen ist nicht nur eine Losung", schrieb er auf Telegram. Dies gehöre gerade in kritischen Situationen, wenn das Leben von Menschen auf dem Spiel stehe, zur Professionalität dazu.  Offenbar bezieht sich der Innenminister auf ein Video, das in den sozialen Netzwerken kursiert. Darauf sind zwei Polizisten bei einem kleinen Jungen zu sehen, bei den ersten Schüssen laufen sie weg und lassen das Kind allein. Der Junge kann entkommen. Allerdings treffen die Schüsse in dem von Augenzeugen aufgenommenen Video einen Mann, der unmittelbar neben dem Jungen versucht, zu fliehen. Bei dem Angriff am Samstag hat ein mit einem Gewehr bewaffneter Mann sechs Menschen getötet. 14 Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht. Der Täter habe um sich geschossen, gaben die Behörden an. Eine darauffolgende Geiselnahme in einem Supermarkt wurde demnach von der Polizei gestürmt und der Schütze erschossen. Die Tat wird von Behörden als Terroranschlag eingestuft. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde der Angreifer in Russland geboren und hat lange im Osten der Ukraine gelebt. Für den Besitz der Tatwaffe hatte der 58-Jährige eine Erlaubnis. Ob es einen politischen Hintergrund der Tat oder eine direkte Verbindung zu der seit vier Jahren laufenden russischen Invasion gibt, ist allerdings weiter offen.