Datum19.04.2026 05:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDas neue Terminal 3 am Frankfurter Flughafen wurde trotz Herausforderungen wie der Corona-Krise und Lieferkettenproblemen weitgehend reibungslos und ohne die gravierenden Verzögerungen des BER gebaut. Dies gelang durch die Zerlegung des Projekts in über 300 Einzelteile, ein frühes "Design Freeze" und das Management erfahrener Projektleiter. Dennoch kam es zu Verzögerungen und Kostensteigerungen, und Bürgerinitiativen kritisieren den Ausbau. Aktuell findet die schrittweise Eröffnung statt.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Flughafen“. Lesen Sie jetzt „Warum aus dem Terminal 3 in Frankfurt kein neuer BER wurde“. 19 Millionen Passagiere im Jahr, schnell erweiterbar auf 25 Millionen - das neue Terminal 3 am Frankfurter Flughafen würde sich im deutschen Kapazitäts-Ranking unter anderem hinter Berlin und Düsseldorf auf Platz 5 einordnen, wenn es ein eigenständiger Flughafen wäre. Wenn der Betreiber Fraport am Mittwoch (22. April) den neuen Mega-Komplex feierlich eröffnet und einen Tag später in den Regelbetrieb nimmt, erstaunt vor allem der weitgehend skandalfreie und reibungslose Ablauf des vier Milliarden Euro teuren Bauprojekts. Jahrelange Verzögerungen wie am Hauptstadtflughafen BER blieben trotz Corona-Krise und anschließender Lieferkettenprobleme aus mehreren Gründen aus. Großprojekte wie der Neubau eines Flughafens scheitern nicht an einzelnen Ereignissen, sondern an Organisationsfehlern. Längst sind in Deutschland für Milliarden-Bauten keine Generalunternehmer mehr zu finden, musste auch die börsennotierte Fraport AG vor dem Baustart im Oktober 2015 erfahren. Entsprechend zerlegte man den Bauprozess in mehr als 300 Einzelprojekte, die über eine eigens geschaffene Tochter-Gesellschaft Fraport Ausbau Süd GmbH ausgeschrieben und gesteuert wurden. Schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt wurde mit einem "Design Freeze" das ständige Umplanen unterbunden, das in Berlin viel Geld und Zeit kostete. Das sei die Grundlage für den reibungslosen Ablauf der Baustelle gewesen, sagte der Geschäftsführer der Projektgesellschaft, Harald Rohr, ohne selbst den Vergleich zum Hauptstadtflughafen zu ziehen. Dieser war im Jahr 2020 mit letztlich neun Jahren Verspätung und mehr als fünf Milliarden Euro ungeplanten Mehrkosten ans Netz gegangen. Die Verantwortung für die Frankfurter Mega-Baustelle mit zeitweise mehr als 2.000 gleichzeitig aktiven Fachkräften lag in den Händen erfahrener Manager. Rohr hatte am Flughafen bereits das Terminal 2, das spektakuläre Bahnhofs- und Bürogebäude "The Squaire" sowie die Cargo City Süd betreut. Die kaufmännische Leiterin Stephanie Buckwitz hat Berliner Regierungsbauten sowie die neue Europäische Zentralbank in Frankfurt in der Vita stehen. Verzögerungen gab es aber auch in Frankfurt, denn mitten in die Bauzeit platzte 2020 die Corona-Krise, die den weltweiten Luftverkehr abrupt unterbrach und für längere Zeit ausbremste. Die Passagierzahlen am größten deutschen Flughafen brachen zusammen und sind auch aktuell noch weit vom Rekord mit rund 70,5 Millionen Passagieren aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 entfernt. Bürgerinitiativen kritisieren weiterhin den als überdimensioniert empfundenen Ausbau des größten deutschen Flughafens mitten in der dicht besiedelten Rhein-Main-Region. Dessen 2011 vollendetes System aus vier Start- und Landebahnen bietet allerdings noch weiteres Potenzial für mehr Flüge und Passagiere - und noch mehr Fluglärm. Das Terminal 3 (T3) kann mit einem weiteren Flugsteig auf eine Kapazität von 25 Millionen Passagieren gebracht werden. Aus dem angepeilten Eröffnungsjahr 2022 ist nun 2026 geworden, auch der anfangs genannte Kostenrahmen von 2,5 bis 3 Milliarden Euro wurde bereits vor Corona nach oben korrigiert. Der MDax-Konzern Fraport federte Krise und Bauverzögerungen ab, weil die öffentlichen Mehrheitseigentümer letztlich die günstige Kreditaufnahme ermöglichten. Die dicksten Brocken hat das Unternehmen wohl hinter sich, wie aus dem Geschäftsbericht 2025 hervorgeht. Die Netto-Finanzschulden sind erstmals seit Jahren zurückgegangen auf zuletzt knapp 8,2 Milliarden Euro. Der weitere Tilgungsplan steht und erstmals seit 2018 soll zudem eine Dividende fließen. Fraport unterbrach die Bautätigkeit am T3 nicht, sondern streckte die Arbeiten. Als 2022 der Flugsteig G als erstes Teilstück fertiggestellt wurde, brauchte ihn kein Mensch - schon gar nicht die Billigflieger wie Ryanair, für die der Gebäudeteil eigentlich gedacht war. Wegen hoher Steuern und Gebühren machen die Iren aktuell einen möglichst weiten Bogen um die teuren deutschen Flughäfen. Ob sie jemals nach Frankfurt zurückkehren, steht in den Sternen. In den vergangenen Wochen liefen noch Tests mit bis zu 8.000 flughafenfremden Komparsen, die verschiedene Abläufe etwa beim Einchecken, der Gepäckaufgabe oder an den Kontrollstellen ausprobierten. Zunächst ziehen außereuropäische Fluggesellschaften aus dem bisherigen Terminal 2 in das neue Gebäude. Bis zum Sommer sollen alle Airlines einschließlich der Europäer das Terminal 2 verlassen haben, das nach mehr als 30 Jahren Nutzung zur Sanierung ansteht. © dpa-infocom, dpa:260419-930-963550/1