Datum18.04.2026 20:29
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Jabra Evolve3 85 ist ein für Videokonferenzen und Telefonate optimierter Kopfhörer. Seine Mikrofone liefern klare Stimmen, und die „ClearVoice“-Technologie unterdrückt Umgebungsgeräusche. Musikwiedergabe ist solide, mit Fokus auf Stimmen und seidigen Höhen. Die Geräuschunterdrückung ist für Reisen nur bedingt geeignet. Praktisch sind Funktionen wie „Sidetone“ und der Jabra Link 390 Bluetooth-Adapter. Mit langer Akkulaufzeit eignet er sich für Vieltelefonierer, ist aber teurer als einige Konkurrenten.
InhaltEin etwas anderer Kopfhörer: Statt für fetten Sound oder Stille im Flugzeug ist der Jabra Evolve3 85 für Videokonferenzen und Telefonate optimiert. Im Test gab er sich trotzdem als Entertainer aus. Der Evolve3 85 fällt durch das Raster normaler Kopfhörertests. Nicht wegen seines Listenpreises von 688 Euro – den man nirgends bezahlt –, sondern weil er primär weder zum Musikhören noch für Flugreisen konzipiert ist. Stattdessen findet er seinen Arbeitsplatz am Arbeitsplatz – auch wenn der nicht im Büro ist. Das Design ist schlicht, wirkt wegen des vielen Kunststoffs nicht sonderlich edel. In dieser Hinsicht ähnelt er dem WH-1000XM6 von Sony, bei dem ebenfalls Plastik dominiert. Nur die ausfahr- und drehbaren Bügel sind aus Metall. Schön klein und leicht ist das mitgelieferte Etui, das den Kopfhörer ausreichend schützt, aber sehr viel dünner ist als die Transportboxen vieler Konkurrenten. Dieser Text enthält mit dem Hinweis "Anzeige" gekennzeichnete Affiliate-Links, über die der Verlag, aber nie der Autor individuell, bei Verkäufen eine geringe Provision vom Händler erhält. Was den Jabra von vielen seiner eher audiophilen Gegenstücke unterscheidet, ist das Gewicht. Mit seinen 220 Gramm ist er 34 Gramm leichter als der ebenfalls leichte Sony WH-1000XM6 und wiegt fast 170 Gramm weniger als Apples AirPods Max 2 (hier unser Testbericht). Das spürt man. Er liegt angenehm leicht auf dem Kopf, was ihn für lange Nutzungsphasen prädestiniert. Das ist auch deshalb wichtig, weil der Evolve3 85 dafür gedacht ist, stundenlang getragen zu werden, im Großraumbüro, in der Bahn, im Flugzeug, im Café. Jabra-Kopfhörer finden ihre Kundschaft in Videokonferenzen und Telefonaten. Eine Taste zum Aufrufen von Microsoft Teams sowie eine LED, die auf Wunsch rot leuchtet, während man telefoniert, machen das unübersehbar. Unüberhörbar wird man selbst, weil die Mikrofone die Stimme der Trägerin oder des Trägers der Kopfhörer transparent und voll auffangen. Eine Technologie, die Jabra "ClearVoice" nennt, hilft dabei, störende Geräusche, wie etwa Autoverkehr oder eine Unterhaltung am Nebentisch, zu unterdrücken. Laut Jabra sind dabei "KI-gestützte Deep-Learning-Technologie sowie fortschrittliche Algorithmen" im Spiel. Von einem Office-Kopfhörer hätte ich das nicht erwartet, aber der Evolve3 85 klingt auch bei Musik gar nicht schlecht. Dabei lässt er keinen Zweifel an seiner eigentlichen Bestimmung: Der Mittenbereich wird sehr transparent wiedergegeben, was vorwiegend Stimmen und Gitarren zugutekommt. In David Gilmours "Velvet Nights" jedenfalls kommen der Gesang und die Gitarren des Briten sauber und detailliert an die Ohren. Der Bass wummert im selben Stück dagegen etwas dumpf vor sich hin, wirkt wenig definiert. Ein ähnlicher Effekt ist in Charlie Puths "Changes" zu hören. Die von Gesang, zurückhaltenden Drums und einer Funk-Gitarre geprägten Passagen von Intro und Strophe klingen sauber und klar, doch sobald der Bass einsetzt, dominiert er das Klangbild. Von einem "Bass Boost" sollte man deshalb die Finger lassen, Bass hat er auch so genug. Höhen gibt der Jabra ausgesprochen seidig wieder, perfekt für stundenlange entspannte Hörsessions. Mit dem Fünfband-Equalizer (EQ) in der App kann man den Klangcharakter zudem in die bevorzugte Richtung formen. Die Geräuschunterdrückung ist brauchbar, mehr nicht. Wer den Evolve3 85 benutzt, weil man damit so gut telefonieren und konferieren kann, muss auf Reisen keinen weiteren Kopfhörer mitschleppen. Jedenfalls nicht auf Kurztrips durch Deutschland und Europa. Spätestens auf Mittelstreckenflügen würde ich aber zumindest meine AirPods Pro 3 einstecken, weil sie Flugzeuglärm einfach viel besser ausblenden. Mit dem Evolve3 85 hingegen konnte ich im Flugzeug immer noch die Triebwerke und das Gerede der Passagiere um mich herum hören. Und zwar über das gesamte Frequenzspektrum. Für die Langstrecke ist das nicht genug. Die sogenannte HearTrough-Funktion, die Umgebungsgeräusche an die Ohren weiterleiten soll, damit man sich beim Telefonieren und Konferieren nicht zu sehr von der Welt abgekoppelt fühlt, funktioniert besser. Die Höhen sind in diesem Modus zwar sehr spitz, aber man bekommt mit, worüber die Kolleginnen und Kollegen reden und wie laut die Tastatur klappert. Eine schöne Idee: Mit der "Sidetone"-Funktion kann man dafür sorgen, dass man die eigene Stimme auch bei aktivierter Geräuschunterdrückung hören kann. Das lässt Telefonate natürlicher wirken, weil man die eigene Stimme klar und deutlich statt vom ANC muffelig gedämpft wahrnimmt. Sogar, wie laut man sich hören möchte, kann man festlegen. Neben dem Travelcase liegen dem Evolve3 85 ein Klinkenkabel für Bordunterhaltungssysteme in Flugzeugen sowie ein USB-C-Kabel zum Aufladen und für Audioverbindungen bei. Schade nur, dass für die Strippen kein fester Platz im Case vorgesehen ist. So kann man sie bloß lose hineinlegen, was Kabelchaos bedeutet. Für den mitgelieferten Bluetooth-Adapter hingegen ist ein Plätzchen vorhanden. Das ist auch besser so, da der kleine USB-C-Stecker sonst unweigerlich eigene Wege gehen würde. Dabei ist der Jabra Link 390 genannte Stecker ausgesprochen praktisch, wenn man die Kopfhörer mit fremden oder vielen wechselnden Geräten verbinden möchte. Sobald er in einem Gerät steckt, stellt er eine Verbindung zum Evolve3 85 her, ganz ohne Umweg über Systemeinstellungen und Kontrollfelder. Auf diese Weise konnten wir drei Verbindungen gleichzeitig, per Bluetooth und USB-C-Kabel, herstellen. Sobald man das Klinkenkabel einsteckt, ist es damit aber vorbei, und der Jabra akzeptiert nur noch, was ihm durch das Audiokabel geliefert wird. Eine nette Option für Vieltelefonierer: Gegen Aufpreis liefert Jabra ein Ladepad mit, auf dem sich die Kopfhörer kabellos aufladen lassen. Während des Tests haben wir das nur der Form halber ausprobiert, wirklich nötig war das nicht. Jabra gibt beim Musikhören bis zu 55 Stunden Akkulaufzeit mit ANC und 120 Stunden ohne ANC an. Sobald man damit telefoniert und konferiert, geht dieser Wert auf maximal 25 Stunden herunter. Allesamt sehr gute Werte. Wer viel telefoniert und konferiert, wird viel Gutes am Evolve3 85 finden. Die Mikrofone sind top, die Stimmen der Gesprächspartner und -partnerinnen werden klar und deutlich wiedergegeben. Wenn man die richtigen Modi aktiviert, kann man sich selbst dabei trotz Kopfhörer laut und deutlich hören. Auch um auf dem Weg ins Büro einen Podcast zu hören, für Musik auf dem Heimweg oder um auf einer langen Zugfahrt einen Film anzuschauen, ist der Evolve3 85 geeignet. Zumindest solange die Klangqualität beim Telefonieren wichtiger ist als alles andere. Ansonsten kann man für die 370 bis 420 Euro, die er im Handel kostet, auch gute Sony-Kopfhörer und fast sogar die erste Generation von Apples AirPods Max bekommen. Über welche Produkte wir im Tests-Ressort berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen von den Herstellern. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen. Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen werden uns in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen. Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. Wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind, kaufen wir in einigen Fällen auf eigene Kosten Testgeräte. In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und langfristige Leihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen, bevor sie zurückgegeben werden. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen. Oft werden solche Produkte und Rezensionsexemplare zum Beispiel am Ende eines Jahres gesammelt und im Rahmen eines firmeninternen Flohmarktes verkauft, wobei die Erlöse für gemeinnützige Zwecke gespendet werden. Teilweise werden Rezensionsexemplare auch direkt an gemeinnützige Einrichtungen gespendet. In Artikeln des Tests-Ressorts finden sich sogenannte Affiliate-Anzeigen, die Links zu Onlineshops enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link einen dieser Shops und kauft dort ein, wird DER SPIEGEL, aber nie der Autor individuell, in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt. Eine ausführliche Erklärung zu Affiliate-Links finden Sie, wenn Sie auf diesen Link klicken.