Arbeitsplätze: Wut-Bühne für Gewerkschafter und Politik bei Zalando-Protest

Datum18.04.2026 17:06

Quellewww.zeit.de

TLDRGewerkschafter und Politiker protestierten gegen die geplante Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt. Mitarbeiter, Verdi und die Thüringer Arbeitsministerin kritisierten Zalandos Umgang mit der Belegschaft und dem Betriebsrat scharf. Die Schließung des Standorts mit rund 2.700 Beschäftigten, die nach einem Jahr der Umstrukturierung angekündigt wurde, wird als verletzend für die Biografien der Angestellten angesehen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Arbeitsplätze“. Lesen Sie jetzt „Wut-Bühne für Gewerkschafter und Politik bei Zalando-Protest“. Bei einer Kundgebung gegen die geplante Schließung des Zalando-Standortes in Erfurt haben sich Mitarbeiter, Gewerkschafter aber auch prominente Politikvertreter Luft gemacht. Vor allem der Umgang des Internet-Modehändlers mit der Belegschaft und dem Betriebsrat stand dabei im Mittelpunkt der Kritik. "Der hat bei der letzten Betriebsversammlung einen neuen Tiefstand erreicht: Da war von der Geschäftsleitung gar keiner mehr da", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Matthias Adorf bei dem Protest vor dem Erfurter Hauptbahnhof.  Auch Arbeitsministerin Katharina Schenk kritisierte den Dax-Konzern und seine nach ihrer Ansicht fehlende Kooperationsbereitschaft deutlich. "Ich war stocksauer", fasste die SPD-Politikerin ihr Empfinden nach ihrem Besuch bei der Betriebsversammlung am vergangenen Mittwoch zusammen. Sie unterstellte Zalando ein "systematisches "In-den-Arsch-Treten" von den Menschen, die den Erfolg erwirtschaftet haben". Sie betonte: "Starke, gesunde, gut bezahlte Arbeitnehmer sind die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg, sonst nichts." Neben Schenk waren auch andere Politiker vor Ort, darunter Finanzministerin Katja Wolf und Infrastrukturminister Steffen Schütz (beide BSW), sowie der ehemalige Ministerpräsident und Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke). Gewerkschaftssekretär Adorf betonte, dass es nicht nur um Arbeitsplätze gehe, sondern auch um Biografien. Als er selbst vor einigen Jahren bei Zalando gearbeitet habe, habe er dort seine heutige Ehefrau kennengelernt. "Das ist nicht die einzige Zalando-Ehe, die es hier in Erfurt gibt." Im Zalando-Logistikzentrum in Erfurt sind rund 2.700 Arbeitnehmer beschäftigt. Nach den Plänen des Dax-Konzerns soll es im September geschlossen werden. Dagegen wehrt sich die Arbeitnehmervertretung. Den für Mitarbeiter überraschenden Schritt hatte Zalando Anfang des Jahres kurz nach der arbeitsintensiven Weihnachtszeit angekündigt. Grund ist nach Unternehmensangaben eine Neuausrichtung des konzerneigenen europaweiten Logistiknetzwerks nach der Übernahme des Online-Modehändlers About You im vergangenen Jahr. © dpa-infocom, dpa:260418-930-962514/1