Datum18.04.2026 16:10
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Artikel berichtet über das gescheiterte Projekt Future Combat Air System (FCAS), ein geplantes deutsch-französisch-spanisches Kampfjet-System. Ein interner Streit zwischen den Konzernen Dassault und Airbus über die Führungsrolle hat die länderübergreifende Zusammenarbeit seit Monaten blockiert. Ein letzter Vermittlungsversuch ist nun ebenfalls gescheitert. Angesichts der festgefahrenen Situation wird über die Entwicklung separater Kampfjets oder eine Beschränkung der Zusammenarbeit auf Drohnen diskutiert. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen wird in Kürze erwartet.
InhaltDas geplante Luftkampfsystem FCAS wird wohl nicht verwirklicht. Ein Streit zwischen den beteiligten Konzernen verhindert die länderübergreifende Zusammenarbeit. Das geplante deutsch-französische Luftkampfsystem FCAS steht seit Monaten auf der Kippe – jetzt ist einem Zeitungsbericht zufolge auch ein letzter Vermittlungsversuch gescheitert. Die Mediatoren hätten keine Einigkeit erzielt, berichtete das Handelsblatt am Samstag unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Kreise. Es soll demnach zwei verschiedene Ergebnisberichte geben. Die Abkürzung FCAS steht für Future Combat Air System. Zu diesem Luftkampfsystem der Zukunft sollten bisherigen Planungen zufolge neben einem gemeinsamen Kampfjet auch Drohnen und neue Kommunikationssysteme gehören. Es sollte ab den 2040er-Jahren einsatzfähig sein. Ein Führungsstreit zwischen den beteiligten Konzernen Dassault und Airbus verzögert das Projekt seit Monaten. Airbus lehnte laut der Agentur Reuters eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Auch von Dassault und dem Präsidialamt in Paris waren zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte das 100-Milliarden-Euro-Projekt, an dem auch Spanien beteiligt ist, im Februar erstmals offen in Frage gestellt. Dabei verwies er auf die unterschiedlichen Anforderungen an einen Kampfjet der neuen Generation. Zuletzt mehrten sich in Deutschland und Frankreich Stimmen, die die Entwicklung zweier verschiedener Kampfjets fordern und die Zusammenarbeit auf Drohnen und weitere Komponenten beschränken wollen. Im Streit um die Führungsrolle bei dem Projekt beauftragten beide Seiten Ende März laut Medienberichten den früheren Chef des Panzerbauers KMW, Frank Haun, und den ehemaligen französischen Rüstungsmanager Laurent Collet-Billon, noch einen Lösungsversuch zu unternehmen. Die französische Seite soll dabei erneut vor der Gefahr eines Wahlsieges des Rassemblement National bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr gewarnt haben, berichtete das Handelsblatt. Die französischen Rechtspopulisten hatten angekündigt, kooperative Rüstungsprogramme zu beenden, falls sie an die Macht kommen sollten. Auch soll Frankreich erneut mit einem Aus des gemeinsamen Panzerprojekts MGCS gedroht haben, falls FCAS nicht fortgeführt wird. Noch am Wochenende wolle sich Bundeskanzler Merz über das Ergebnis der Vermittlung unterrichten lassen und bis Dienstag entscheiden, heißt es in dem Zeitungsbericht. Am Donnerstag und Freitag wird der Kanzler den französischen Präsidenten Emmanuel Macron beim informellen Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Zypern treffen. "Jetzt muss die Hängepartie endlich enden", sagte der für die Luftwaffe zuständige Berichterstatter der Unionsfraktion, Volker Mayer-Lay (CDU), dem Handelsblatt. Durch die Mediation sei nun alles versucht worden. Wenn diese zu keinem positiven Ergebnis komme, sei das Projekt FCAS in dieser Form am Ende. Vor diesem Hintergrund forderte der CDU-Politiker eine zügige "Zwei-Fighter-Lösung". Das bedeutet, dass Deutschland und Frankreich getrennt jeweils ein eigenes Kampfflugzeug entwickeln.