USA: FBI-Chef Kash Patel soll laut US-Magazin seine Entlassung fürchten

Datum18.04.2026 15:53

Quellewww.spiegel.de

TLDRDas Magazin "Atlantic" berichtet über FBI-Chef Kash Patel, der wegen Alkoholexzessen, Paranoia und unerklärlichen Abwesenheiten unter Druck steht. Mehrere Beamte und ehemalige Mitarbeiter beschreiben ihn als unzuverlässig und paranoid, was angeblich seine schnelle Entlassung befürchten lässt. Patel weist die Vorwürfe zurück und droht mit Klage. Das Weiße Haus verteidigt ihn und nennt ihn einen wichtigen Akteur.

InhaltVon Alkoholexzessen, Paranoia und unerklärlichen Abwesenheiten ist die Rede: Die US-Zeitschrift "Atlantic" zeichnet ein vernichtendes Bild von Donald Trumps FBI-Chef Kash Patel. Der droht dem Magazin mit einer Klage. Der von US-Präsident Donald Trump berufene FBI-Direktor Kash Patel gerät zunehmend unter Druck. Das Magazin "Atlantic" berichtet unter Berufung auf mehr als zwei Dutzend aktuelle und ehemalige Beamte, dass Patel wiederholt betrunken bei der Arbeit erschienen sei, wichtige Termine ohne Erklärung versäumt habe und Angst vor seiner bevorstehenden Entlassung haben soll. Das FBI ist die zentrale inländische Sicherheitsbehörde sowie der Inlandsgeheimdienst der USA. Besonders symptomatisch sei ein Vorfall vom Freitag vergangener Woche: Patel habe sich nicht in ein internes Computersystem des FBI einloggen können und sofort geglaubt, gefeuert worden zu sein. Er habe in Panik Mitarbeiter und Verbündete angerufen. Zwei Personen beschrieben sein Verhalten dem Magazin zufolge als "Freak-out". Im Weißen Haus seien Anrufe von FBI-Mitarbeitern und Kongressmitgliedern eingegangen, die wissen wollten, wer nun das FBI führe. Die Antwort: immer noch Patel. Es sei ein technischer Fehler gewesen. "Das war am Ende alles Bullshit", sagte ein FBI-Beamter dem Magazin. Das Weiße Haus wies die Berichte zurück. Sprecherin Karoline Leavitt erklärte, unter Trump und Patel sei "die Kriminalität im ganzen Land auf den niedrigsten Stand seit mehr als 100 Jahren gesunken". Patel bleibe ein "entscheidender Akteur im Team ›Recht und Gesetz‹ dieser Regierung." Patel selbst ließ über das FBI mitteilen: "Druckt es – alles falsch. Wir sehen uns vor Gericht." Seitdem Trump seine Justizministerin Pam Bondi Anfang April entlassen hat, soll auch der ihr bislang untergeordnete Patel um sein Amt fürchten. Bondi hatte Patel politisch gedeckt; mit ihrem Abgang habe er eine wichtige Fürsprecherin verloren, berichtet der "Atlantic". "Wir warten alle nur auf die Nachricht, dass Patel offiziell weg ist", sagte ein FBI-Beamter dem Magazin. Ein ehemaliger Mitarbeiter beschrieb ihn als "zu Recht paranoid". Kash Patel ist kein typischer FBI-Direktor. Der Sohn indischer Einwanderer begann seine Karriere als Pflichtverteidiger in Miami, bevor er als Kongressmitarbeiter – unter anderem für den republikanischen Geheimdienstausschuss – zu einem der lautesten Verteidiger Trumps in Washington wurde. Er war maßgeblich an einem umstrittenen Memo beteiligt, das angebliche Missstände im FBI aufdecken sollte, und avancierte so zum Liebling des MAGA-Lagers. In seinem 2023 erschienenen Buch "Government Gangsters" stellte er eine Liste von Beamten zusammen, die er als korrupt oder illoyal bezeichnete. FBI-Chef Kash Patel, als Reaktion auf den "Atlantic"-Bericht Trump schätzt Patels Loyalität. Als er nach seiner Wiederwahl im November 2024 das FBI umbauen wollte, war Patel seine Wahl. Dessen Vorgänger Christopher Wray, den Trump selbst 2017 ernannt hatte, war dem Präsidenten zunehmend ein Dorn im Auge – unter anderem wegen der FBI-Ermittlungen im Zusammenhang mit dem 6. Januar 2021, als das Kapitol von Trumps Anhängern gestürmt worden war –, und Trumps Umgang mit Verschlusssachen. Nach Trumps Wahlsieg kündigte Wray seinen Rücktritt an, bevor er abgesetzt werden konnte. Bevor Trump 2017 zum ersten Mal ins Weiße Haus einzog, war es unüblich, dass der neue Präsident den FBI-Chef austauschte. Bei Patels Bestätigungsanhörung gelobte er, es werde "keine Vergeltungsmaßnahmen" geben. Mehrere Republikaner zeigten sich dennoch skeptisch angesichts seiner Neigung zu Verschwörungstheorien – darunter die Behauptung, das FBI habe den Sturm auf das Kapitol mitinszeniert, um die MAGA-Bewegung zu sabotieren. Nach massivem Druck aus dem Weißen Haus wurde er mit 51 zu 49 Stimmen bestätigt. Was Insider laut "Atlantic" am stärksten beunruhige, sei Patels Alkoholmissbrauch. Dieser sei beim FBI und in der Regierung weithin bekannt. Mehrfach hätten Mitglieder seines persönlichen Sicherheitsdienstes den 46-jährigen Patel hinter verschlossenen Türen nicht erreichen können. In einem Fall im vergangenen Jahr hätten sie mehreren Quellen des "Atlantic" zufolge eine Art Rammbock angefordert, um ein Gebäude, in dem sich der mit anderen Mitteln unerreichbare Patel befand, zu erstürmen – derartiges Gerät komme gewöhnlich bei Geiselnahmen oder Schießereien mit bewaffneten Kriminellen zum Einsatz. Auch im Washingtoner Privatclub Ned's und im Poodle Room in Las Vegas – wo er regelmäßig Wochenenden verbringe – sei Patel sichtlich betrunken gesehen worden. Morgendliche Meetings hätten auf später in den Tag verlegt werden müssen, weil Patel nach alkoholreichen Nächten nicht verfügbar gewesen sei. Bei einer Dienstreise nach Italien im Februar wurde Patel gefilmt, wie er mit dem US-Olympia-Eishockeyteam Bier trank. Ein Reporter teilte das Video später auf der Plattform X, der FBI-Chef bestätigte später seine Echtheit. Trump, der selbst abstinent lebt und dessen Bruder nach langem Kampf mit dem Alkoholismus starb, habe Patel daraufhin angerufen, um seiner Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen, berichten später verschiedene US-Medien. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Auch im Umgang mit laufenden Ermittlungen falle Patel durch Impulsivität auf. Nach einer Schießerei an der Brown University habe er triumphierend in sozialen Medien verkündet, das FBI habe "eine Person von Interesse festgenommen" – die kurz darauf wieder freigelassen worden sei. Innerhalb des FBI wachse die Frustration, berichtet der "Atlantic". Beamte schilderten, dass Patel wichtige Entscheidungen verzögere und schwer erreichbar sei. Um vermeintliche Loyalitätsbrüche aufzudecken, würden Mitarbeiter Lügendetektor-Tests unterzogen, bei denen sie gefragt würden, ob sie jemals etwas Abfälliges über Patel oder Trump gesagt hätten. Kurz vor dem amerikanischen Militäreinsatz gegen Iran habe Patel Mitglieder einer Spionageabwehreinheit entlassen, die sich teilweise mit Iran befasst hatte. "Das instinktive Niveau an Erfahrung und Urteilsvermögen, das notwendig ist, um einen Terroranschlag zu erkennen und zu verhindern, fehlt", sagte ein ehemaliger leitender Geheimdienstbeamter dem Magazin. Überhaupt besorgt es dem Artikel zufolge mehrere FBI-Mitarbeiter, dass der Chef des Inlandsgeheimdienstes offenbar regelmäßig betrunken ist, während sich die USA im Krieg mit Iran befinden. Das Regime in Teheran unterstützt Terrororganisationen. Die FBI-Beamten fragten sich, was im Fall eines Terroranschlags in den USA passieren werde. "Das hält mich nachts wach", wird ein Beamter zitiert.