Trotz Automaten-Stationen: Post-Filialnetz hat in NRW mehr gesetzeswidrige Lücken

Datum18.04.2026 05:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Deutsche Post hat in NRW zunehmend Probleme, gesetzliche Vorgaben zur flächendeckenden Präsenz von Filialen zu erfüllen. Mitte April gab es 23 unbesetzte Pflichtstandorte, mehr als im Vorjahr. Hauptursache ist der Strukturwandel im Einzelhandel, der zu Schließungen führt. Zwar werden Poststationen als Ersatz anerkannt, doch die Bewilligung und Implementierung stockt. Die Bundesnetzagentur sieht die Automaten positiv, die Post kämpft jedoch mit Lücken in NRW.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Trotz Automaten-Stationen“. Lesen Sie jetzt „Post-Filialnetz hat in NRW mehr gesetzeswidrige Lücken“. Bei der Einhaltung einer gesetzlichen Vorschrift zur Flächenpräsenz mit Filialen hat die Deutsche Post in Nordrhein-Westfalen mit Problemen zu kämpfen. Wie die Bundesnetzagentur mitteilte, gab es in dem Bundesland Mitte April 23 unbesetzte Pflichtstandorte - an diesen Orten hat das Unternehmen keine Filialen, obwohl es dort eine haben müsste. Das waren 10 mehr als im September. Der Trend im Bundesgebiet war gegenläufig, dort sank die Anzahl der unbesetzten Standorte seit September um 30 auf 130.  Eine Post-Sprecherin begründete die Lücken im Filialnetz mit dem Strukturwandel des Einzelhandels vor allem im ländlichen Raum: Mancherorts mache das letzte Geschäft zu und es gebe kein anderes Geschäft mehr, der einen Postschalter haben könnte. Man arbeite intensiv an Lösungen und es handele sich nur um vorübergehende Lücken, betonte sie. Die Post hat bundesweit 12.400 Postfilialen, der Anteil der unbesetzten Standorte ist also gering. Der gelbe Riese muss in Dörfern mit mehr als 2000 Einwohnern eine Filiale haben. In größeren Kommunen und Städten darf die Filiale nicht weiter entfernt sein als zwei Kilometer, sofern das Wohngebiet zusammenhängend bebaut ist. Mit Filialen sind meistens Einzelhändler gemeint, etwa ein Supermarkt oder Kiosk mit einem Schalter, wo man Briefmarken kaufen oder Pakete abgeben kann. Solche Einzelhändler haben es auf dem Land oder am Stadtrand häufig wirtschaftlich schwer, viele von ihnen werfen irgendwann das Handtuch und machen dicht. Dann hat die Post dort keine Filiale mehr. Der Gesetzgeber ist sich dieses Problems bewusst und hat die Regelung in einer Gesetzesnovelle aufgeweicht: Seit vergangenem Jahr werden auch Automaten als Filiale anerkannt. Es geht um sogenannte Poststationen, an denen fast alle postalischen Leistungen zu haben sind: Man kann Briefmarken kaufen, Briefe einwerfen, Pakete frankieren sowie Pakete abgeben und abholen. Außerdem gibt es die Möglichkeit zur Videoberatung über ein Display. "Poststationen sichern die postalische Versorgung dort, wo wir keine Filialpartner mehr finden – und stoßen bei Kommunen sowie bei Bürgerinnen und Bürgern auf breite Zustimmung", sagt die Firmensprecherin. Für die Anerkennung als Filiale ist die Zustimmung der Bundesnetzagentur nötig, die sich vorher noch mit der jeweiligen Kommune abstimmt. Die Aufsichtsbehörde berichtet, die Post habe bislang 846 Anträge auf Zulassung einer automatisierten Station eingereicht, von denen die meisten noch in Bearbeitung seien. Es seien im Bundesgebiet bis Ende März 137 bewilligt worden.  Fast alle dieser Stationen standen an einem Pflichtstandort, der zuvor unbesetzt war. Die Bundesnetzagentur sieht die Automaten grundsätzlich positiv, da sie rund um die Uhr verfügbar sind und dem Verbraucher dadurch einen Mehrwert bieten. Zu den Orten in NRW, wo Mitte April eine Filiale hätte sein sollen und keine war, gehören Balve-Garbeck, Jüchen-Gierath, Dormagen-Delhoven, Dormund-Sölde, Tecklenburg-Leeden, Übach-Palenberg und Weilerswist.  Zusätzlich zu diesen Abstandsregeln muss die Post noch die Vorschrift einhalten, bundesweit mindestens 12.000 Filialen zu haben. Diese Messlatte überspringt die Post, sie hat in Deutschland nach eigenen Angaben 12.400 Filialen mit Menschen-Bedienung - sie hat also insgesamt mehr als genug Filialen aber halt nicht immer da, wo eine der Vorschrift zufolge gebraucht wird. © dpa-infocom, dpa:260418-930-960636/1