Datum17.04.2026 17:37
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Cottbus ermittelt die Polizei nach zwei mutmaßlich politisch motivierten rechten Vorfällen. Eine Initiative berichtet von Einschüchterungsversuchen zivilgesellschaftlich Engagierter, darunter Attacken auf ein Fahrrad und eine Haustür. Die Polizei prüft in einem Fall ein rechtsgerichtetes Motiv. Brandenburg verzeichnet eine Zunahme rechter Gewalttaten.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Politisch motivierte Taten“. Lesen Sie jetzt „Initiativen berichten von neuen rechten Vorfällen in Cottbus“. Die Polizei geht in Cottbus zwei Vorfällen nach, die ein Netzwerk als Angriffe aus dem rechten Spektrum schildert. Die Polizei bestätigte bisher zumindest in einem Fall, dass sie ein rechtsgerichtetes Motiv prüft. Die Initiative "Sichere Orte Südbandenburg" und der Verein Opferperspektive teilten am Nachmittag mit, dass es in einem Wohnviertel in Cottbus am Donnerstag nahezu zeitgleich und in derselben Straße zu zwei Vorfällen gekommen sei, die dem rechten Spektrum zuzuordnen seien. Sie zielten auf Einschüchterung von Menschen ab, die sich zivilgesellschaftlich engagierten. Unter anderem sei eine Haustür aufgetreten worden, hieß es. In Cottbus war es in der Vergangenheit bereits zu Angriffen auf ein alternatives Wohnprojekt und einen Jugendclub gekommen. Laut Initiative wurde am Donnerstag zunächst eine "antifaschistisch aktive Person" auf dem Fahrrad von einem anderen Radfahrer bedrängt. Dieser soll gefordert haben, die Tasche mit sichtbaren antifaschistische Symbolen herauszugeben. Der Täter soll die Person verhöhnt und einen Button von der Tasche abgerissen haben. Ein Sprecher der Polizeidirektion Süd sagte der dpa, die Polizei ermittele nach der Meldung des Vorfalls wegen des Verdachts der Nötigung und des Diebstahls. Es werde auch ein politisches Motiv geprüft, "weil es anhand der Schilderungen naheliegt". Zu einem zweiten Vorfall lagen der Polizei-Pressestelle zunächst noch keine Kenntnisse vor, wie der Sprecher sagte. Hier war laut Mitteilung des Netzwerks eine Person aus dem Presseteam der Initiative "Sichere Orte Südbrandenburg" in ihrem Wohnumfeld betroffen. Der Vorfall wird so geschildert: "Am späten Nachmittag des gestrigen Tages haben zwei Neonazis die Haustür aufgetreten, waren mehrere Stockwerke zur Wohnung vorgedrungen und hatten vor der Wohnungstür randaliert." Am Briefkasten seien mehrere Aufkleber hinterlassen worden – darunter ein Sticker mit der Aufschrift "Piss dich nach Berlin". Es sei Anzeige erstattet worden, sagte die Sprecherin der Initiative "Sichere Orte Südbrandenburg", Ricarda Budke. Es sei besonders erschreckend, dass bis ins Wohnumfeld vorgedrungen werde. "Diese Angriffe zielen darauf ab, engagierten Menschen ihre Rückzugsräume zu nehmen und sie zu vertreiben." Politik und Gesellschaft sollten sich öffentlich mit den Angegriffenen solidarisieren. In Cottbus kam es zudem zu zwei anderen mutmaßlichen Propagandadelikten. Wie der Polizei-Sprecher sagte, haben nach Zeugenaussagen am Donnerstag zwei Männer auf einer Autobahnbrücke der A13 in Cottbus vorbeifahrenden Autos den Hitlergruß gezeigt. Zwei junge Männer seien als Tatverdächtige angetroffen worden. Außerdem kam es in Cottbus kurz nach Mitternacht mehrfach zum Aufruf einer verbotenen Parole. Die Zahl rechter Gewalttaten ist in Brandenburg nach Angaben des Vereins Opferperspektive im vergangenen Jahr auf einen Höchstwert gestiegen. Für 2025 seien 290 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe gezählt worden, teilte der Verein mit. Im Jahr zuvor waren es 273 Angriffe. Auch die Zahl der Betroffenen habe mit 523 einen Höchstwert erreicht. © dpa-infocom, dpa:260417-930-959580/1