Datum23.07.2014 14:53
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer SPIEGEL-Umfrage-Tracker liefert täglich aktualisierte Durchschnittswerte aus Meinungsforschungsinstituten zur Sonntagsfrage. Aktuell liegt die AfD bei 26%, die Union bei 24% und die Grünen bei 14%. Der Tracker simuliert tausende Wahlausgänge, um die Wahrscheinlichkeit von Koalitionsmehrheiten statistisch zu ermitteln und berücksichtigt dabei die Unsicherheiten von Umfragen, aber keine systematischen Fehler.
InhaltWo liegen die Parteien in den Umfragen zur Bundestagswahl? Welche Koalitionen können auf eine Mehrheit hoffen? Hier finden Sie die laufend aktualisierten die Zahlen. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Neun Meinungsforschungsinstitute stellen Wählerinnen und Wählern regelmäßig die sogenannte Sonntagsfrage: "Welche Partei würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?" Der SPIEGEL-Umfrage-Tracker präsentiert täglich aktualisierte Durchschnittswerte aus allen verfügbaren Umfragen. Sie sind aussagekräftiger als das Ergebnis einer einzelnen Befragung. Und aus den Durchschnitten lässt sich ableiten, wie wahrscheinlich Mehrheiten für bestimmte Koalitionen sind. Die Union, die bei der Bundestagswahl 2025 stärkste Kraft wurde, kommt demnach aktuell noch auf rund 24 Prozent der Wählerstimmen, vier Prozentpunkte weniger als damals. Die AfD liegt derzeit bei 26 Prozent, ein Plus von fünf Punkten. Die SPD liegt bei 13 Prozent (minus drei Punkte), die Grünen bei 14 Prozent (plus zwei Punkte), die Linke bei elf Prozent (plus zwei Punkte), das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bei drei Prozent (minus zwei Punkte) und die FDP bei drei Prozent (nahezu unverändert). Aus den Umfragen lässt sich auch ablesen, welche Koalitionen gegenwärtig möglich wären. Oder genauer: wie wahrscheinlich sie eine Mehrheit im Bundestag hätten, würde jetzt gewählt. Diese Wahrscheinlichkeiten berücksichtigen die statistische Unsicherheit in Wahlumfragen. Die kommt daher, dass nicht alle Wahlberechtigten befragt werden, sondern immer nur ein kleiner Teil. Die Union etwa liegt derzeit bei rund 24 Prozent, würde jedoch bei einer Wahl wahrscheinlich nicht auf exakt 24,0 Prozent der Stimmen kommen – aber wohl auf einen Wert, der relativ nah daran liegt: Mit hoher Wahrscheinlichkeit läge das Ergebnis zwischen 22,4 und 26,6 Prozent. Mit einer solchen Schwankungsbreite sind die Umfragewerte jeder einzelnen Partei behaftet. Daher simuliert der SPIEGEL täglich tausend Wahlausgänge, basierend auf den aktuellen Umfragedurchschnitten und ihren Schwankungsbreiten. In jeder Simulation "ziehen" wir für jede Partei einen Wert, der meist nah, manchmal auch etwas weiter weg vom Umfragewert liegt. Daraus leiten sich die Sitzzahlen der Parteien ab. Aus den tausend simulierten Sitzverteilungen lässt sich ablesen, in wie vielen Simulationen eine Koalition auf eine Mehrheit kommt. Die Häufigkeit zeigt, wie wahrscheinlich diese Mehrheit laut Umfragen ist, würde jetzt gewählt. Nachfolgend zeigen wir Ihnen die Häufigkeitsverteilungen für verschiedene Koalitionen: Jedes kleine Quadrat steht für eine Simulation. Je mehr Sitze eine Koalition in der Simulation erhält, desto weiter rechts ist das Kästchen verortet. Je mehr Simulationen auf eine bestimmte Sitzzahl für eine Koalition kommen, desto höher türmen sich die Kästchen auf. Je höher der Turm, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Koalition auf diese Anzahl von Sitzen käme. Die aus den Umfragen abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten sind Momentaufnahmen. Sie verändern sich über die Zeit. Und sollten die Umfrageinstitute eine Partei systematisch über- oder unterschätzen, so würde sich diese Verzerrung auch in die berechneten Wahrscheinlichkeiten fortsetzen. Die Wahrscheinlichkeiten helfen also dabei, Umfragen besser zu interpretieren. Die Zusammensetzung des nächsten Parlaments vorhersagen können sie aber nicht. Dieser Artikel wurde am 23. Juli 2014 erstmals veröffentlicht und wird fortlaufend aktualisiert. Neue Umfragedurchschnitte und Wahrscheinlichkeiten werden täglich automatisiert berechnet. Die einzelnen Umfrageergebnisse werden von wahlrecht.de gesammelt. Sie stammen von neun Meinungsforschungsinstituten: Allensbach, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, GMS, Insa, Ipsos, Infratest dimap, Verian und YouGov. Der SPIEGEL berechnet aus den Umfrageergebnissen aller Institute einen gewichteten Durchschnitt. Je Institut wird die jüngste veröffentlichte Sonntagsfrage verwendet. Je aktueller eine Umfrage ist, je mehr Menschen dabei befragt wurden und je treffsicherer das Institut in der Vergangenheit lag, desto größer ist das Gewicht im berechneten Durchschnitt. Die angezeigten Werte sind kaufmännisch auf ganze Zahlen gerundet. Der schraffierte Bereich im Säulendiagramm markiert das 95-Prozent-Konfidenzintervall (berechnet mit einer linearen Fehlerfortpflanzung). Die Wahrscheinlichkeiten für verschiedene Szenarien (etwa Mehrheiten für Koalitionen) ermitteln wir mit einer sogenannten Monte-Carlo-Simulation. Dabei simulieren wir, basierend auf dem jüngsten Umfragedurchschnitt, tausend Wahlausgänge. Wir gehen dabei von einer Dirichlet-Verteilung aus, die der statistischen Unsicherheit der Umfragen Rechnung trägt: Die Ergebnisse einer Partei liegen bei jedem Simulationslauf ungefähr bei dem zuvor berechneten Umfragedurchschnitt, variieren aber von Durchlauf zu Durchlauf. Werte nah am Umfragedurchschnitt kommen häufiger vor, aber auch Werte, die weiter entfernt liegen, treten in einzelnen Durchläufen auf. In jedem Durchlauf liegt die Summe aller Parteiergebnisse bei 100 Prozent. Die Parteiergebnisse rechnen wir in die nach dem neuen Wahlrecht vorgesehenen 630 Parlamentssitze um. Für den Südschleswigschen Wählerverband (SSW), der als Partei einer nationalen Minderheit von der Fünfprozenthürde befreit, aber zu klein für die Messung in Umfragen ist, nehmen wir an, dass er das gleiche Ergebnis wie bei der Wahl 2021 erzielt (0,12 Prozent). Für die Linke, die an der Fünfprozenthürde scheitern, aber mit mindestens drei gewonnenen Direktmandaten über die Grundmandatsklausel in den Bundestag einziehen könnte, simulieren wir auch die Wahlausgänge in den Wahlkreisen. Grundlage hierfür sind die Gewinnwahrscheinlichkeiten in der Erststimmenprognose von election.de . Aus den Sitzverteilungen in allen tausend Simulationen lässt sich ablesen, welche Szenarien wie häufig eingetreten sind. Die Häufigkeit übersetzen wir in eine von fünf Wahrscheinlichkeitskategorien (0–200 Mal = "gering", 201–400 Mal = "eher gering", 401–599 Mal = "mittel", 600–799 Mal = "eher hoch", 800–1000 Mal = "hoch"). Die Wahrscheinlichkeiten berücksichtigen die Unsicherheit durch den statistischen Fehler, nicht aber etwaige systematische Fehler. Die Wahrscheinlichkeiten beziehen sich auf den aktuellen Stand der Umfragen und sind keine Prognose für die tatsächliche Bundestagswahl. Eine Partei liegt im Umfragedurchschnitt bei fünf Prozent. Warum gilt ihre Chance auf Einzug in den Bundestag dennoch nur als "gering" oder "eher gering"? Wir berechnen Umfragedurchschnitte mit mehreren Nachkommastellen. Da die Werte dennoch mit einer statistischen Unsicherheit von mehreren Prozentpunkten behaftet sind, möchten wir den Anschein einer hohen Präzision vermeiden. Daher runden wir die Werte auf ganze Zahlen. Liegt eine Partei in unserem Umfragedurchschnitt beispielsweise bei 4,51 Prozent, weisen wir "5 %" aus. Der Bereich, in dem das tatsächliche Ergebnis bei einer Wahl nach statistischen Gesichtspunkten sehr wahrscheinlich läge, ginge in diesem Fall etwa von 3,5 bis 5,5 Prozent. Ein Verpassen der Fünfprozenthürde wäre also deutlich wahrscheinlicher als der Einzug in den Bundestag. Schafft die Partei in bis zu 200 unserer 1000 Simulationen den Einzug, bezeichnen wir ihre Chance als "gering", bei bis zu 400 Mal als "eher gering", ab 401 Mal als "mittel". Warum wird der Linken eine bessere Chance auf Einzug in den Bundestag attestiert als einer Partei, die in den Umfragen vor ihr liegt? Auch beim Verpassen der Fünfprozenthürde kann eine Partei in den Bundestag einziehen – über die sogenannte Grundmandatsklausel. Dafür muss sie mindestens drei Direktmandate gewinnen. Für die Linke besteht die Möglichkeit, das zu schaffen. Diese Wahrscheinlichkeit berücksichtigen wir in unseren Simulationen. Grundlage hierfür sind die Gewinnwahrscheinlichkeiten in der Erststimmenprognose von election.de . Warum liegt im Liniendiagramm die Durchschnittslinie einer Partei nicht in der Mitte der Punktwolke ihrer einzelnen Umfrageergebnisse? Bei unserem Umfragedurchschnitt handelt es sich um einen gewichteten Durchschnitt. Das Gewicht einer einzelnen Umfrage ist desto größer, je aktueller eine Umfrage ist, je mehr Menschen dabei befragt wurden und je treffsicherer das Institut in der Vergangenheit lag. Oder bildlich ausgedrückt: Manche Punkte haben eine größere "Anziehungskraft" auf die Linie als andere Punkte. Und pro Institut berücksichtigen wir stets nur die jeweils jüngste Umfrage. Ein Institut, das zweimal wöchentlich Umfragen veröffentlicht, produziert viermal so viele Punkte im Liniendiagramm wie ein Institut, das nur alle zwei Wochen eine Umfrage veröffentlicht. Von beiden berücksichtigen wir aber jeweils nur den jüngsten Punkt. Warum ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Koalition aus Union, Grünen und FDP eine Mehrheit hätte, geringer als eine Mehrheit nur von Union und Grünen? Eine Koalition aus Union, Grünen und FDP kann nur dann auf eine Mehrheit im Bundestag kommen, wenn alle drei Parteien in den Bundestag einziehen. Da die FDP an der Fünfprozenthürde scheitern könnte, senkt das die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Dreierbündnis bei einer Wahl eine Mehrheit bekommt.