Datum17.04.2026 04:52
Quellewww.spiegel.de
TLDREine von den USA vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon ist in Kraft getreten, die zehn Tage dauern soll. In Beirut herrscht Jubel, doch der Libanon meldet israelische Verstöße mit Beschuss südlibanesischer Orte. Die Hisbollah hatte vor Inkrafttreten Raketen auf Israel gefeuert, Israel griff daraufhin Stellungen an. Die Vereinbarung sieht eine Pufferzone Israels vor und die libanesische Regierung soll Hisbollah-Angriffe verhindern. Die anhaltenden Kämpfe forderten tausende Tote.
InhaltKurz vor Mitternacht begann die zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah. In Beirut feierten die Menschen. Doch der Libanon wirft Israel vor, weiter Orte im Südlibanon zu beschießen. Nach wochenlangen Kämpfen zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz ist eine von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe in Kraft getreten. Die Feuerpause begann um Mitternacht (Ortszeit, Donnerstag 23.00 Uhr MESZ), sie soll zunächst zehn Tage dauern. Die libanesische Armee hat Israel bereits Verstöße gegen die vereinbarte Waffenruhe vorgeworfen. Seit Inkrafttreten der Feuerpause habe es zeitweiligen Beschuss auf südlibanesische Dörfer gegeben, teilte die libanesische Armee am frühen Morgen mit. Sie rief die Bevölkerung erneut auf, vorerst nicht in die südlichen Dörfer und Städte zurückzukehren. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht. Aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete, dass kurz nach Inkrafttreten der Feuerpause Artilleriegranaten in der Nähe der Küstenstadt Tyros eingeschlagen seien. Zudem habe eine Drohne ein Auto in Haris im Südlibanon getroffen. Die von Iran unterstützte Hisbollah hatte kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe noch zahlreiche Raketen auf Orte im Norden Israels gefeuert. Drei Menschen wurden nach Angaben von Sanitätern von Raketensplittern verletzt. Israels Armee teilte mit, sie habe daraufhin Raketenabschussrampen der Miliz attackiert. US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe nach Gesprächen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun angekündigt – mehr dazu hier. Die Hisbollah war daran nicht beteiligt. Netanyahu bestätigte die Vereinbarung in einer Videobotschaft, sagte jedoch, israelische Bodentruppen sollten auch während des zehntägigen Zeitraums in einer Pufferzone im Südlibanon bleiben. Die Hisbollah ließ zunächst offen, ob sie sich an die Feuerpause halten wird. Jede Waffenruhe müsse "umfassend für das gesamte libanesische Gebiet" gelten und dürfe keinerlei Truppenbewegungen Israels zulassen, forderte die Miliz. In der Hauptstadt Beirut wurde aus Freude in die Luft geschossen. In den während des Kriegs schwer getroffenen südlichen Beiruter Vororten feierten Menschen auf den Straßen, wie Augenzeugen berichteten. Lokalen Medienberichten zufolge machten sich mit Beginn der Waffenruhe auch zahlreiche Menschen bereits auf in Richtung Süden des Landes – mehr als eine Million Menschen waren durch den Krieg vertrieben worden. Während einer 2024 vereinbarten Waffenruhe hatte die israelische Armee weiterhin regelmäßig Ziele im Libanon angegriffen. Die von der libanesischen Regierung zugesagte Entwaffnung der Hisbollah war nicht gelungen. Beide Seiten warfen sich Verstöße vor. Kurz nach Beginn des Irankriegs Ende Februar hatten sich die von Iran unterstützte Hisbollah und das israelische Militär schwere Kämpfe geliefert. Als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Khamenei feuerte die Hisbollah seit Anfang März erneut Raketen in Richtung Israel. Die israelische Luftwaffe reagierte seitdem mit massiven Luftangriffen. Das israelische Militär rückte in einer Bodenoffensive zudem weiter in den Süden des Nachbarlandes vor und lieferte sich im Grenzgebiet Bodenkämpfe mit der Hisbollah. Iran begrüßte die Waffenruhe als wichtigen Schritt für den regionalen Frieden. Teheran habe in den Gesprächen mit den USA auf eine umfassende Waffenruhe gedrängt, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baqaei, im Staatssender Irib. Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz hatte die Mitte vergangener Woche in Kraft getretene Waffenruhe im Irankrieg sowie die anschließenden Verhandlungen zwischen den USA und Iran belastet. Die libanesische Regierung ist keine aktive Konfliktpartei und bemüht sich um Deeskalation. Die Regierung hatte lange wenig bis gar keinen Einfluss auf die Aktivitäten der Hisbollah-Miliz, hat den Druck unter Führung von Präsident Aoun aber erhöht. Laut US-Außenministerium wurden zwischen Israel und dem Libanon nun sechs Punkte vereinbart. Dazu gehört demnach, dass die libanesische Regierung mit internationaler Hilfe die Hisbollah daran hindert, vom Libanon aus Angriffe gegen israelische Ziele durchzuführen. Israel verzichtet währenddessen auf "offensiven Militäroperationen" gegen libanesische Ziele. Allerdings behält Israel sich das Recht vor, jederzeit alle notwendigen Maßnahmen zur Selbstverteidigung gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe zu ergreifen. Dies werde durch die Einstellung der Feindseligkeiten nicht beeinträchtigt, heißt es in dem Text. Laut der Abmachung ersuchen Israel und der Libanon die USA, weitere Verhandlungen zu erleichtern. Ziel sei es, alle offenen Fragen zu klären, darunter die Festlegung der internationalen Landesgrenze. Das Ziel sei der Abschluss eines umfassenden Sicherheits- und Friedensabkommens zwischen den beiden Nachbarstaaten, die sich offiziell im Kriegszustand befinden. Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge wurden bei den erneuten Kämpfen bisher knapp 2200 Menschen getötet. Darunter sind den Angaben zufolge zahlreiche Frauen und Kinder. Die israelische Armee sprach zuletzt von mehr als 1700 getöteten Hisbollah-Mitgliedern seit Anfang März. Die genaue Zahl der getöteten Zivilisten ist unklar. Mehr zum Nahostkonflikt: Die arabischen Golfstaaten zahlen den Preis eines Krieges, den sie nicht wollten. Trotzdem können sie sich den Bruch mit Trump nicht leisten .