Datum16.04.2026 23:00
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Sony World Photography Awards 2026 ehren herausragende Fotografen aus aller Welt. Citlali Fabián wurde zur "Photographer of the Year" gekürt für ihr Projekt "Bilha, Stories of my Sisters", das indigene Frauen Mexikos porträtiert und illustriert. Weitere Preisträger sind Elle Leontiev (Open Photographer of the Year), Jubair Ahmed Arnob (Student Photographer of the Year) und Philip Kangas (Youth Photographer of the Year). Die ausgezeichneten Arbeiten decken eine breite Palette von Themen ab, von Umweltschutz bis zu sozialen Kommentaren.
InhaltUnter 430.000 Bildern haben die Jurys des renommierten Sony-Fotopreises ausgewählt. Das sind die Gewinner. Der Hauptpreis der Sony World Photography Awards (SWPA) 2026 geht an Citlali Fabián. Die aus Mexiko stammende, in London lebende Künstlerin darf sich "Photographer of the Year" nennen. Das Preisgeld beträgt 25.000 US-Dollar. Zudem gewinnt Fabián auch in der professionellen Kategorie "Creative". Das preisgekrönte Projekt trägt den Titel "Bilha, Stories of my Sisters". Fotografische Porträts kombiniert Citlali Fabián dabei mit digitalen Illustrationen. Mit ihren Bildern erzählt sie die Geschichten von wichtigen weiblichen Persönlichkeiten aus den indigenen Gemeinschaften des mexikanischen Bundesstaats Oaxaca. Fabián ist selbst Mitglied der Yalalteca-Gemeinschaft. Sie hofft, dass ihre Porträts als Kinderbuch veröffentlicht werden und aufwachsenden Mädchen als Vorbilder darin dienen können, bedeutenden Einfluss auf die Gemeinschaften und darüber hinauszunehmen. In der offenen Kategorie, für die auch Hobbyfotografinnen und -fotografen Beiträge einreichen können, wurde die Australierin Elle Leontiev als Open Photographer of the Year ausgezeichnet. 2018 habe sie in einer Londoner Gallery die preisgekrönten Bilder des SWPA bewundert, sagt sie: "Ich träumte davon, auch dort ausgestellt zu werden". Nun wird der Traum wahr: Vom 17. April bis zum 4. Mai wird ihre Aufnahme unter den im Londoner Somerset House ausgestellten sein. Leontiev hat einen "barfüßigen Vulkanologen" porträtiert: Der Mann ist zu Füßen des Mount Yasur auf der zu Vanuatu gehörenden Insel Tanna aufgewachsen. Er hat sich selbst zum Vulkanexperten fortgebildet und arbeitet nun mit internationalen Wissenschaftlern zusammen. "Student Photographer of the Year" darf sich Jubair Ahmed Arnob aus Bangladesch nennen. Er fand zum Oberthema des Studierendenwettbewerbs, "Together", Motive aus seiner Kindheit im Distrikt Dhaka. Dort entsteht die Green Model Town, ein privates Wohnungsbauprojekt, dessen Entwicklern Raubbau an der Umwelt vorgeworfen wird – oder wie es Arnob ausdrückt: "wo die Flüsse, Kanäle, Teiche und Felder, über die einst Lachen schallte, nun unter Beton vergraben sind." Für den Jugendwettbewerb sind Teilnehmende bis 19 Jahren eingeladen. "Youth Photographer of the Year" wurde Philip Kangas, 16, aus Schweden. Ihm gelang es, eindrucksvoll die Szene festzuhalten, in der Feuerwehrleute Kunstwerke aus der königlichen Akademie in Stockholm bergen. Dort war ein Feuer ausgebrochen und gefährdete die bedeutenden Kunstschätze. In der Unterkategorie "Architektur & Design" wurde eine Fotoreihe aus Bangladesch ausgezeichnet. Joy Saha dokumentiert in "Homes of Haor" die traditionelle Architektur der Haor-Region in Bangladesch, bei der die Häuser auf natürlich erhöhten Hügeln errichtet werden. In der Monsunzeit verwandeln sich diese in Inseln. Als bestes "dokumentarisches Projekt" zeichnete die SWPA-Jury "Im Schatten des Kokas" von Santiago Mesa aus. Im südkolumbianischen Putumayo begleitet er Landwirte und Familien, deren Lebensunterhalt von einer illegalen Wirtschaft abhängt, die von Armut, schwacher staatlicher Präsenz und bewaffneter Kontrolle geprägt ist. Außerdem zeigt er Mitglieder der Comandos de la Frontera, der bewaffneten Gruppe, die das Territorium und den Kokainhandel kontrolliert. Hier im Bild ruht sich ein junger Kokaerntearbeiter auf Blättern aus, die er und seine Kollegen geerntet haben. Isadora Romero ist die Preisträgerin in der Subkategorie "Umwelt". Für ihre "Notes on How to Build a Forest" war sie in den ecuadorianischen Regionen Mache Chindul und Yunguilla unterwegs. Mit den Mitteln experimenteller und dokumentarischer Fotografie "konstruiert das Werk eine vielstimmige Erzählung, die Wälder als plurale, komplexe und kulturelle Räume begreift und die Möglichkeiten erweitert, wie Naturschutz gedacht werden kann", lobt die Jury. Dafna Talmor, in Tel Aviv geboren und in London ansässig, ist die Gewinnerin in der Kategorie "Landschaft". In ihrer Reihe "Constructed Landscapes" werden handgedruckte und collagierte Farbnegative aus dem Archiv der Fotografin zu abstrahierten Landschaftsdarstellungen neu konfiguriert. In der Kategorie "Perspektiven" wurde Seungho Kim ausgezeichnet für die Reihe "Sunny Side Up: A Portrait of the Most Average K-Parenting Today". Er zeigt das Zusammenleben von Kindern und Haustieren vor dem Hintergrund einer Geburtenkrise in Südkorea (2023 waren es 0,72 Kinder pro Frau) und zugleich einer Rekordzahl von Familienhunden (mehr als sechs Millionen Haushalte). In der Rubrik "Porträts" geht der SWPA-Preis an Jean-Marc Caimi und Valentina Piccinni. Das Duo hat Gläubige auf dem Petersplatz in der Konklave-Phase fotografiert, nach dem Tod des alten und vor der Verkündigung des neuen Papstes. Die Menschen wissen um das Interesse der Weltöffentlichkeit am Vatikan, zugleich vollführen sie auch ganz private Glaubensakte. Jenes "gedoppelte Bewusstsein" fangen die Porträts der Serie ein. Der neuseeländische Fotograf Todd Antony hat die Motive für seine in der Kategorie "Sport" preisgekrönte Arbeit in Tadschikistan gefunden. "Buzkashi" ist dort eine uralte, wilde Sportart, wörtlich übersetzt heißt das "Ziegenziehen". Es ist eine Art Polo, aber der Ball ist der ausgeweidete, kopflose Kadaver einer Ziege, und das Ziel ist brutal einfach: ihn ergreifen, festhalten, sich befreien. "Sprechen ohne Worte" ist ein treffender Name für eine Bilderserie in der Kategorie "Stillleben". Sie wurde aufgenommen von der norwegischen Fotografin Vilma Taubo. Jeder Alltagsgegenstand darin lässt sich mit einer bestimmten historischen Epoche, einem bestimmten Kampf um Rechte oder einem bestimmten Land in Verbindung bringen. Hier im Bild: Die gelbe Poolente, die zum Symbol der jugendlichen Protestbewegung in Thailand geworden war: Das Militär schoss mit Wasserwerfern und Tränengas auf harmlose Gummitiere – und erzeugte damit absurde Bilder unverhältnismäßiger Gewalt. In der Kategorie "Tierwelt & Natur" geht der erste Preis an den Briten Will Burrard-Lucas. Er stellte eine ferngesteuerte Kamerafalle an einer bewaldeten Furt im kenianischen Nationalpark Maasai Mara auf. Ihr eigentlicher Zweck war die Überwachung und Dokumentation im Auftrag des Naturschutzes. Aber durch kreative Beleuchtung entstanden nächtliche Szenen, auf denen die gefährdeten Spitzmaulnashörner und ihr Lebensraum auf beeindruckende und dramatische Weise zu sehen sind.