Datum16.04.2026 17:55
Quellewww.spiegel.de
TLDRÖsterreich ermittelt gegen Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit der Signa-Pleite. Als Aufsichtsratsvorsitzender soll er 2022 seine Befugnisse missbraucht und Signa-Gesellschaften um zehn Millionen Euro geschädigt haben, indem er einem Vorstandsmitglied ungerechtfertigte Zahlungen ermöglichte. Gusenbauer bestreitet die Vorwürfe in einem Zivilverfahren. Er war von 2007 bis 2008 Bundeskanzler, bevor er Berater für Signa wurde.
InhaltAlfred Gusenbauer war einst Kanzler in Österreich, dann wechselte er in die Wirtschaft. Als Signa-Berater verdiente er Millionen. Nun wird er der Untreue verdächtigt. Neue Entwicklungen bei den Ermittlungen um die Signa-Pleite: Österreichs Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer wird der Untreue verdächtigt. Das teilte die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) mit. Es habe Hausdurchsuchungen in Wien und Umgebung gegeben. Die Ermittlungen richteten sich auch gegen ein damaliges Signa-Vorstandsmitglied, hieß es. Gusenbauer hat nach Ansichten der Staatsanwaltschaft als Aufsichtsratsvorsitzender von zwei Signa-Gesellschaften im Oktober und November 2022 seine Befugnisse missbraucht und die beiden Gesellschaften in Höhe von insgesamt zehn Millionen Euro geschädigt. Dabei soll der ehemalige Spitzenpolitiker der sozialdemokratischen SPÖ dafür gesorgt haben, dass das Vorstandsmitglied "ungerechtfertigte Abschlagszahlungen" erhalten habe. Gusenbauer hat in einem Zivilverfahren vor dem Handelsgericht Wien ähnliche Vorwürfe bestritten. Der 66-Jährige war von 2000 bis 2008 SPÖ-Bundesvorsitzender. 2007 und 2008 war er Regierungschef. Noch in dem Jahr, als er aus dem Amt ausschied, wechselte Gusenbauer in den Beirat der Signa – ein Beratungsgremium der von dem Investor René Benko gegründeten Holding. Die Signa war zunächst auf Immobilienprojekte spezialisiert und dabei sehr erfolgreich, bevor sie unter anderem mit dem Kauf der Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof auch in den Handel einstieg. Durch eine finanzielle Schieflage brach das Signa-Imperium aus mehr als 1000 Gesellschaften zusammen. Benko sitzt seit Januar 2025 in Untersuchungshaft. Er wurde in zwei Prozessen wegen Schädigung von Gläubigern verurteilt. Die Urteile sind bisher nicht rechtskräftig. Weitere Ermittlungen gegen Benko laufen.