Rewe will bis zu 40 Tegut-Märkte übernehmen

Datum16.04.2026 17:27

Quellewww.spiegel.de

TLDRRewe plant die Übernahme von bis zu 40 Tegut-Märkten, die größtenteils in Rewe-Filialen integriert oder von Penny betrieben werden sollen. Der Tegut-Mutterkonzern Migros zieht sich aus Deutschland zurück, während Edeka etwa 200 Filialen und Logistikzentren übernimmt. Kartellrechtler äußern Bedenken hinsichtlich der Marktmacht großer Handelsketten und erwarten eine intensive Prüfung durch das Bundeskartellamt. Die Marke Tegut wird aufgegeben.

InhaltEigentümer Migros ist auf der Suche nach Käufern für seine Tegut-Filialen nun auch bei Lebensmittelhändler Rewe fündig geworden. Kartellrechtler sehen die Übernahmen kritisch. Der Handelskonzern Rewe will aus der Tegut-Zerschlagung bis zu 40 Filialen übernehmen. Das teilte das ​Kölner Unternehmen mit. Der Großteil der von Rewe übernommenen Standorte soll ‌in das Vertriebsnetz von Rewe integriert, die übrigen sollen künftig von der Discount-Tochter Penny betrieben werden. Wie das Unternehmen der Nachrichtenagentur dpa mitteilte, wurde ein entsprechender Vertrag mit dem Mutterkonzern Genossenschaft Migros Zürich unterzeichnet. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe des Bundeskartellamts. Migros hatte kürzlich angekündigt, sich aus Deutschland zurückzuziehen und Tegut verkaufen zu wollen. Rund 200 der etwa 300 Supermärkte der Kette will der Lebensmitteleinzelhändler Edeka übernehmen. Zusätzlich gehören das Tegut-Logistikzentrum in Michelsrombach sowie die rund 40 "Teo"-Minimärkte zum Paket. Das Geschäft bedarf ebenfalls einer Zustimmung des Kartellamtes. Aldi Nord interessiert sich nach Informationen der dpa ebenfalls für einzelne Standorte. Die Marke Tegut soll aufgegeben werden. Unklar ist bislang, wie viele Märkte bestehen bleiben. "Die Filialen werden zu größten Teilen an andere Lebensmitteleinzelhändler verkauft", heißt es von Migros Zürich. Rechtsexperten sehen die geplanten Übernahmen teilweise kritisch. Der Kartellrechtler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Rupprecht Podszun, beklagt eine zu hohe Marktmacht der großen Handelsketten in Deutschland. Er erwartet eine besonders intensive Prüfung durch das Kartellamt. Podszun hält es sogar für möglich, dass die Behörde die Vorhaben ganz oder teilweise untersagt. Die vier größten Einzelhändler – Edeka-Gruppe, Rewe-Gruppe, Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi-Nord und Aldi-Süd – verfügten Ende 2025 über einen Marktanteil von rund 85 Prozent. Der Sprecher der Edeka-Zentrale, Rolf Lange, meint: "Eine Untersagung der Übernahme durch Edeka und andere große deutsche Lebensmitteleinzelhändler hätte gravierende Folgen für die Versorgung der Verbraucher sowie für Tausende Arbeitsplätze, da Standortschließungen drohen." Realistisch kämen für eine Übernahme der Tegut-Märkte nur die großen deutschen Lebensmitteleinzelhändler in Betracht. "Ausländische Investoren scheuen den Markteintritt in den deutschen Markt, da dieser so wettbewerbsintensiv und von niedrigen Margen geprägt ist", sagte Lange. Edeka war nach eigenen Angaben auch offen dafür, Tegut vollständig zu kaufen. Um das Freigabeverfahren beim Kartellamt zu beschleunigen, sei das Filialpaket jedoch begrenzt worden, hieß es. Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet. Anfang 2013 übernahm Migros die Kette, die in sechs Bundesländern vertreten ist. Nach Angaben des Konzerns gibt es etwa 340 Tegut-Filialen, inklusive der "Teo"-Minimärkte. Knapp 7500 Menschen sind bei Tegut beschäftigt, teilte Migros mit.