Fußball-Bundesliga: »Viel passiert«: So erlebte Union-Trainerin Eta den Rummel

Datum16.04.2026 15:50

Quellewww.zeit.de

TLDRMarie-Louise Eta, die erste Frau als Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga, betont die gesellschaftliche Signalwirkung ihrer Rolle für junge Frauen im Fußball, möchte aber vor allem erfolgreich sein. Der Medienrummel um ihre Person ist groß, doch Eta konzentriert sich auf ihre Arbeit und die Verbesserung der defensiven Stabilität und Intensität des Teams im Abstiegskampf. Ihr Engagement bei den Männern könnte über die Saison hinausgehen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Fußball-Bundesliga“. Lesen Sie jetzt „"Viel passiert": So erlebte Union-Trainerin Eta den Rummel“. Marie-Louise Eta war in den vergangenen Tagen in aller Munde, jetzt sprach die erste Cheftrainerin in der Geschichte der Fußball-Bundesliga der Männer im prall gefüllten Medienraum von Union Berlin selbst. Nicht nur angesichts des Rummels um ihre Person ist sich die 34-Jährige der Bedeutung ihrer Anstellung bewusst. "Ich weiß, dass das eine gesellschaftliche Wirkung und Bedeutung hat und irgendwie auch eine Signalwirkung vielleicht", sagte Eta vor dem wichtigen Spiel im Abstiegskampf gegen den VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr/Sky). "Es ist auch schön, wenn sich dadurch vielleicht Wege und Türen öffnen, Inspiration dadurch geschaffen wird, dass auch junge Mädchen vielleicht sehen, was alles möglich ist." Um die Bedeutung einer Vorreiterinnen-Rolle im Fußball sei es ihr aber nie gegangen. "Mir geht es schon immer um Fußball, mir geht es um die Zusammenarbeit mit Menschen. Und das, was mir am meisten Spaß macht, dann auch in dem Zusammensein, in dem Miteinander maximal erfolgreich zu sein." Sie sei ja "auch nicht die allererste Frau, die allgemein im Fußball rumläuft". Auch vor ihr habe es schon Cheftrainerinnen von Männerteams gegeben, wenn auch nicht in einer so hohen Spielklasse. Die Beförderung der 34-Jährigen zur Cheftrainerin, als erste Frau in Europas fünf Top-Ligen der Männer, hatte international für Aufsehen gesorgt. Prominente Stimmen von Bayern-Trainer Vincent Kompany bis zu Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) äußerten sich positiv. "Ihr könnt euch alle vorstellen, dass ich klar auch mitbekommen habe, dass außenrum viel passiert, aber letztendlich ging es sofort los mit dem Arbeitsprozess", sagte die jüngste Trainerin der Bundesligisten. Ihr Kopf sei "voll mit viel Fußball und viel Arbeit und das ist auch gut so".  Wie schon bei Etas erstem Training vor Medien war der Andrang auch bei der Pressekonferenz in Köpenick außergewöhnlich hoch. Mehr als 40 Medienvertreter waren schon eine Viertelstunde vor Beginn in dem Raum, der sonst deutlich spärlicher gefüllt ist. Auch Journalisten aus Frankreich und Österreich stellten Fragen. "Es ist natürlich schon viel passiert am Handy. Ich habe tatsächlich schon sehr viel beiseitegelegt", sagte Eta. Besonders die Nachrichten von der Familie und den engsten Freunden hätten ihr viel bedeutet. Ihr Vorgänger Steffen Baumgart meldete sich auch, erzählte die 34-Jährige. "Ich habe eine Sprachnachricht bekommen von Steffen und habe mich darüber sehr gefreut. Er hat viel Glück gewünscht für die nächsten Spiele und war sehr positiv und leidenschaftlich." Damit, dass sich insbesondere in den Sozialen Medien auch viele Sexisten berufen fühlten, ihre Ernennung mit Hassnachrichten zu kommentieren, beschäftigte sich die Trainerin nicht. "Ich lese keine Kommentare, habe ich vorher auch nicht gemacht und jetzt eben war gar keine Zeit dafür", sagte sie. Zu ihrer eigentlichen Aufgabe sagte Eta: "Ich finde es positiv, wie die Jungs auf dem Platz waren, wie sie auch im Zusammensein sind, wie sie sich gegenseitig auch in den Trainingseinheiten unterstützt haben." Sie spüre eine gute Energie im Team, aber "klar, das Selbstvertrauen ist jetzt auch nicht riesig." Der Absturz der Eisernen in diesem Jahr mit nur 2 Siegen aus 14 Spielen führte letztlich zur Trennung von Etas Vorgänger Baumgart, trotz des immer noch komfortablen Vorsprungs auf die Abstiegsränge. Um "alles auf den Kopf zu stellen", sei die Zeit zu kurz, sagte Eta. Es gehe nicht darum, "auf einmal Tiki-Taka-Fußball zu spielen." Defensive Stabilität und Intensität gegen den Ball nannte sie als Stichwörter. Mit einem Sieg gegen die Niedersachsen hätte Union zumindest den direkten Abstieg schon mal abgewendet und auch der Abstand auf den Relegationsplatz würde bei mindestens sieben Zählern bleiben. Und dann? "Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall noch Trainerin, ja", nahm Eta eine etwas ungenau gestellte Frage gerne an. Eigentlich soll die 34-Jährige zur kommenden Saison Cheftrainerin des Frauen-Bundesligateams von Union werden. Doch Geschäftsführer Horst Heldt ließ am Montag die Tür bewusst offen für ein Dauer-Engagement bei den Männern: "Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das nicht sinnvoll, irgendwas auszuschließen. Wir haben grundsätzlich einen Plan, wie es dann auch weitergeht. Aber das werden wir dann sehen." Die 34-Jährige schloss ebenfalls nichts aus. "Ich habe tolle Gespräche gehabt, ich habe mit voller Überzeugung den Vertrag unterschrieben und alles andere wird man sehen", sagte sie mit Blick auf ihr Arbeitspapier bei den Frauen. © dpa-infocom, dpa:260416-930-954142/1