Künstliche Intelligenz: Anthropic könnte 2026 mehr Umsatz machen als OpenAI

Datum16.04.2026 16:33

Quellewww.zeit.de

TLDRAnthropic übertrifft mit potenziellen Umsätzen OpenAI und zieht Investoren an. Meta entwickelt eine KI von Mark Zuckerberg für Mitarbeiter. DeepL stellt eine neue Echtzeit-Sprachübersetzung vor, die Gespräche in verschiedenen Sprachen flüssig ermöglicht. Es gibt zudem Berichte über Gewalt gegen Sam Altman und OpenAI, die auf Ängste vor Künstlicher Intelligenz hindeuten.

InhaltLäuft bei Claude: Anthropic ist die It-Firma im Valley. Mark Zuckerberg baut ein KI-Ebenbild von sich selbst. Und DeepL übersetzt live in Konferenzen. Der KI-Newsletter Sie lesen den KI-Newsletter "Natürlich intelligent" vom 16. April 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an. Mark Zuckerberg soll an einer KI-Version von sich arbeiten, mit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seines Unternehmens Meta künftig interagieren können. Sie sollen Gespräche mit ihm führen und Feedback einholen können. Das berichtete zuerst die Wirtschaftszeitung Financial Times mit Verweis auf interne Quellen. Durch den "Zuckbot" soll sich die Belegschaft dem Facebook-Gründer näher fühlen. Näher fühlen? Via KI? Klingt nach einer typischen Idee, die nur Executives im Valley einfallen kann. Bedenkt man aber, dass Meta mittlerweile fast 80.000 Mitarbeiter hat (also, noch), ist schnell klar: So absurd ist die Idee vielleicht doch nicht. Bei dieser Größe kann Zuckerberg wirklich nicht mehr persönlich durch die Flure laufen und mit allen Small Talk halten. Die Frage, die man sich aber hier wie bei vielen KI-Produkten stellen kann: Will das denn wirklich jemand? Wir bemühen uns, diesen Newsletter möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Möglichst verschiedene Themen, möglichst nicht zweimal dasselbe Unternehmen hintereinander in derselben Kategorie. Dass Sie nun an dieser Stelle wieder über Anthropic lesen, liegt aber nicht an uns, sondern am Unternehmen. An der Firma hinter dem beliebten Chatbot Claude kommt man aktuell einfach nicht vorbei. Eine Auswahl der Schlagzeilen der vergangenen Woche: Am Montag berichtete die KI-Firma, dass ihr aktueller Umsatz, hochgerechnet auf das Gesamtjahr, 30 Milliarden US-Dollar übertreffen würde. Das wären sechs Milliarden mehr, als der Intimfeind OpenAI gerade erwartet. Parallel überschütten die Investoren die Firma mit Angeboten, berichtet das Fachportal Business Insider. Die Kapitalgeber würden Anthropic mit 800 Milliarden US-Dollar bewerten, mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Wert der Firma. Dass viele Entwicklerinnen auf Claude Code schwören (trotz Ärgernissen) und Nutzer in Begeisterung verfallen, ist sicher ein Grund dafür. Ein anderer könnte sein, dass die Konkurrenz es Anthropic zurzeit leicht macht. Der 100.000-Zeichen-Artikel im New Yorker darüber, warum man OpenAI-Chef Sam Altman vielleicht nicht trauen kann, hat zumindest in meiner KI-Blase deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten als OpenAIs neues Modell für Sicherheitsforschung. Und Meta hat zwar vergangene Woche sein neues Modell Muse Spark vorgestellt. Aber wenn ein Modell von Experten als "solide Alternative" zu bisherigen Chatbots tituliert wird, dann dürfte das in den wenigsten KI-Enthusiasten den Wunsch nach sofortigem Wechsel auslösen. In San Francisco war in der vergangenen Woche eine erschreckende Welle von Gewalt zu beobachten, und zwar konkret gegen Sam Altman und sein Unternehmen OpenAI. Am Freitag warf ein junger Mann einen Molotowcocktail auf das Haus von Altman und stand wenig später mit einem Kanister Kerosin vor dem Hauptquartier von OpenAI. Zwei Tage später griffen zwei weitere Menschen Altmans Haus an. Es ist unklar, ob diese Fälle zusammenhängen. Zumindest über die Motive des ersten Attentäters Daniel M. tröpfeln immer mehr Informationen heraus. Er soll ein Manifest bei sich getragen haben, das sich gegen KI richtet. Auch haben US-Medien einen Newsletter ausgegraben, indem sich der mutmaßliche Täter über die existenziellen Risiken von künstlicher Intelligenz sorgt. Um es einmal klar zu sagen: Diese Form des gewaltvollen Protests ist nicht zu rechtfertigen. Und doch lohnt es sich, nachzuforschen, woher er kommt. "Nicht nur in M. brodeln Wut und Angst vor einer KI-Zukunft, in der das Menschliche optional erscheint", schreibt mein Kollege Titus Blome in einem Text, an dem er gerade arbeitet. Möglicherweise ist die Gewalt nur die sichtbare Form eines gesamtgesellschaftlichen KI-Backlashs, den man auch an anderer Stelle beobachten kann. Geht es um deutsche KI-Hoffnungen, dann fällt oft der Name DeepL. Die deutsche Übersetzungsplattform aus Köln hat geschafft, was sich Politik wie Wirtschaft hierzulande wünschen: eine eigene Technologie gebaut, die auch noch international mithalten kann. Am Donnerstag hat DeepL eine neue Echtzeit-Sprachübersetzung vorgestellt. In virtuellen Meetings und im persönlichen Gespräch kann man nun in verschiedenen Sprachen miteinander reden und bekommt die Aussagen der anderen dann direkt übersetzt – als Text in der App oder im Browserfenster und als gesprochenes Wort. Ich konnte die Funktionen schon am Mittwoch in einer kleinen Runde mit anderen Journalistinnen und Journalisten ausprobieren. Man scannt einen QR-Code mit dem Smartphone und registriert sich als Teilnehmerin mit dem eigenen Namen für das Gespräch oder die Konferenz. Wer redet, drückt einen Knopf wie bei einer Sprachnachricht. Das Gesagte wird direkt auf dem Bildschirm übersetzt und dem Namen der Teilnehmerin zugeordnet. Oder es wird mit einer überraschend menschlich klingenden Stimme aufs Ohr in der präferierten Sprache ausgespielt. Natürlich funktionierte beim Test nicht alles perfekt: Als DeepL-Gründer Jarek Kutylowski das Wort "fireside chat" sagte, übersetzte DeepL in "fireside jet". Wer den Aufnahmeknopf nicht lange genug drückte, dessen Sätze wurden bei der Übersetzung abgeschnitten. Trotzdem war die Vorführung beeindruckend. Beim Test am Mittwoch übersetzte DeepL die Aussagen aus dem Portugiesischen oder Polnischen so gut ins Englische, dass man dem Gespräch problemlos folgen konnte. Auf Nachfrage sagte Kutylowski, dass Nutzer die Übersetzung auch selbst präziser machen können, indem sie der KI vorab die Themen eines Gesprächs, einer Konferenz oder eines Meetings mitgeben. Zu Beginn funktioniert das Feature für Treffen oder Videokonferenzen mit bis zu 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Unternehmen können es als eigenes Produkt buchen. Eine Frage, die sich natürlich aufdrängt: Können Tech-Firmen wie OpenAI und Anthropic das nicht auch (irgendwann)? Vielleicht. Kutylowski aber macht das keine Angst. Er wehrt sich sogar gegen den Begriff Angst. Tech-Unternehmen, sagte er am Mittwoch, seien doch dafür gebaut, Risiken einzugehen. Man brauche vielmehr davon in Europa.