Datum16.04.2026 13:31
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie EU plant einen Notfallplan gegen Kerosinmangel aufgrund des Irankriegs. Dieser soll Europas Raffineriekapazitäten sichern und die volle Auslastung gewährleisten. Angesichts chinesischer Lieferungen aus dem Nahen Osten und sinkender europäischer Kapazitäten drohen Engpässe und steigende Preise für Flugbenzin. Airlines warnen vor Flugausfällen, während Flughäfen die Lage beobachten.
InhaltMit einem Notfallplan will die EU die Kerosinversorgung sichern. Entsprechende Maßnahmen sind laut einem Bericht in Arbeit. Laut Lufthansa wird die Planung bereits schwieriger. Der Notfallplan der Europäischen Union gegen drohenden Kerosinmangel infolge des Irankriegs nimmt offenbar Gestalt an. Der Nachrichtenagentur Reuters liegt ein entsprechender Entwurf für ein Konzept zur Sicherung der Kerosinversorgung vor. Dieses ist für den 22. April angekündigt. Wie Reuters berichtet, sollen die Raffineriekapazitäten in Europa erfasst und deren volle Auslastung sichergestellt werden. Weitere Maßnahmen seien in Arbeit, sagten mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur. Der Branchenverband Airlines for Europe hatte neben der EU-weiten Überwachung von Vorräten einen gemeinsamen Einkauf angeregt. Europäische Fluggesellschaften hatten vor Kerosinengpässen binnen Wochen gewarnt, sollte die Versorgung aus dem Nahen Osten blockiert bleiben. Dies könnte den Reiseverkehr vor dem Sommer erheblich beeinträchtigen. Europa importiert laut Internationaler Energieagentur (IEA) 30 Prozent seines Bedarfs an Flugbenzin. Rund 75 Prozent der Einfuhren stammen aus dem Nahen Osten. Die Raffineriekapazitäten in Europa sind in den vergangenen Jahren gesunken. Viele europäische Raffinerien arbeiten bereits an der Kapazitätsgrenze. Zudem ist die Versorgung in Europa sehr ungleichmäßig. Seit der Blockade der Straße von Hormus sind die Kerosinpreise massiv gestiegen und verteuern das Fliegen. Airlines warnen vor weiteren Preiserhöhungen, Stornierungen und am Boden bleibenden Flugzeugen, wenn der Konflikt nicht bald endet. Die IEA prognostiziert, dass es bis Juni zu Engpässen kommen könnte, wenn die Region nur die Hälfte der üblichen Lieferungen aus dem Nahen Osten ersetzen kann. Einige Flughäfen warnten vor Engpässen innerhalb von drei Wochen, sollte die Straße von Hormus für Treibstofflieferungen geschlossen bleiben. "Unsere Kerosin-Lieferanten ändern ihre Prognosezeiträume und sind nicht mehr bereit, einen Ausblick über einen Zeitraum von mehr als einem Monat zu geben", sagte die für die Beschaffung zuständige Lufthansa-Vorständin Grazia Vittadini der Nachrichtenagentur Reuters. An den Flughäfen Frankfurt und München gibt es den Flughäfen zufolge bisher keine Hinweise auf Kerosinmangel. Sie sind nicht selbst für die Treibstoffversorgung zuständig, stehen aber in Kontakt mit den Lieferanten, um die Lage zu beobachten.