Datum16.04.2026 13:07
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Art Düsseldorf verzeichnet trotz geopolitischer Krisen und wirtschaftlicher Flaute eine Zunahme an Ausstellern. 119 Galerien aus 22 Ländern präsentieren zeitgenössische Kunst, wobei das Rheinland und Berlin stark vertreten sind. Messechef Walter Gehlen zeigt sich optimistisch, betont aber vorsichtigere Kaufentscheidungen. Die Messe bietet Kunst in verschiedenen Preisklassen an, von sechsstelligen Summen bis Werken für wenige Hundert Euro, wobei junge Kunst preisgünstiger gefragt ist. Trotz angespannter Lage im deutschen Galeriewesen stützt sich die Messe auf ein starkes regionales Fundament und ein internationales Sammlernetzwerk.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kunstmarkt“. Lesen Sie jetzt „Kunstmesse Art Düsseldorf wächst trotz Krisen“. Die Kunstmesse Art Düsseldorf trotzt mit einer gestiegenen Ausstellerzahl den geopolitischen Krisen und der andauernden Wirtschaftsflaute. Zur achten Auflage der internationalen Messe präsentieren bis Sonntag 119 Galerien mit Standorten in 22 Ländern zeitgenössische Kunst. 32 Galerien seien erstmals auf der Art Düsseldorf vertreten, teilten die Veranstalter mit. Zentraler Bezugspunkt der Messe bleibe mit 33 Galerien das Rheinland. Daneben sei erneut Berlin mit 31 Ausstellern besonders stark vertreten. Vergangenes Jahr hatten 108 Galerien an der Art Düsseldorf teilgenommen und 20.000 Besucherinnen und Besucher in das Areal Böhler gelockt. Messechef Walter Gehlen zeigte sich optimistisch. Die Art Düsseldorf könne neben ihrem inhaltsstarken Angebot auch mit dem reichen Ausstellungsspektrum in der Region punkten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Natürlich, auf der anderen Seite ist nicht zu leugnen: Die geopolitische Lage ist angespannt", räumte er ein. "Kaufentscheidungen werden sorgfältiger getroffen." Zwar finden Sammler und Sammlerinnen auf der Art Düsseldorf auch Kunst im sechsstelligen Bereich, wie etwa ein großformatiges Hunde-Bild von Karin Kneffel für 290.000 Euro oder eine Bronze-Kuh von Ewald Mataré für 195.000 Euro. Viele Galerien bieten aber auch Werke für wenige Hundert Euro an, etwa Bleiglasarbeiten von Rosalie Becher ab 900 Euro oder gewebte Bilder von Lucia Kempkes, die ab 4.500 Euro starten. "Wir wollen auch günstige Kunst anbieten für junge Sammler", sagt die Bonner Galeristin Judith Andreae. Ihr Eindruck ist, dass Sammler derzeit eher auf junge Kunst zu günstigeren Preisen setzen als auf etablierte Positionen. Ausgefallene junge Kunst ist auch der Bereich der Neueinsteigerin im Galeriengeschäft, Roberta Keil aus Wien. Sie verkauft bunte Büsten mit Frauenköpfen aus Bienenwachs und langen Dreadlocks aus Wolle, die von der deutsch-ghanaischen Künstlerin Sarah Ama Duah gefertigt wurden. Die Büsten stehen auf Porzellan- oder Marmorsockeln, die aus deutschen Haushalten stammen. Trotz des schwierigen Marktumfelds ist der Galerist Michael Zink aus dem bayerischen Waldkirchen optimistisch. Er ist seit 32 Jahren im Geschäft. Sein Rezept, um durch die Krise zu kommen: "Solide Arbeit machen, dann können wir auch die ein oder andere Krise aussitzen." Auch Zink setzt mit überraschenden Arbeiten wie etwa einem Kastanienpony für 14.800 Euro auf Preise im mittleren Bereich. Der Hocker des Künstlers David Bielander ist ein Abbild der beliebten Kinderfiguren aus Streichhölzern und Kastanien. Bielander bricht mit Sehgewohnheiten. Ein Kruzifix an der Wand scheint aus Pappe mit Nägeln zusammengetackert zu sein. In Wirklichkeit ist es aus Silber und Weißgold angefertigt. Die Art Düsseldorf profitiere von einem starken Fundament im Rheinland, einem Ballungsraum mit zahlreichen Sammlerfamilien, Institutionen und Galerien, so Messechef Gehlen. "Dieses Fundament trägt die Messe auch in bewegteren Zeiten." Ergänzend dazu habe die Messe ein Netzwerk internationaler Sammler aufgebaut, die gezielt eingeladen würden. Die wirtschaftliche Lage der Galerien in Deutschland ist laut einer im September veröffentlichten Studie angespannt. Der Gesamtumsatz aller Galerien lag demnach geschätzt bei 600 Millionen Euro und damit deutlich unter den 890 Millionen Euro der Galerienstudie 2020. Nicht die Pandemie sei demnach der ökonomische Bruch gewesen, hatte das Institut für Strategieentwicklung (IFSE) konstatiert. Der eigentliche Einschnitt sei danach gekommen, als sich die globalen Krisen gehäuft und Sammler spürbar weniger Geld ausgegeben hätten. © dpa-infocom, dpa:260416-930-950897/2