Datum16.04.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDer dänische Ex-Rockstar Kasper Eistrup stellt in Hamburg seine neuen Werke in der Galerie Schimming aus. Seine Kunst wurde durch einen Besuch in der Hamburger Kunsthalle inspiriert, nach der er die Musikkarriere aufgab. Der Artikel erwähnt auch Streiks am Flughafen, den Abbau von Stellen beim Bauer-Verlag, die Genehmigung eines Ammoniak-Terminals und kritische Stimmen zur Hamburger Abschiebungspraxis. Zudem wird ein Prozess um einen Kampfhund und ein Gedenkabend erwähnt.
InhaltDie Elbvertiefung am Donnerstag – Mit Streiks am Flughafen (schon wieder!), einem Kahlschlag im Digitalbereich des Bauer-Verlags und einem Kampfhund-Prozess. ein Besuch in Hamburg habe sein Leben verändert, erzählt Kasper Eistrup. Das war im Sommer 2013, er war gerade 40 Jahre alt geworden. Damals war Kasper Eistrup ein Rockstar, das muss man diesseits der deutsch-dänischen Grenze vielleicht dazu sagen. Mit seiner Band Kashmir (wie der Song von Led Zeppelin) hatte er in seinem Heimatland Dänemark wiederholt Gold- und Platinplatten abgeräumt, wurde nun aber von dem Gefühl beschlichen, das Musikerleben durchgespielt zu haben. "Ich weiß noch, wie ich in einem Tourbus in Richtung Österreich saß", erzählt er. "Ich liebte die Musik. Musiker zu sein, war die beste Art, meine Jugend zu verbringen. Aber jetzt war ich 40 und immer noch in einem Bus, der nach alten Socken roch." Das Wetter im Sommer 2013 war kühl und stürmisch, so erinnert er sich: "Es wehte uns an der dänischen Westküste die Gartenmöbel weg." Also setzte er sich ins Auto und machte einen Ausflug nach Hamburg. Eistrup stieg im Hotel Atlantic ab – wo Rockstars eben wohnen – und besuchte die Kunsthalle. Schon als Kind habe er das Zeichnen und Malen geliebt, sagt er, und er habe nie ganz damit aufgehört. Doch auf das, was ihn in der Kunsthalle erwartete, war er nicht vorbereitet. Dort lief eine Retrospektive des britischen Malers R.B. Kitaj, der einige Jahre zuvor verstorben war. "Das seltsame, traumartige Universum dieser Bilder", sagt Eistrup: "Es war eine Offenbarung!" Seit diesem Sommer habe er keine neuen Songs mehr aufgenommen, sagt Eistrup. Auch Tourbusse habe er gemieden. Stattdessen begann er, Drucke von Kitaj zu sammeln. Und: "Ich habe sehr bewusst die dumme Entscheidung getroffen, ein Maler zu werden." Unwahrscheinlich genug, aber es gelang ihm. Keine fünf Jahre später malte Kasper Eistrup bereits ein Auftragsporträt des damaligen Kronprinzen und heutigen Königs von Dänemark. Inzwischen führt seine Galerie in Kopenhagen eine Warteliste mit Sammlerinnen und Sammlern, die Eistrups neue Gemälde als erste sehen und kaufen dürfen. Es ist eine schöne Geschichte, aber sind die Gemälde diese Aufregung auch wert? Das können Sie ab heute selbst überprüfen, denn Kasper Eistrup ist zurück in Hamburg. Um 19 Uhr eröffnet er in der Galerie Schimming (Jungfrauenthal 4, Harvestehude) die Ausstellung Bridges over Magma. Dort sind neue Arbeiten zu sehen, die auf den ersten Blick wie Collagen wirken. Verschiedene Materialien und Motive – Porträts, Florales, Industriearchitektur – kommen hier zusammen. Titel wie Himmel & Elbe oder Elb Disharmonie offenbaren zudem: Eistrup hat diese Bilder zum großen Teil in Hamburg gemalt, während eines mehrwöchigen Aufenthalts in der Stadt, der er seine "Offenbarung" verdankt. Die Ausstellung läuft bis zum 21. Mai und ist dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, sonnabends von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Oskar Piegsa Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. Täglich neue Streiks am Flughafen: Die Vereinigung Cockpit hat Piloten zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Betroffen seien heute und morgen Lufthansa, sowie heute auch Eurowings. Gestern streikte bereits das Kabinenpersonal der Lufthansa, wie unser Pressefoto zeigt. Die Bauer Media Group will 160 Vollzeitstellen abbauen. Der Betrieb der Bauer Xcel Media Deutschland KG werde zum 30. September eingestellt, teilte das Unternehmen mit. Damit endet eine Abteilung, deren Arbeit von Bauer bislang als der "digitale Herzschlag" seines "deutschen Publishinggeschäfts" beworben wurde. Zu ihr zählen Websites wie lecker.de, Wunderweib, TVMovie.de und Bravo.de. Die Umweltbehörde hat den Bau eines seit Jahren geplanten Ammoniak-Importterminals im Hafen genehmigt. Bereits im Jahr 2029 könnte die Einfuhr von etwa 600.000 Tonnen pro Jahr starten. Ammoniak ist giftig, wird aber für die Düngemittelproduktion genutzt und gilt als vielversprechender Treibstoff für die Schifffahrt. Ein Teil der Abschiebungen aus Hamburg sei aus Sicht der Menschen- und Kinderrechte problematisch. Das schreibt die Diakonie in einem neuen Jahresbericht (PDF-Download). So sei etwa eine 87-jährige Frau im Rollstuhl abgeschoben worden, die keine Bezugspersonen dabeihatte, keine Jacke und lediglich Hausschuhe trug. Ein anderes Mal seien Geschwister und Eltern getrennt worden. Über die Abschiebebeobachtungen der Diakonie erfahren Sie mehr in diesem Interview (Z+). Aus den Polizeimeldungen: Bei einem Unfall im Bezirk Harburg ist ein elfjähriges Kind getötet worden. Der Junge sei am Mittwochnachmittag mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, als er an einer Einmündung mit einem Lastwagen zusammenstieß, teilte die Polizei mit. Er starb noch am Unfallort. Bald wird Udo Lindenberg 80 Jahre alt. Im Interview erzählt sein Freund – und mutmaßlich größter Fan –, der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre, was er an Udo schätzt. Die Fragen stellte ZEIT-Redakteur Peter Kümmel; lesen Sie hier einen Auszug. DIE ZEIT: Herr Stuckrad-Barre, Udo Lindenberg wird bald 80 – und Sie, viel jünger, sind seit Langem mit ihm befreundet. Wie kam es dazu? Benjamin von Stuckrad-Barre: Ich bin mit Udo befreundet, seit ich sieben bin. Da wusste er natürlich noch nichts davon. Die ersten Udo-Lieder habe ich durch die Wand meines Kinderzimmers gehört, aus dem Zimmer meines ältesten Bruders, der hörte oft die Udo-Platte Livehaftig. Und was ältere Brüder hören, das ist Gesetz. Das will man auch hören, wenn möglich, sogar im eigenen Zimmer. ZEIT: Was hat Lindenberg in Ihnen ausgelöst? Stuckrad-Barre: Sehnsucht. Man hat als Kind mit dem Elternhaus diese Verabredung: Ihr geht nur bis zum Zaun, okay? Und um 18.30 Uhr gibt es Abendessen. Natürlich ist man daran interessiert, um 18.31 Uhr noch draußen zu sein und hinter den Zaun zu kommen. Und Udo war der Fluchthelfer. Udo stand sozusagen mit angelassenem Motor am Zaun und hat von da an übernommen: "Die beste Straße unserer Stadt, die führt aus ihr hinaus." Er hat von Dingen erzählt, die man als Kind noch nicht kannte, aber man hat geahnt: Das wird interessant. Und es war auch die Art, wie er es erzählt hat, spielerisch, fantasievoll, lustig. Die deutsche Sprache als Abenteuerspielplatz. ZEIT: Und nun sind Sie seit Langem sein Freund? Stuckrad-Barre: Ich habe ihn dann auch persönlich kennengelernt, das hat geholfen, ich war Anfang zwanzig. Er ist der originellste Freund, den ich habe. Gestern Nacht habe ich ihn, von Berlin aus, zum Lichtschalter seines Hotelzimmers in Hamburg manövriert. Mitten im Gespräch fragte er, sag mal, der Schalter für das große Licht hier, die Festbeleuchtung, weißt du, wo der ist? Meine Vermutung war: neben der Tür. Hat dann auch geklappt. Udos ganzes Leben ist ein Aufstand gegen die bürgerliche Existenz. Hier in Berlin hat er auch eine Wohnung, am Potsdamer Platz. Da wollte ich mir mal einen Kaffee machen und fragte ihn nach der Küche. Er sagte: Ja, das müsste es hier eigentlich geben, so ’ne Küche. Vielleicht dahinten irgendwo. Und da war wirklich eine Küche, komplett eingerichtet. Aber Udo war da halt noch nie gewesen – in der Küche seiner eigenen Wohnung. Es hatte sich einfach nicht ergeben. ZEIT: Meistens lebt er im Hamburger Hotel Atlantic. Stuckrad-Barre: Ja. Jetzt war ich wieder ein paar Tage dort bei ihm zu Besuch, dann ist man auf Udos Planeten, auf dem alles anders ist, mit eigener Sprache, eigener Währung und eigener Zeitzone. Das ist sehr fordernd, wenn man auch noch was anderes im Leben zu tun hat. Vor 15 Uhr kann man Udo nicht treffen. Ab 17 oder 18 Uhr ist gemeinsames Aufwachen möglich. Die Tagesthemen sind praktisch Udos Frühstücksfernsehen. Wieso Stuckrad-Barre nun sogar ein Buch über seinen Freund geschrieben hat, das lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung des Gesprächs: → Zum Interview (Z+) Rocky biss nicht zum ersten Mal Im Juni 2022 fiel ein Kampfhund in Rahlstedt ein Kleinkind an, das beinahe getötet wurde. Jetzt ist der Hundehalter angeklagt. Das Opfer war seine Nichte. ZEIT-Autorin Elke Spanner war im Gericht. → Zum Artikel (Z+) Im Rahmen der Woche des Gedenkens findet im Uebel&Gefährlich Ein Abend für Esther Bejanaro statt. Ein vielfältiges Programm mit dem Musiker Daniel Kahn; der Autor und Regisseur Dan Thy Nguyen liest aus seinem Buch Sonnenblumenhaus, in dem er an die rassistischen Pogrome von Rostock-Lichtenhagen erinnert, und Benet Lehmann trägt aus dem Buch Esthers Spuren vor. Die Choreografin Jenny Beyer zeigt ihr Solo Zurück zu Ali. Alle Beteiligten diskutieren mit Anton Sefkow, dem Enkel Bejanaros, über Kontinuitäten rechter Gewalt – Warum Verdrängen keine Option ist. "Ein Abend für Esther Bejanaro", 23.4., 19.30 Uhr, Uebel&Gefährlich, Feldstr. 66; Tickets gibt es hier Zwei junge Männer verlassen abends das Fitnessstudio, mutmaßlich hungrig. Denn als schnatternde Gänse über sie hinwegfliegen, droht ihnen einer der Sportler: "Na, seid mal nicht so fröhlich. An Weihnachten kommt ihr auf den Grill!" Gehört von Viola Diem Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.