Datum16.04.2026 05:30
Quellewww.zeit.de
TLDRBürger in Kiel entscheiden über Olympiabewerbung als Segelstandort für 2036 oder später. Befürworter sehen große Chancen für Tourismus, Wirtschaft und Infrastruktur, wie Ministerpräsident Günther betont. Kritiker, wie die Linke, warnen vor steigenden Mieten und geringem wirtschaftlichen Nutzen. Kiel hat Erfahrung als Austragungsort. Der DOSB trifft finale Entscheidung über deutschen Kandidaten.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Spiele in Schleswig-Holstein“. Lesen Sie jetzt „Welche Bedeutung Olympia für den Norden haben kann“. Am Sonntag entscheiden die Bürgerinnen und Bürger in Kiel über eine Olympiabewerbung der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt. Die Stadt beabsichtigt, sich als Segelstandort für künftige Spiele in Deutschland zu empfehlen – sei es 2036, 2040 oder 2044. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sieht in der Austragung der Wettkämpfe einen "riesigen Gewinn" für das Land. "Viele Millionen Menschen werden dann vor dem Fernseher und auch live bei uns vor Ort ein weltoffenes Bundesland als Gastgeber erleben, bei dem unterschiedliche Nationen friedlich um Medaillen kämpfen und gleichzeitig eine tolle und fröhliche Zeit miteinander verbringen", erklärte er. Gerade in der heutigen Zeit habe dies auch eine Wirkung darauf, wie sich die Welt entwickelt. Die Olympischen Spiele würden zudem den Tourismus und die Wirtschaft im Norden stärken. "Unser Vorteil mit dem Standpunkt Kiel ist, dass hier schon sehr viel Know-how, Logistik und Infrastruktur für die Ausrichtung großer Sportereignisse und Volksfeste vorhanden sind", betonte Günther. Das olympische Konzept der Stadt stelle außerdem sicher, dass alles, was für Olympia neu entsteht, langfristig der Bevölkerung zugutekommt. Kiels künftiger Oberbürgermeister, Samet Yilmaz, misst der Olympiabewerbung auch strategische Bedeutung bei. Sie könne den Ausbau von Infrastruktur, Mobilität und Stadtentwicklung vorantreiben. "Durch zusätzliche Mittel von Bund und Land lassen sich Projekte, die ohnehin geplant sind, schneller und besser umsetzen, ohne den städtischen Haushalt allein zu belasten", sagte der Grünen-Politiker. Ein Blick auf die vergangene Olympia-Austragung im Jahr 1972 zeige, was möglich ist: "Damals hat der Bund den Großteil der Kosten übernommen und Infrastruktur geschaffen, von der Kiel bis heute profitiert", erklärte Yilmaz. Olympia dürfe kein Selbstzweck sein, sondern müsse den Alltag der Menschen spürbar verbessern. Ulf Kämpfer (SPD), noch bis zum 21. April Oberbürgermeister der Stadt, sieht in den Spielen eine Chance, die Infrastruktur im Olympiazentrum Schilksee auszubauen und ein nachhaltiges olympisches Dorf zu schaffen, das später als gemischtes Wohnquartier mit vielen geförderten Wohnungen genutzt wird. "Unser Ziel ist ein stimmungsvolles, buntes Fest an der Förde, das nicht nur den Ruf Kiels als Welthauptstadt des Segelns festigt, sondern Aufbruchstimmung für das gesamte Land erzeugt", betonte er. Für die Präsidentin des Landessportverbands, Barbara Ostmeier, bedeuten Olympische und Paralympische Spiele mehr als ein einmaliges Sportereignis. Sie sieht darin eine "einmalige Chance", um in kommende Generationen zu investieren. "Sie wirken wie ein Investitionsschub für ohnehin notwendige Investitionen in Sportstätten, die Modernisierung bestehender Anlagen, in Barrierefreiheit mit nachhaltiger Nachnutzung für Schulen, Vereine und den Breitensport", sagte sie. Zudem steigern sie die Sichtbarkeit Kiels und Schleswig-Holsteins als international bedeutenden Sportstandort. Innenministerin Finke ist überzeugt, dass die Spiele dem Sport insgesamt neuen Auftrieb geben. "Sie könnten eine Begeisterung entfachen, die weit über die Spiele hinaus wirkt", erklärte sie. Auch für Kinder und Jugendliche setzten sie ein Zeichen: Die Grundschülerinnen und Grundschüler von heute könnten die Olympioniken von 2036, 2040 oder 2044 sein, betonte Finke. Der Kreisverband Kiel der Partei Die Linke lehnt hingegen eine Olympiabewerbung der Landeshauptstadt ab und ruft dazu auf, beim Bürgerentscheid mit Nein zu stimmen. "In Kiel herrschen Mietennotstand, Sanierungsstau und katastrophale Zustände in den sozialen Einrichtungen", sagte die Kreissprecherin Johanna Klitzschmüller Mitte März. Sie warnt, dass Olympia die Mieten in der Stadt weiter in die Höhe treiben könnte. Zudem, so die Linke, bringe Olympia keinen spürbaren wirtschaftlichen Vorteil. Lokale Geschäfte und Unternehmen profitierten kaum von den Spielen, da nur vom Internationalen Olympischen Komitee zugelassene Firmen am Verkauf und Sponsoring beteiligt seien. Die Bürgerinnen und Bürger sollen entscheiden, ob ihre Stadt gemeinsam mit einem deutschen Hauptaustragungsort Sportarten wie Segeln, Freiwasserschwimmen oder Handball ausrichtet, erklärte Finke. Dazu können sie am 19. April ihre Stimme abgeben oder auch schon vorher per Briefwahl oder direkt in einem Sofortabstimmungsbüro abstimmen. Die finale Entscheidung über den deutschen Bewerber soll auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am 26. September getroffen werden. Neben Berlin bemühen sich Hamburg, München und die Region Rhein-Ruhr, der deutsche Kandidat zu werden. Nationaler Konkurrent von Kiel als Standort für olympische Segelregatten ist Rostock-Warnemünde. Sollte Berlin zum Hauptaustragungsort gewählt werden, will die Bundeshauptstadt die Segelwettbewerbe in Mecklenburg-Vorpommern austragen lassen. In Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel fanden die Segelwettbewerbe bereits bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin und 1972 in München statt. © dpa-infocom, dpa:260416-930-951024/1