Datum16.04.2026 05:06
Quellewww.spiegel.de
TLDRChina drängt Iran zur Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus, da US-Sanktionen den Öl-Export nach China blockieren. Iran erwägt eine teilweise Öffnung, knüpft dies aber an US-Zugeständnisse. Die Blockade treibt die Preise in die Höhe und führt laut Weltbank zu einer globalen Nahrungsmittelkrise mit Millionen zusätzlichen Hungernden.
InhaltDie USA blockieren iranische Öl-Exporte und setzen damit Hauptabnehmer China unter Druck. Peking fordert von Teheran freie Wasserwege. Die Weltbank warnt vor einem Nahrungsmangel für Millionen Menschen. Der Newsüberblick. Der chinesische Außenminister Wang Yi hat Iran aufgefordert, die normale Schifffahrt in der Straße von Hormus wiederherzustellen. Wang habe am Mittwoch mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araqchi telefoniert, teilte das chinesische Außenministerium mit. Zwar müssten die Souveränität und die Sicherheit Irans in der Meerenge respektiert werden, sagte Wang demnach. Jedoch müsse auch die Freiheit und Sicherheit der Schifffahrt auf dem Wasserweg gewährleistet sein. Zurzeit öffne sich ein kritisches Fenster für den Frieden. China unterstütze die Einhaltung des Waffenstillstands und die Fortführung der Verhandlungen. Dies sei im Interesse Irans, der Region und der Welt. Iran erwägt laut Insidern in den Verhandlungen mit den USA eine teilweise Öffnung der Straße von Hormus. Damit rückt die Islamische Republik erstmals von Maximalforderungen ab. Bislang wollte die Regierung in Teheran Gebühren für die Durchfahrt durch die internationale Wasserstraße erheben und die Souveränität über die Meerenge beanspruchen. Damit der Krieg mit den USA nicht wieder aufflammt, könnte Iran Schiffen die freie Durchfahrt auf der omanischen Seite der Meerenge gestatten, sagte eine von der iranischen Regierung unterrichtete Person am Mittwoch. Voraussetzung sei jedoch, dass die US-Regierung auf die übrigen Forderungen Irans eingehe. Dazu gehören unter anderem die Freigabe eingefrorener Vermögen und ein Ende der Sanktionen. Unklar blieb, ob alle Schiffe – auch solche mit Verbindungen zu Israel – die Route passieren dürften. Ein westlicher Sicherheitsinsider bestätigte, dass der Vorschlag erörtert werde. Das US-Präsidialamt und das iranische Außenministerium nahmen zu dem Vorstoß zunächst nicht Stellung. Seit dem 8. April gilt eine zweiwöchige Feuerpause. Der Krieg hat zu der bislang größten Unterbrechung der weltweiten Öl- und Erdgasversorgung geführt. Iran blockiert den Verkehr durch die Meerenge, über die etwa 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte abgewickelt werden. Seit Beginn des Krieges am 28. Februar sitzen Hunderte Tanker und andere Schiffe sowie 20.000 Seeleute im Golf fest. Die USA hatten am Montag eine Blockade gegen Öltanker verhängt, die iranische Häfen verlassen. Dies trifft vor allem China. Das Land bezieht mehr als 80 Prozent des aus Iran exportierten Rohöls. Die US-Regierung drohte der Führung in Teheran mit weiteren Sanktionen. So könnten Unternehmen und Länder mit Strafmaßnahmen belegt werden, die weiterhin iranisches Öl kaufen oder iranische Vermögenswerte verwalten, sagte US-Finanzminister Scott Bessent. "Die Iraner sollten wissen, dass dies das finanzielle Äquivalent zu den Bombenangriffen ist." Bessent zeigte sich zuversichtlich, dass insbesondere China seine Käufe iranischen Öls einstellen wird. "Wir haben allen Ländern gesagt, dass wir nun bereit sind, sekundäre Sanktionen zu verhängen, wenn sie iranisches Öl kaufen oder wenn iranisches Geld auf ihren Banken liegt", sagte der US-Finanzminister vor Reportern im Weißen Haus. Man gehe davon aus, dass es "eine Pause bei den chinesischen Käufen geben wird". Das US-Finanzministerium habe zwei chinesische Banken direkt angeschrieben. "Wir haben ihnen gesagt, dass wir bereit sind, sekundäre Sanktionen zu verhängen, wenn wir beweisen können, dass iranisches Geld über ihre Konten fließt", erklärte Bessent. Der Chefvolkswirt der Weltbank, Indermit Gill, warnt unterdessen vor den humanitären Folgen des Irankriegs. "Es gibt bereits etwa 300 Millionen Menschen, die unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden", sagte Gill am Mittwoch in Washington. "Diese Zahl wird sehr, sehr schnell um etwa 20 Prozent steigen." Die Blockade der Straße von Hormus treibt die Öl-, Gas- und Düngerpreise in die Höhe. Um ihre Kosten zu senken, setzen die Landwirte weniger Düngemittel ein, was zu einem Rückgang der weltweiten Getreideproduktion führt. Dies könnte einige Länder zudem dazu veranlassen, Exportverbote zu verhängen, wodurch die Lebensmittelpreise noch weiter in die Höhe getrieben würden. "Diese Exportverbote bereiten uns große Sorge", sagte Gill. Sollte der Krieg nicht bald beendet werden, werde der Hunger "am stärksten gefährdete Länder mit voller Wucht treffen", warnte der Weltbank-Chefvolkswirt. Derzeit sei Asien besonders von den ausbleibenden Ölexporten und den wirtschaftlichen Auswirkungen betroffen. Je länger die Krise andauere, desto schneller würden andere Regionen die Folgen zu spüren bekommen, sagte Gill, insbesondere Afrika.