Ukraine-Krieg: Großbritannien will 120.000 Drohnen liefern

Datum15.04.2026 20:51

Quellewww.spiegel.de

TLDRGroßbritannien liefert 120.000 Drohnen, das größte bisherige Paket, an die Ukraine. Verteidigungsminister Healey betonte die entscheidende Rolle von Drohnen, die für 96% der russischen Verluste im März verantwortlich waren. Bei einem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe in Berlin bekräftigten internationale Partner ihre anhaltende Unterstützung. Deutschland sichert weitere Militärhilfe zu und vereinbart eine strategische Partnerschaft. Die Unterstützung konzentriert sich auf Luftabwehr, Drohnenproduktion und Artillerie.

InhaltDas bisher größte britische Drohnenpaket soll der Ukraine bei der Verteidigung helfen. Unbemannte Fluggeräte sollen im März für 96 Prozent der russischen Verluste verantwortlich gewesen sein. Die Ukraine soll 120.000 Drohnen aus Großbritannien erhalten. Es sei das bisher größte britische Drohnenpaket, sagte der britische Verteidigungsminister John Healey bei einer Sitzung der Ukraine-Kontaktgruppe in Berlin. Geliefert würden weitreichende Angriffsdrohnen, Aufklärungsdrohnen, Logistikdrohnen und solche mit maritimen Fähigkeiten. Healey hob die Bedeutung von Drohnen auf dem Schlachtfeld in der Ukraine hervor. Unbemannte Fluggeräte seien im März für 96 Prozent der russischen Verluste verantwortlich gewesen, die in diesem Monat mit 35.000 Mann einen Rekord erreicht hätten. "Drohnen haben diesen Krieg bestimmt und sie werden entscheidend sein für seinen Ausgang", sagte der Labour-Politiker. Er lobte zudem das Angebot Kyjiws, die Golfstaaten bei der Abwehr iranischer Drohnen und Raketen zu unterstützen. Neben Großbritannien haben auch die anderen Unterstützerstaaten der von Russland angegriffenen Ukraine demonstrativ ihren weiteren Beistand zugesagt. "Wir haben heute – und das war sehr wichtig – alle unsere Verpflichtungen gegenüber der Ukraine bekräftigt", sagte Nato-Generalsekretär Mark Rutte. "Wir halten unsere starke Unterstützung aufrecht. Die Ukraine kann sich weiterhin auf uns verlassen", versicherte Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius seinem ukrainischen Kollegen Mychajlo Fedorow. Die weitere Unterstützung sei nötig, auch wenn die Augen der Welt auf den Nahen Osten sowie die Bemühungen um ein Ende der Blockade in der Straße von Hormus gerichtet seien, sagte der SPD-Politiker. Kremlchef Wladimir Putin habe zwar für das orthodoxe Osterfest eine Waffenruhe verkündet. Diese sei aber 2000 Mal gebrochen worden und habe nur für Ostern gegolten. "Jetzt geht der Terror weiter", betonte Pistorius. Russland profitiere von den gegenwärtigen Entwicklungen im Mittleren Osten. "Die steigenden Ölpreise spülen Geld in die für den Krieg bestimmten Geldkoffer von Putin, mindestens für den Moment", sagte Pistorius. Der ukrainische Verteidigungsminister Fedorow bedankte sich für neue Beiträge von Belgien, Norwegen, Bulgarien, Litauen und Estland für das Programm PURL zum Kauf US-amerikanischer Waffen. Konkrete Angaben machte er nicht. "Unsere Prioritäten bleiben gleich, die Flugabwehr hat die oberste Priorität", unterstrich er. Vorrang hätten auch die ukrainische Produktion von Drohnen sowie Artilleriegranaten des Nato-Kalibers 155 Millimeter. Die militärischen Unterstützer der Ukraine trafen sich in Berlin auf Einladung von Pistorius. An dem Treffen der sogenannten Ukraine Defence Contact Group (UDCG) nahmen Pistorius, Healey, Rutte und Fedorow persönlich teil, andere Teilnehmer waren zugeschaltet. Deutschland und Großbritannien hatten im April 2025 gemeinsam die Leitung der Ukraine-Kontaktgruppe übernommen. Sie sind in der Führungsposition, nachdem sich die USA unter Präsident Donald Trump Militärhilfe für die Ukraine aus Europa bezahlen lassen und diese auch wiederholt als Druckmittel eingesetzt haben. Die Bundesregierung hatte bereits am Vortag bei Regierungskonsultationen mit der Ukraine weitere Militärhilfe zugesagt und zudem eine "strategische Partnerschaft" mit dem Land vereinbart. Die Zusammenarbeit soll künftig weit über die militärische und finanzielle Hilfe Deutschlands hinausreichen, sodass beide Seiten langfristig davon profitieren können. Mehr dazu lesen Sie hier. Pistorius betonte zum Auftakt des Treffens der Kontaktgruppe: "Aus diesem Winter geht die Ukraine stärker hervor als zuvor. Die Stärke ist auch in den Kampfgebieten sichtbar, wo die Verteidiger der Ukraine die jüngsten russischen Offensiven erfolgreich zurückgeschlagen haben." Das sei auch Ergebnis der gemeinsamen Unterstützung. Für die weitere militärische Durchhaltefähigkeit der Ukraine ist nun vor allem eine schnelle Freigabe des bislang von Ungarn blockierten 90-Milliarden-Euro-Kredits der EU wichtig. Nach dem Wahlsieg des ungarischen Oppositionsführers Péter Magyar gibt es Hoffnungen auf eine schnelle Lösung. Pistorius erwarte, dass die Blockade dieser Mittel jetzt schnell aufgehoben werde.