Datum15.04.2026 19:13
Quellewww.zeit.de
TLDREin Bootsunglück im Indischen Ozean mit über 250 vermissten Rohingya-Geflüchteten aus Bangladesch auf dem Weg nach Malaysia wird laut UN-Organisationen befürchtet. Das Schiff kenterte vermutlich aufgrund von Wetterbedingungen und Überladung. Dies unterstreicht die verzweifelte Lage der Rohingya, die vor Gewalt in Myanmar fliehen und unter schwierigen Bedingungen in Bangladesch leben. Gekürzte Hilfen könnten weitere gefährliche Fluchtversuche provozieren. Die UN fordert verstärkte Unterstützung und sichere Rückkehrmöglichkeiten.
InhaltUN-Organisationen zufolge ist ein Fischerboot mit Geflüchteten auf dem Weg von Bangladesch nach Malaysia gekentert. Es werden mehr als 200 Tote befürchtet. Nach dem Kentern eines Boots mit unter anderem Rohingya-Geflüchteten aus Myanmar und Bangladesch an Bord im Indischen Ozean werden etwa 250 Männer, Frauen und Kinder vermisst. Nach Angaben der UN war das Boot auf dem Weg vom Süden Bangladeschs nach Malaysia. Das berichtete der Sender BBC. Demnach werden mehr als 200 Tote befürchtet. Der Überlebende Rafiqul Islam sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, das Boot sei bereits vor zehn Tagen gekentert. Er selbst habe sich bei dem Unglück Verbrennungen zugezogen und sei in seinem Flüchtlingslager von Schleppern mit einem Job in Malaysia auf das Boot gelockt worden. Dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge kenterte der Trawler vermutlich infolge starken Winds, hohen Wellengangs und Überladung. Nach Einschätzung der UN-Organisationen ist das Bootsunglück eine Folge der anhaltenden Vertreibung der Rohingya und des Fehlens einer politischen Lösung der Krise in Myanmar. Die Sicherheitslage in der Herkunftsregion der Rohingya erschwert demnach eine Rückkehr der Geflüchteten. Mehrere Hunderttausend Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya sind in den vergangenen Jahren vor dem Bürgerkrieg in Myanmar in das Nachbarland Bangladesch geflohen. Im Süden Bangladeschs leben mittlerweile mehr als eine Million Rohingya-Angehörige. Besonders infolge der groß angelegten Militäroffensive im Jahr 2017 flohen über 800.000 Menschen aus Myanmar. In Bangladesch lebt ein Großteil der Geflüchteten aus Myanmar unter schwierigen Bedingungen in Flüchtlingslagern. Tausende von ihnen riskieren jedes Jahr ihr Leben bei dem Versuch, über den Indischen Ozean per Boot in die Nachbarländer Indonesien oder Malaysia zu gelangen. Vertreter der Rohingya-Minderheit warnten zuletzt, dass die Anzahl der aus Bangladesch flüchtenden Migranten aufgrund gekürzter Hilfen in Zukunft weiter ansteigen könnte. Seit Anfang April hat das UN-Welternährungsprogramm die Unterstützung stark zurückgefahren. In ihrer Mitteilung zu dem Bootsunglück forderten die UN-Organisationen UNHCR und IOM die internationale Gemeinschaft nun auf, sowohl die Unterstützung für die Rohingya in Bangladesch als auch für die aufnehmenden Gemeinden deutlich auszuweiten. Ziel sei es, die Lebensbedingungen zu verbessern und lebensgefährlichen Fluchtversuche über den Ozean zu reduzieren. Zugleich betonten sie die Notwendigkeit, die Ursachen der Vertreibung in Myanmar zu bekämpfen und für Rohingya sichere Rückkehrperspektiven nach Myanmar zu schaffen. Seit Januar dieses Jahres läuft ein Prozess gegen Myanmar und seiner Militärführung vor dem Internationalen Gerichtshof. Dem südostasiatischen Land wird vorgeworfen, Völkermord an der muslimischen Rohingya-Minderheit verübt zu haben.