Christian Ulmens Joyn-Serie soll Parallelen zum Fall Collien Fernandes aufweisen

Datum15.04.2026 18:36

Quellewww.spiegel.de

TLDRJoyn verschiebt Christian Ulmens Serie "The Au Pair" wegen Parallelen zu Vorwürfen von Collien Fernandes. Die "Zeit" berichtet über Drehbücher mit Themen wie falschen Identitäten und der Verbreitung intimer Bilder, was an Fernandes' Anschuldigungen der "virtuellen Vergewaltigung" erinnert. Ulmens Produktionsfirma distanziert sich. Der MDR sendet dennoch einen "Tatort" mit Ulmen, da eine juristische Klärung fehle.

InhaltJoyn hält Christian Ulmens Serie zurück: Die "Zeit" sieht auffällige Übereinstimmungen mit den Vorwürfen, die Collien Fernandes ihrem Ex-Mann gemacht hat. Der MDR sendet derweil einen "Tatort" mit Ulmen und verweist auf fehlende juristische Klärung. Christian Ulmens neue Serie mit dem Arbeitstiel "The Au Pair" für den Streamingdienst Joyn wird vorerst nicht zu sehen sein. Das berichtet "Die Zeit"  unter Verweis auf Vorwürfe, die Ulmens Ex-Frau Collien Fernandes gegen ihn erhoben hat. Eine Ausstrahlung sei "bis auf Weiteres nicht geplant", hieß es dort. Nach Angaben der Zeitung liegen der Redaktion sechs von acht Episodendrehbüchern von "The Au Pair" in Fassungen kurz vor Drehbeginn vor. "Die Zeit" betont dabei ausdrücklich, dass die Bücher urheberrechtlich geschützt seien und die Redaktion nicht wörtlich daraus zitieren dürfe. In ihrer Darstellung beschreibt die Zeitung dennoch inhaltliche Motive und Szenen, die Parallelen zu den Vorwürfen gegen Ulmen nahelegten – darunter Themen wie falsche Identitäten im Internet, pornografische Inhalte und ein Geständnis einer Figur, intime Bilder einer Partnerin in Sex-Chatforen veröffentlicht zu haben. "Wir kommentieren die Spekulationen über Parallelen zwischen Drehbüchern und im Raum stehenden Vorwürfen nicht. Eine Ausstrahlung der Serie war und ist für 2026 nicht geplant", teilte eine Sprecherin von Seven.One Studios dem SPIEGEL mit. Zudem verwies sie auf ein Statement der Produktionsfirma Pyjama Pictures vom 20. März; die darin getroffenen Aussagen hätten weiterhin Bestand. Darin heißt es unter anderem: "Auch wenn die Unschuldsvermutung gilt, sind wir zum Schutz der Firma bereits mit Christian Ulmen im Gespräch, seine Gesellschafteranteile zurückzugeben. Bereits seit Mai 2023 ist er nicht mehr in der Geschäftsführung der Pyjama Pictures. Darüber hinaus sind keine weiteren Projekte mit Christian Ulmen als Showrunner in Planung." Im SPIEGEL beschuldigte Collien Fernandes Christian Ulmen, sie "virtuell vergewaltigt" zu haben (lesen Sie hier die ganze Recherche zum Fall). In sozialen Medien wie etwa LinkedIn soll er täuschend echt aussehende Fakeprofile von ihr erstellt und darüber "Hunderte von Männern" kontaktiert haben. Über die Accounts soll er sich als Fernandes ausgegeben und mit Männern Chats und Gespräche mit sexuellen Inhalten geführt haben. Er soll erotische Bilder und Videos verschickt haben, die den Eindruck erweckten, als handele es sich um Aufnahmen von Fernandes. Fernandes hatte Ulmen unter anderem auf Mallorca angezeigt. Die zuständige Richterin des Bezirksgerichts auf Palma de Mallorca entschied, die Ermittlungen nach Deutschland abzugeben. Das teilte eine Sprecherin des Gerichts auf SPIEGEL-Anfrage  mit. Jorge Agüero Lafora, der spanische Anwalt von Collien Fernandes, kündigte gegenüber dem SPIEGEL an, Rechtsmittel gegen die Entscheidung einzulegen. Die Anwälte von Ulmen sprachen im Zusammenhang mit den Vorwürfen zunächst unspezifisch von "unwahren Tatsachen". In einer Pressemitteilung haben sie sich inzwischen auch inhaltlich zu manchen Vorwürfen eingelassen. Sie schrieben, dass Christian Ulmen zu keinem Zeitpunkt Deepfake-Videos von Fernandes oder anderen Personen hergestellt oder verbreitet habe. Auf Fragen zur Serie von Ulmen mit dem Arbeitstitel "The Au Pair" haben die Anwälte auf Nachfrage des SPIEGEL bislang nicht geantwortet. "The Au Pair", die Serie von Ulmen, die Joyn in Auftrag gegeben hatte, wurde dem Bericht zufolge im Herbst auf Mallorca gedreht. Die Produktionsfirma Pyjama Pictures, die Ulmen mitgegründet hat, habe sich öffentlich von ihm distanziert und Solidarität mit Fernandes bekundet, schreibt "Die Zeit". Viele Mitwirkende könnten sich wegen Geheimhaltungsvereinbarungen allerdings nicht äußern. Währenddessen hält der MDR an der Ausstrahlung der "Tatort"-Folge "Der scheidende Schupo" aus dem Jahr 2017 am Mittwochabend im linearen Fernsehen fest, in der Ulmen eine Hauptrolle spielt. Das bestätigt ein Sprecher des MDR gegenüber dem SPIEGEL: "Wir haben uns mit dem Thema intensiv beschäftigt und uns die Entscheidung alles andere als leicht gemacht. Im Ergebnis haben wir uns entschieden, den heute Abend schon lange eingeplanten Tatort nicht zu depublizieren", teilte der Sender mit. Eine Depublikation sei eine der einschneidendsten Maßnahmen und erfordere eine sehr fundierte sachliche Grundlage. Zwar gebe es schwerwiegende öffentlich gewordene Vorwürfe, bislang aber keine juristische Klärung; deshalb halte man eine Entfernung der Weimar-"Tatorte" derzeit für nicht gerechtfertigt. Zudem verwies der MDR darauf, dass "Tatorte" als filmische Werke die Leistung vieler Beteiligter seien und nicht auf die Mitwirkung Ulmens verengt werden sollten. Der Sender betonte, für Entscheidungen dieser Tragweite müssten Maßstäbe gelten, die über einen Einzelfall hinausreichten und nicht bloß eine kurzfristige Reaktion auf eine emotional geführte Debatte seien.