Markus Lanz fühlt sich auch heute noch »nicht gut genug, nicht schnell genug, nicht schlau genug«

Datum15.04.2026 12:33

Quellewww.spiegel.de

TLDRMarkus Lanz offenbart tiefe Selbstzweifel, die aus seiner von harter Arbeit und Armut geprägten Kindheit in Südtirol resultieren. Die Erfahrungen früher Arbeit und die ständige Angst vor Verlust hinterließen Minderwertigkeitsgefühle, die ihn bis heute begleiten. Trotz seines Erfolgs als TV-Moderator fühlt er sich oft "nicht gut genug". Sein Ziel, aus diesen Verhältnissen auszubrechen, war sein Hauptantrieb.

InhaltWas man in der Kindheit erlebt, prägt oft das ganze Leben: So geht es auch Markus Lanz. In einem Interview erzählt er, wie seine Herkunft bei ihm bis heute für Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle sorgt. Das Gefühl, nicht "genug" zu sein, kennen wohl viele Menschen – auch solche, die nach außen das Bild eines erfolgreichen, geordneten, "perfekten" Lebens transportieren, wie TV-Moderator Markus Lanz, 57. In einem Interview hat er nun über Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle gesprochen: Er fühle sich seit seiner Kindheit und auch heute noch oft "nicht gut genug, nicht schnell genug, nicht schlau genug", sagte er dem "Stern". Er habe als Kind früh hart arbeiten müssen, etwa auf Kartoffeläckern und in Hotels als Tellerwäscher, vor allem in den Ferien, oft "bis spätabends", erzählte Lanz. "Und dabei habe ich ständig von Leuten gesagt bekommen, was ich zu tun habe. Das war üble Kinderarbeit und hat mich sehr geprägt." Weiter sagte der Moderator: "Rumgeschubst zu werden, ist ein Minderwertigkeitskomplex, den viele arme Leute haben. Und es war auch mein Minderwertigkeitskomplex." Und dieser hat offenbar bis heute Spuren hinterlassen: "Wenn Sie wüssten, wie viele Selbstzweifel mich plagen!", so Lanz in dem Interview. Lanz wuchs in Südtirol in Italien auf, sein Vater war Berufskraftfahrer und starb, als Lanz im Teenageralter war. Die Mutter war anschließend alleinerziehend mit drei Kindern. "Das schrecklichste Wort meiner Kindheit war Gerichtsvollzieher", so der Moderator. "Es war mit der Angst meiner Mutter verbunden, alles zu verlieren. Leute, die so was nie erlebt haben, können nicht verstehen, wie sich das anfühlt." Er habe aus seinen Herkunftsverhältnissen "rausgewollt", das sei sein Antrieb gewesen, sagte Lanz weiter. In den Neunzigerjahren zog er nach Hamburg und absolvierte dort ein Volontariat bei einem Radiosender. Es habe "vielleicht genau deshalb mit mir und Deutschland so gut gepasst: immer zweifeln, immer hinterfragen." Das werde oft als Makel beklagt, aber er glaube, "dass es genau der Zweifel war, der Wunsch, es immer noch ein bisschen besser zu machen, der dieses Land so erfolgreich gemacht hat." Mittlerweile ist Lanz einer der bekanntesten Moderatoren des Landes. Er führe jetzt ein selbstbestimmtes Leben, sagte Lanz dem "Stern". Das sei das "Beste, was man erreichen kann".