Kochen ohne Kohle: Borani Esfenaj, persischer Spinatdip mit Walnüssen

Datum15.04.2026 10:02

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Artikel stellt das persische Gericht Borani Esfenaj vor, einen Spinat-Joghurt-Dip mit Walnüssen. Ergänzend zur aktuellen politischen Weltlage und steigenden Energiepreisen, betont der Autor die reiche kulinarische Tradition Irans jenseits des politischen Regimes. Das kostengünstige und schnell zubereitete Rezept wird als Beispiel für eine zugängliche und dennoch besondere Küche präsentiert.

InhaltWährend die Welt sich im trumpschen Kriegszustand befindet, sollte man nicht vergessen, dass Iran nicht nur aus einem bösen Regime besteht. Sondern aus Millionen Menschen mit einer großartigen kulinarischen Tradition. Wenn auch Sie in Anbetracht der Energiepreise aktuell Ihren Kontostand nur angsterfüllt durch die vor dem Gesicht zusammengeschlagenen Hände betrachten, kann ich Sie beruhigen: Friedrich Merz zahlt uns allen 1000 Euro . Also, nicht direkt, aber unsere Arbeitgeber dürfen uns 1000 Euro auszahlen. Falls wir welche haben. Und die Lust haben. Doch nicht nur das! Obendrein greift die deutsche Bundesregierung wieder in den "freien Markt" ein, um Sprit für uns günstiger zu machen . Also, nur für Fahrer von Verbrennern, die wir eigentlich bis 2035 abgeschafft haben wollten (die Verbrenner, nicht die Fahrer). Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln: So wie es aktuell läuft, bin ich froh, wenn ich 2035 noch ohne Genehmigung des Verteidigungsministeriums ausreisen darf . Das Säbelrasseln der Großmächte macht dabei nicht gerade Hoffnung. Erst vorige Woche kündigte der selbst erklärte US-"Friedenspräsident" Donald Trump (dessen Krieg wir die hohen Spritpreise zu verdanken haben) an, "eine ganze Zivilisation" auszulöschen . Gemeint war Iran. Das war selbst für Trump-Maßstäbe irre. Am Ende blieb von seiner Drohung so viel übrig wie von einem Beutel Spinat in der Pfanne, zum Glück. Gut, das ist bei "Taco-Trump " jetzt nichts Neues. Warum also nimmt mich das alles so mit? Meinen allerersten Gastrojob bekam ich vor über 20 Jahren bei einer aus Iran stammenden Exilfamilie. In den langen Stunden am Tresen schnappte ich manchmal etwas von der Wehmut auf, die ein Leben im Exil mit sich bringt. Etwas zurückgelassen zu haben, was hier fehlt. Etwa das Essen. Ironischerweise bot das Restaurant damals zwar gleichzeitig Pizza, Bifteki, Quesadilla und Schnitzel an – aber keine persischen Gerichte. Von der großartigen kulinarischen Tradition des Landes bekam ich damals also leider nichts mit. Warum, das frage ich mich bis heute. Vielleicht, weil die Geschmäcker von Ghormeh Sabzi und Fesendschan zu elaboriert für deutsche Gaumen sind. Vielleicht auch, weil die persische Küche, die auf Gastfreundschaft und randvoll gedeckte Tische setzt und deren Stargerichte auf stundenlanges Zuhause-Kochen ausgelegt sind, sich nicht so leicht in gastronomische Konzepte übersetzen lässt. Natürlich gibt es dabei Ausnahmen. Eine zeige ich Ihnen heute: Borani Esfenaj ist im Kern ein gesunder, leckerer und leicht gemachter Spinat-Joghurt-Dip, den man als Mezze isst, also als Vorspeise oder Beilage. Wir machen heute die aufgepeppte Variante mit angeschwitzten Zwiebeln und gebratenen Walnüssen in Kurkuma-Öl obendrauf. Als Mezze reicht die Menge für vier Personen. Dazu reicht man das dünne Fladenbrot Lavash oder ein anderes Brot nach Wahl. Was kostet das? Ich habe für die verbrauchten Zutaten etwa 5 Euro ausgegeben, macht 1,25 Euro pro Portion. Wie lange dauert das? Etwa 30 Minuten. Übrigens: Wenn Sie gern mehr über Iran, die Menschen oder die Küche dort erfahren möchten, empfehle ich Ihnen neben den Recherchen meiner großartigen Kolleginnen und Kollegen (etwa hier über die "Operation Ajax" ) die alte Folge von Anthony Bourdains Serie "Parts Unknown", in der er nach Teheran reist und dort am Ende resümiert: "Der Teil Irans, über den du in der Zeitung liest und den du im Fernsehen siehst … das Bild ist in Wahrheit viel größer. Es ist kompliziert. " Das kann man wohl sagen. Suchen Sie noch mehr Rezepte, die wenig Geld kosten? Dann folgen Sie mir gern auf Instagram . Haben Sie Anmerkungen, Lob, Kritik oder Fragen? Dann schreiben Sie mir gern auf diese E-Mail-Adresse .