Anschläge auf Gaspipelines: Nord-Stream-Verdächtiger: Polnisches Gericht entscheidet

Datum15.10.2025 10:17

Quellewww.zeit.de

TLDREin polnisches Gericht entscheidet über die Auslieferung des in U-Haft sitzenden Ukrainers Wolodymyr Z., der im Verdacht steht, an den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines beteiligt gewesen zu sein. Die polnische Staatsanwaltschaft ermittelt seit 2022. Tusk, Polens Regierungschef, äußerte, dass eine Anklage oder Auslieferung nicht im Interesse Polens sei, da das Land von Anfang an gegen die Pipeline war. Der Anschlag im Herbst 2022 führte zur dauerhaften Stilllegung der Gaspipelines.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Anschläge auf Gaspipelines“. Lesen Sie jetzt „Nord-Stream-Verdächtiger: Polnisches Gericht entscheidet“. Drei Jahre nach dem Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines soll am Freitag ein polnisches Gericht entscheiden, ob ein in U-Haft sitzender Verdächtiger an Deutschland ausgeliefert wird. Das bestätigte sein Anwalt Timoteusz Paprocki der dpa. Der von Deutschland mit europäischem Haftbefehl gesuchte Ukrainer Wolodymyr Z. war in der vergangenen Woche in Pruszkow bei Warschau festgenommen worden. Ein Gericht in Polen ordnete eine 40-tägige Untersuchungshaft an. In dieser Zeit wollen sich die polnischen Behörden mit den Akten aus Deutschland vertraut machen. Polens Inlandsgeheimdienst ABW hat bereits die Wohnung des Verdächtigen durchsucht. Dies sei im Rahmen der Ermittlungen geschehen, welche die polnische Staatsanwaltschaft seit 2022 führe, sagte der Sprecher des Koordinators für die Geheimdienste laut Nachrichtenagentur PAP. Der Fall hat auch politische Brisanz im Verhältnis zwischen Deutschland und Polen. Polens Regierungschef Donald Tusk sagte kürzlich, es liege nicht im Interesse seines Landes, den Mann anzuklagen oder an einen anderen Staat auszuliefern. Die Regierung in Warschau war von Anfang an gegen den Bau der Pipeline und warnte, diese könnte von Russland als Instrument der Erpressung missbraucht werden. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe handelt es sich bei dem 46-jährigen Wolodymyr Z. um einen ausgebildeten Taucher, der mutmaßlich Mitglied der Gruppe war, die nahe der Insel Bornholm Sprengsätze an den Nord-Stream-Gaspipelines platzierte. Der Ukrainer soll an den erforderlichen Tauchgängen beteiligt gewesen sein. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm gemeinschaftliches Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vor. Beim Anschlag im Herbst 2022 beschädigten mehrere Sprengungen die beiden Pipelines so sehr, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. Die Explosionen wurden in der Nähe von Bornholm registriert. Wenig später entdeckte man vier Lecks an drei der vier Leitungen. Durch Nord Stream 1 floss zuvor russisches Erdgas nach Deutschland, allerdings nicht mehr zum Zeitpunkt des Anschlags. Nord Stream 2 war infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine noch gar nicht in Betrieb. © dpa-infocom, dpa:251015-930-164268/1