Datum15.04.2026 04:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Vorsitzende des Deutschen Richterbunds, Andrea Titz, fordert mehr Unterstützung für Juristen, die psychisch unter der Auseinandersetzung mit schwersten Verbrechen leiden. Ein stark nachgefragter Workshop zum Thema Resilienz auf dem Richter- und Staatsanwaltstag unterstreicht die Notwendigkeit, psychische Belastungen anzuerkennen und den Umgang damit zu fördern. Titz betont zudem die Bedeutung der Selbstverwaltung der Justiz zum Schutz vor politischer Einflussnahme, insbesondere angesichts eines Rechtsrucks in der Gesellschaft.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Justizgipfel“. Lesen Sie jetzt „"Sehen schreckliche Dinge" – Resilienz bei Juristen gefragt“. Die Vorsitzende des Deutschen Richterbunds, Andrea Titz, plädiert dafür, die psychischen Folgen für Richter und Staatsanwälte stärker in den Blick zu nehmen, die sich mit schlimmsten Verbrechen auseinandersetzen müssen. "Das ist ein Thema, das Kolleginnen und Kollegen belastet, gerade, wenn sie sich im Schwerpunkt mit solchen Straftaten befassen", sagte Titz im Gespräch mit Deutschen Presse-Agentur. "Man sieht ganz schreckliche Dinge: Missbrauch, aber auch Kapitaldelikte, und muss Strategien entwickeln, damit umzugehen. Das ist aber kein Selbstläufer, wir müssen an unserer Resilienz arbeiten.". Titz verwies auf einen Workshop zum Thema "Resilienz für RichterInnen und StaatsanwältInnen" auf dem heute in Weimar beginnenden 24. Deutschen Richter- und Staatsanwaltstag. Dieser sei derart nachgefragt gewesen, dass ein weiterer Termin ins Programm der Tagung aufgenommen worden sei, die am Freitag zu Ende geht. "Mehrere hundert Kolleginnen und Kollegen haben sich zu dem Workshop mit einer erfahrenen Psychologin angemeldet", so Titz. Resilienz bedeutet so viel wie psychischer Widerstandskraft: Wer resilient ist, schafft es auch nach schwierigen Erfahrungen, innerlich stabil zu bleiben. Auch innerhalb der Justiz gebe es vermehrt Versuche, Angebote in dieser Richtung zu machen. "Es muss Orte geben, in denen man geschützt zugeben darf, dass diese Art von Verfahren belasten, in denen man das offen ansprechen kann, ohne das Gefühl vermittelt zu bekommen, als würde man die Arbeit nicht schaffen." Der Richter- und Staatsanwaltstag steht in diesem Jahr unter dem Motto "Rettet den Rechtsstaat". "In den vergangenen Jahren war auf Landesebenen ein deutlicher Rechtsruck zu spüren", so Titz. "Wir müssen uns fragen: Wie sehr ist die Justiz vor etwaigen Angriffen von Parteien geschützt, die nicht fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen?" Gerade in Anbetracht dieser Entwicklung sei eine umfassende Selbstverwaltung der Justiz dringend nötig, um sie vor politischer Einflussnahme zu schützen. "Es geht um die Schaffung von Strukturen, in denen die Justiz selbst über Einstellungen, Beförderungen und disziplinarrechtliche Maßnahmen entscheidet", sagte Titz und verwies dabei auch auf die Situation in Thüringen. Dort können derzeit keine neuen Richter berufen werden, weil der zuständige Ausschuss im Landtag nicht komplett ist. Die Wahl neuer Mitglieder scheiterte immer wieder, weil die nötige Zweidrittelmehrheit nicht zustande kam: Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte und beobachte AfD hat als größte Fraktion genug Stimmen für eine Sperrminorität. Zu dem Justizgipfel in Weimar werden mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Justiz und Politik, Wissenschaft und Gesellschaft erwartet. © dpa-infocom, dpa:260415-930-946026/1