Selenskyj klagt über fehlende Zeit der US-Verhandler wegen des Irankriegs

Datum15.04.2026 00:26

Quellewww.spiegel.de

TLDRUS-Verhandler sind mit dem Irankonflikt beschäftigt, was Friedensbemühungen für die Ukraine erschwert. Präsident Selenskyj beklagt fehlende US-Zeit und Engpässe bei Patriot-Luftabwehrsystemen. Trotzdem bietet die Ukraine Hilfe in der Straße von Hormus an. Deutschland wird als größter strategischer Partner in Europa gelobt.

InhaltDer Irankrieg bringt die Ukraine in immer größere Schwierigkeiten. Es drohen Engpässe bei der Patriot-Luftabwehr – und Friedensverhandlungen kommen nicht voran, weil die US-Vermittler mit dem Irankonflikt beschäftigt sind. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat negative Auswirkungen des Irankriegs auf die Friedensbemühungen und die Waffenlieferungen für sein Land beklagt. Selenskyj sagte am Dienstag in einem ZDF-Interview mit Maybrit Illner über die beiden US-Unterhändler Jared Kushner und Steve Witkoff: "Sie sind ständig in Kontakt mit Iran und haben keine Zeit für die Ukraine." Selenskyj klagte zudem über Engpässe beim Patriot-Luftabwehrsystem. "Wenn der Krieg länger dauert, wird es weniger Waffen für die Ukraine geben", sagte Selenskyj in dem ZDF-Interview und ergänzte mit Blick auf das wichtige Patriot-System: "Wir haben so ein Defizit gerade, schlimmer geht es nicht mehr." Selenskyj bot zugleich die Hilfe seines Landes in der Straße von Hormus an. "Die Straße von Hormus ist gesperrt und die wollen wir entsperren, durch die Sperrung des Schwarzen Meers haben wir schon Erfahrungen", sagte Selenskyj und fügte hinzu: "Amerika hat uns noch nicht gefragt." Selenskyj hatte sich zuvor mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin getroffen. Vereinbart wurden dabei unter anderem eine strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern und eine Zusammenarbeit bei Drohnen – mehr dazu hier . Zum Verhältnis von US-Präsident Donald Trump zu Kremlchef Wladimir Putin sagte der ukrainische Präsident im ZDF-Interview, dass die USA eine konstruktivere Diplomatie mit Russland hätten als mit den Europäern. "In trilateralen Gesprächen ist es schwierig für europäische Länder, einen Platz zu finden. Das ist wichtig, aber schwierig", sagte Selenskyj. "Und ich sehe kein Signal vonseiten der USA, dass sie das wünschen." Auf eine Frage zu Trumps Haltung zur Ukraine antwortete er: "Ich habe das Gefühl, er hat schon von Anfang an gesagt, er bleibt in der Mitte. Das zeigt, dass er weder auf meiner noch auf Russlands Seite steht." Er hob zugleich hervor, wie wichtig der Druck vonseiten der USA auf Russland sei, und stimmte der Bewertung zu, dass Trump der einzige sei, vor dem Putin Angst habe. "Wenn die USA keinen Druck auf Russland ausüben, dann werden sie keine Angst mehr haben", sagte Selenskyj. Positiv äußerte sich Selenskyj über Deutschland. "Der größte strategische Partner in Europa ist ganz sicher Deutschland", sagte Selenskyj. Deutschland helfe seinem Land heute mehr als die USA. Der Angriffskrieg Russlands läuft unterdessen mit unveränderter Härte weiter. In der zentralukrainischen Stadt Tscherkassy ist nach Behördenangaben ein achtjähriger Junge durch einen russischen Drohnenangriff getötet worden. Weitere 14 Menschen seien verletzt worden, schrieb der Gouverneur Ihor Taburez bei Telegram. Vier Hochhäuser wurden demnach beschädigt. Zuvor waren bereits bei einem russischen Raketenangriff auf die Industriestadt Dnipro nach Behördenangaben fünf Menschen getötet und 27 verletzt worden.