Diego Maradona: Nach Justizskandal wird Prozess um seinen Tod neu gestartet

Datum14.04.2026 23:59

Quellewww.spiegel.de

TLDRSieben Mitglieder von Diego Maradonas medizinischem Team stehen in Argentinien wegen strafbarer Behandlungsfehler vor Gericht. Ihnen wird grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen, die zum Tod des Fußballidols im Jahr 2020 geführt haben soll. Die Staatsanwaltschaft beanstandet eine vermeidbare Verschlechterung seines Zustands. Ein früherer Prozess war aufgrund eines Justizskandals geplatzt. Die Verteidigung spricht von natürlichem Tod.

InhaltIn Argentinien müssen sich sieben Mitglieder von Diego Maradonas medizinischen Teams vor Gericht verantworten. Die Anklage wirft ihnen schwere Behandlungsfehler vor – ihnen drohen langjährige Haftstrafen. In Argentinien hat ein neuer Strafprozess im Kontext des Todes von Diego Maradona begonnen. Das Verfahren war im vergangenen Jahr nach einem Skandal um eine beteiligte Richterin abgebrochen worden. Vor einem Gericht in San Isidro, nördlich von Buenos Aires, müssen sich nun sieben Mitglieder des medizinischen Teams verantworten, das den ehemaligen Fußballstar vor seinem Tod betreut hatte. Die Anklage wirft ihnen grobe Fahrlässigkeit vor. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen Haftstrafen von bis zu 25 Jahren. Zum Auftakt des Verfahrens sprach Staatsanwalt Patricio Ferrari von einem "Haufen Amateure" und erhob schwere Vorwürfe gegen die Angeklagten. Maradona war am 25. November 2020 im Alter von 60 Jahren gestorben, rund zwei Wochen nach einer Hirnoperation. Laut dem Obduktionsbericht führten ein Herzinfarkt und ein Lungenödem zum Tod. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hätte der Gesundheitszustand des ehemaligen Fußballstars früher erkannt und behandelt werden können. Ferrari bezeichnete Maradonas letzte Lebenstage als "grausam" und erklärte, dass ein Transport in eine Klinik sein Leben möglicherweise gerettet hätte. Auch der Anwalt Fernando Burlando, der Maradonas Töchter vertritt, übte scharfe Kritik. Im Gerichtssaal hielt er demonstrativ ein Stethoskop hoch und erklärte, dieses sei in den entscheidenden Tagen nicht einmal eingesetzt worden. Die Verteidigung weist die Vorwürfe zurück. Die Anwälte argumentieren, Maradona sei eines natürlichen Todes gestorben – auch vor dem Hintergrund seiner langjährigen Alkohol- und Drogenprobleme. Sein Gesundheitszustand habe sich bereits vor seinem Tod kontinuierlich verschlechtert, so der Anwalt Vadim Mischanchuk. Ein erster Prozess war im Mai des vergangenen Jahres nach mehr als zwei Monaten geplatzt. Auslöser war ein Skandal um die Richterin Julieta Makintach. Diese musste sich wegen Befangenheitsvorwürfen aus dem Verfahren zurückziehen, nachdem Medien ihre Beteiligung an einem Dokumentarfilm über den Fall öffentlich gemacht hatten. Schließlich wurde sie ihres Amtes enthoben. Im neu angesetzten Verfahren sollen rund 120 Zeugen gehört werden. Zum Auftakt ist auch Maradonas frühere Partnerin Verónica Ojeda vor Gericht erschienen. Sie hat die Hoffnung auf ein gerechtes Urteil geäußert und gesagt: "Man braucht Gerechtigkeit für Diego." Der Prozess soll voraussichtlich bis Juli dauern.