Datum14.04.2026 22:17
Quellewww.spiegel.de
TLDRIsrael und der Libanon haben auf Botschafterebene erste direkte politische Gespräche geführt, die von den USA als historischer Meilenstein bezeichnet werden. Die beiden verfeindeten Nachbarländer, die seit 1948 formell im Kriegszustand sind, vereinbarten zwar die Aufnahme weiterer Verhandlungen, aber ohne konkrete Einzelheiten. Die Hisbollah kündigte kurz vorab Angriffe auf Israel an, während Israel seine Angriffe auf Hisbollah-Stellungen verstärkte. Die Gespräche fanden vor dem Hintergrund wochenlanger gegenseitiger Angriffe statt.
InhaltZum ersten Mal seit Jahrzehnten kamen israelische und libanesische Vertreter zu direkten politischen Gesprächen zusammen. Die USA sprechen von einem "historischen Meilenstein". Bei einem ersten Treffen zwischen israelischen und libanesischen Vertretern auf politischer Ebene hat es nach US-Angaben "konstruktive Gespräche über Schritte zur Aufnahme direkter Verhandlungen" gegeben. Das US-Außenministerium sprach von einem "historischen Meilenstein". Die USA sicherten demnach beiden Ländern Unterstützung für weitere Gespräche zu. Alle Seiten hätten sich darauf geeinigt, direkte Verhandlungen zu einem später zu bestimmenden Zeitpunkt und Ort aufzunehmen. Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt. Die USA äußerten die Hoffnung, dass die Verhandlungen zu einem "umfassenden Friedensabkommen" führen könnten. Israelischen und libanesischen Berichten zufolge sollte das Treffen auf der Ebene von Botschaftern den Anfang der direkten Verhandlungen markieren. Weiter hieß es in dem US-Statement, dass Israel das Recht auf Selbstverteidigung gegen anhaltende Angriffe der proiranischen Hisbollah im Libanon habe. Ein mögliches Ende der Feindseligkeiten müsse zwischen beiden Regierungen unter US-Vermittlung erreicht werden, nicht über getrennte Verhandlungskanäle, hieß es. Die Hisbollah erklärte kurz vor Beginn der Verhandlungen, sie habe 13 Städte im Norden Israels angegriffen. Die israelische Armee hatte am vergangenen Mittwoch nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen den USA und Iran ihrerseits nach eigenen Angaben die Angriffe auf Hisbollah-Stellungen verstärkt. Geführt wurden die Gespräche am Abend von der libanesischen Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, und dem israelischen Vertreter in Washington, Yechiel Leiter. Die Gespräche fanden nach Wochen gegenseitiger Angriffe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz statt. Moawad sagte dem libanesischen TV-Sender MTV nach dem Treffen, sie habe einen Waffenstillstand, die Rückkehr der Vertriebenen und die Ergreifung praktischer Schritte zur Linderung der schweren humanitären Krise, unter der das Land infolge des andauernden Konflikts weiterhin leidet, gefordert. Es waren die ersten direkten Gespräche auf politischer Ebene zwischen den eigentlich verfeindeten Nachbarländern seit Jahrzehnten. Israel und der Libanon unterhalten bisher keine formalen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand.