Aldi: Discounter kündigt höhere Tierschutzstandards für Garnelen an

Datum14.04.2026 18:14

Quellewww.spiegel.de

TLDRAldi plant, die Tierschutzstandards für Garnelen zu verbessern. Der Discounter stellt schrittweise auf elektrische Betäubung vor der Schlachtung um, die bis 2035 abgeschlossen sein soll. Zudem will Aldi die Augenstielablation, eine Zuchtmethode, bis 2030 abschaffen. Diese Maßnahmen, die voraussichtlich rund 2,14 Milliarden Tiere pro Jahr betreffen, werden von Tierschutzorganisationen als bedeutender Schritt begrüßt. Aldi ist der erste deutsche Supermarkt mit einem konkreten Zeitplan für Garnelen-Tierschutz.

InhaltDie Deutschen lieben Garnelen auf ihren Tellern. Die Zuchtbedingungen stehen aber in der Kritik. Nun reagiert Aldi und verspricht, schrittweise auf höhere Standards umzustellen. In Deutschland werden viele Garnelen gegessen – Schätzungen gehen von rund 2,5 Milliarden Tieren pro Jahr aus. Damit zählen Garnelen in Stückzahl zu den am häufigsten verzehrten Tieren. Viele der hierzulande verkauften Garnelen stammen aus industrieller Aquakultur – häufig aus dem Ausland, etwa aus Asien oder Lateinamerika. Tierwohl bei Garnelen ist bislang kein besonders beachtetes Thema. Tierschützer kritisieren die gängige Praxis, Garnelen vor der Schlachtung in Eiswasser zu bringen: Das führe nicht immer zuverlässig zur Betäubung – Tiere könnten bei Bewusstsein ersticken. Die elektrische Betäubung gelte laut aktuellem Forschungsstand als die tierschutzgerechteste Schlachtmethode, teilte das International Council for Animal Welfare (ICAW) mit. Nun hat der Discounter Aldi höhere Standards in der Garnelenproduktion angekündigt. Nach Angaben von Aldi Nord beteiligt sich das Unternehmen gemeinsam mit Aldi Süd und weiteren Partnern an einer Studie zur elektrischen Betäubung der Tiere. Das Projekt soll 2028 abgeschlossen sein. "Ab diesem Zeitpunkt wird Aldi bei seinen Warmwassergarnelen der Eigenmarke mit der Umstellung auf die elektrische Betäubung oder andere durch die Studie bestätigte Maßnahmen beginnen, mit dem Ziel, diese bis 2035 abzuschließen", teilte Aldi Nord mit. Das Unternehmen verpflichte sich, ab 2028 jährlich transparent über den Stand der Umsetzung von Betäubungsmethoden vor der Schlachtung zu berichten. Auch die sogenannte Augenstielablation prangern Tierrechtler an. Dabei wird Muttertieren in der Zucht ein Auge abgeschnitten, um die Eiproduktion zu steigern. Hier will Aldi in seiner Lieferkette Verbesserungen erreichen. Um das Tierwohl zu fördern, habe sich Aldi Nord zu einer Abschaffung der Augenstielablation bei Weißfußgarnelen bis 2029 und Riesengarnelen bis spätestens 2030 verpflichtet, teilte das Unternehmen mit. Die Augenstielablation betreffe ausschließlich die Zuchtpopulation und nicht die Tiere, die direkt bei Aldi verkauft werden. Für Bio-Shrimps gelte das Ablationsverbot bereits. "Wir stehen hier vor dem vermutlich größten Tierschutz-Versprechen, das jemals gemacht wurde", sagte Jonas Becker vom International Council for Animal Welfare. So betreffe die Ankündigung von Aldi Nord und Süd geschätzt etwa 2,14 Milliarden Tiere pro Jahr. Die Tierschutzorganisation hatte in einer Kampagne auf Missstände in der Garnelenproduktion aufmerksam gemacht. Nach Darstellung von ICAW ist Aldi der erste deutsche Supermarkt, der einen konkreten Zeitplan für den Garnelen-Tierschutz veröffentlicht. Nun stelle sich die Frage, wie sich andere deutsche Einzelhändler positionieren, so die Organisation. Im Vereinigten Königreich haben sich laut ICAW mittlerweile alle großen Supermärkte mit konkretem Zeitplan zur Umstellung auf elektrische Betäubung verpflichtet. Auch in Frankreich und den Niederlanden hätten erste Händler nachgezogen.