Datum14.04.2026 15:34
Quellewww.spiegel.de
TLDREine Studie der Universität Tel Aviv zeigt, dass antisemitische Vorfälle weltweit 2025 einen Höchststand erreichten, mit einer Zunahme schwerer Gewalttaten und tödlicher Anschläge. Die Zahl der Todesopfer antisemitischer Angriffe ist die höchste seit 30 Jahren. Deutschland verzeichnete einen Rückgang, blieb aber über dem Niveau von 2022. Täter sind oft Einzeltäter aus rechtsextremen oder radikal-islamischen Lagern. Die Studie kritisiert die israelische Regierung für ineffektive Bekämpfung und Verwässerung des Begriffs "Antisemitismus".
InhaltDie Zahl judenfeindlicher Anschläge ist 2025 dramatisch gestiegen. Das ergibt eine Studie der Universität Tel Aviv. Die Autoren warnen vor den Folgen. Und sie kritisieren die israelische Regierung. In Manchester wurden an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, zwei Menschen vor einer Synagoge getötet. In den USA gab es gleich mehrere tödliche Angriffe. Und beim Terroranschlag auf eine Chanukka-Feier am Bondi Beach in Australien starben im Dezember 15 Menschen. Es waren nicht die einzigen Fälle von mitunter tödlichem Judenhass. Die Zahl schwerer antisemitischer Straftaten ist laut einem Bericht im vergangenen Jahr weltweit auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten gestiegen. Laut dem aktuellen Jahresbericht der Tel Aviver Universität wurden im vergangenen Jahr 20 Juden bei vier Anschlägen auf drei Kontinenten getötet. Dies sei die höchste Zahl von Todesopfern antisemitischer Angriffe seit mehr als 30 Jahren. Gleichzeitig hätten in vielen Ländern die Zahl von Übergriffen wie Schlägen oder Steinwürfen zugenommen. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Insgesamt zeichnet der Bericht ein komplexes Bild: Während einige Staaten leichte Rückgänge bei der Gesamtzahl antisemitischer Vorfälle verzeichneten, blieb das Niveau überall deutlich höher als vor 2022 – also vor Beginn der aktuellen Eskalation im Nahen Osten. Diese hatte ihren Ausgang im Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 genommen. Darauf folgten der verheerende Gazakrieg und kriegerische Auseinandersetzungen Israels sowie der USA mit Iran und seinen Verbündeten in der Region. Nach dem massiven Anstieg antisemitischer Vorfälle unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023 war laut den Angaben zunächst eine leichte Entspannung zu beobachten. Diese Entwicklung setzte sich jedoch 2025 nicht fort. Stattdessen nahm insbesondere die schwere Gewalt wieder zu. "Die Daten lassen befürchten, dass ein hohes Maß an antisemitischen Vorfällen zur Normalität wird", warnte der Herausgeber des Berichts, Urija Schavit. Ein Grund für die Eskalation könne sein, dass kleinere Delikte zu oft nicht konsequent verfolgt würden – mit der Folge, dass schwerere Verbrechen zunähmen. Besonders alarmierend sei die Entwicklung in Australien und Kanada, wo neue Höchststände registriert worden seien, hieß es weiter. In Deutschland wurden laut dem Bericht 2025 insgesamt 5729 antisemitische Vorfälle registriert – ein Rückgang im Vergleich zu 6560 Fällen im Jahr zuvor. Allerdings lag die Zahl damit weiterhin deutlich über dem Niveau von 2022, als 2811 Vorfälle gezählt wurden. Eine im Bericht enthaltene Studie zeigt, dass viele Täter als Einzeltäter handeln und keiner festen Organisation angehören. Sie stammten häufig aus zwei gegensätzlichen ideologischen Lagern: rechtsextreme Anhänger einer "weißen Vorherrschaft" sowie radikale Muslime. Auffällig sei zudem ein hoher Anteil sozial marginalisierter Täter. Die Autoren des Berichts üben auch deutliche Kritik an der israelischen Regierung. Diese habe keinen wirksamen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus geleistet und durch eine politische Ausweitung des Begriffs "Antisemitismus" dessen Bedeutung verwässert. Dies schade letztlich dem internationalen Kampf gegen Judenhass.