Datum14.04.2026 13:03
Quellewww.zeit.de
TLDRDeutschland und die Ukraine haben eine "strategische Partnerschaft" vereinbart. Dies verkündeten Kanzler Merz und Präsident Selenskyj nach Regierungskonsultationen in Berlin. Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind Verteidigung, Wiederaufbau, Digitalisierung und kulturelle Verbindungen. Deutschland unterstützt die EU-Mitgliedschaft der Ukraine und will beim Wiederaufbau helfen. Ein bilaterales Abkommen zur digitalen Gefechtsdatenkooperation wurde unterzeichnet, ebenso wie eine Vereinbarung zum industriellen Wiederaufbau. Es waren die ersten deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen seit über 20 Jahren.
InhaltBei Verteidigung, Wiederaufbau und Kultur wollen Deutschland und die Ukraine enger zusammenarbeiten. Kanzler und Präsident trafen sich zu Gesprächen in Berlin. Die Ukraine und Deutschland wollen ihre bilaterale Zusammenarbeit auf die Ebene einer strategischen Partnerschaft heben. Das kündigten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Regierungskonsultationen im Kanzleramt an. "Wir wollen, und zwar noch mehr als in der Vergangenheit, voneinander lernen und in unsere gemeinsame Zukunft investieren", sagte Merz bei einer Pressekonferenz. "Wir wünschen uns eine souveräne und demokratische Ukraine als einen kraftvollen Partner in einem freien, sicheren und wohlhabenden Europas", sagte Merz. Für die gemeinsame Zusammenarbeit werde ein Schwerpunkt auf die Verteidigung gelegt: "Wir sind Partner für ein sicheres Europa." Dafür sei unter anderem eine Vereinbarung über einen Austausch von digitalen Gefechtsdaten zur Entwicklung neuer Waffensysteme unterschrieben worden. Europa könne von der kampferprobten Armee der Ukraine lernen. Dafür wolle Deutschland auch weiter das Ziel verfolgen, dass die Ukraine der EU beitreten könne. Das nannte Merz einen "strategisch wichtigen Schritt für mehr Sicherheit und für mehr Wohlstand in Europa". Deshalb ermutige Deutschland die Ukraine zu weiteren Reformen, etwa in der Bekämpfung der Korruption. Zudem wollen Deutschland und die Ukraine Merz zufolge in der wirtschaftlichen Entwicklung kooperieren. "Wir werden sehr eng bei Digitalisierung zusammenarbeiten und auch die Modernisierung staatlicher Dienstleistungen dabei in den Blick nehmen", sagte er. Er werde eine Arbeitsgruppe zu Wirtschaft und Handel eingerichtet. Auch beim Wiederaufbau solle enger zusammengearbeitet werden. Dafür sei unter anderem eine "Vereinbarung zum industriellen Wiederaufbau" unterschrieben worden. Auch im Bereich der Landwirtschaft, der Wasserstoffinfrastruktur und kritischer Rohstoffe solle enger zusammengearbeitet werden. Im Rahmen der europäischen Unterstützung der Ukraine will Merz zudem "auch schnell das im Dezember vereinbarte EU-Darlehen für die Ukraine auf den Weg bringen". Dies werde nach dem Regierungswechsel in Ungarn möglich. Schließlich solle auch im Bereich der gesellschaftlichen Verbindungen enger kooperiert werden. Dafür sei unter anderem ein deutsch-ukrainisches Kulturjahr 2027/2028 vereinbart worden. Merz zufolge wollen Deutschland und die Ukraine auch enger zusammenarbeiten, "um ukrainischen Staatsbürgern, die bei uns Zuflucht gefunden haben, die Rückkehr in ihre Heimat zu erleichtern. Wir haben erneut deutlich gemacht, dass wir die Bemühungen der Ukraine, die Ausreisen ukrainischer Männer im wehrfähigen Alter zu reduzieren, unterstützen", sagte Merz Im Rahmen der Pressekonferenz wurden zwei Vereinbarungen unterschrieben. Zunächst unterzeichneten die beiden Verteidigungsminister, Mychajlo Fedorow und Boris Pistorius (SPD) ein Abkommen zur Kooperation im Verteidigungsbereich. Danach unterschrieben die beiden Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit ein Abkommen über den Wiederaufbau der Ukraine. Der Besuch Selenskyjs und mehrerer seiner Minister in Berlin war aus Sicherheitsgründen zuvor nicht angekündigt worden. Es sind die ersten deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen seit über 20 Jahren. Selenskyj wurde mit militärischen Ehren in der Hauptstadt begrüßt und kam dann mit dem Bundeskanzler zu Gesprächen im Kanzleramt zusammen. Zuletzt hatte sich auch die europäische Unterstützung der Ukraine als immer schwieriger erwiesen. Wegen eines Vetos des bisherigen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán waren die Milliardenhilfen der EU für die Ukraine blockiert. Die Bundesregierung hofft nach der Wahl in Ungarn und dem Ende der Ära Orbán auf eine schnelle Freigabe unter Péter Magyar. Alle aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg lesen Sie in unserem Liveblog.