Datum14.04.2026 06:58
Quellewww.spiegel.de
TLDRNachdem die Oster-Waffenruhe endete, setzte Russland seine Angriffe fort. Die Ukraine attackierte mit Drohnen eine russische Chemiefabrik in Tscherepowez, die für die Sprengstoffproduktion wichtig ist. Gleichzeitig räumte die Ukraine auf Druck russischer Angriffe ein grenznahes Dorf im Gebiet Sumy. Präsident Selenskyj betonte die Eigenproduktion ukrainischer Langstreckenwaffen und den erfolgreichen Einsatz unbemannter Systeme.
InhaltNach dem Ende der Osterwaffenruhe hat Russland seine Angriffe auf die Ukraine wieder aufgenommen. Die Ukraine räumte ein Grenzdorf unter russischem Druck und attackierte zugleich eine Chemiefabrik des Gegners mit Drohnen. Mit dem Ende der Waffenruhe über das orthodoxe Osterfest gehen die Kämpfe im Ukrainekrieg weiter. Die ukrainische Armee hat mit Langstreckendrohnen eine Chemiefabrik im Norden Russlands beschossen. Ziel sei ein Ammoniakwerk in Tscherepowez etwa 400 Kilometer nördlich von Moskau gewesen, schrieb der Kommandeur der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, auf Telegram. Die Fabrik stelle jährlich mehrere Hunderttausend Tonnen Ammoniak, Salpeter und Salpetersäure her, die zur Produktion von Sprengstoff verwendet werden. Auf russischer Seite bestätigte Bürgermeister Andrej Nakroschajew, dass es einen Angriff auf einen Industriebetrieb gegeben habe. Für die Stadt selbst habe keine Gefahr bestanden, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Tscherepowez liegt etwa 900 Kilometer von der Ukraine entfernt. Über das orthodoxe Osterfest von Samstagnachmittag bis Sonntagabend hatten sich Russland wie die Ukraine weitgehend an eine Waffenruhe gehalten. Große Luftangriffe blieben aus, Verstöße wurden von beiden Seiten hauptsächlich entlang der Front gemeldet. Die russische Armee begann Angaben aus Kyjiw zufolge mit Ablauf der Waffenruhe um Mitternacht wieder Angriffe mit Langstreckendrohnen bis tief in die Ukraine hinein. Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte dauerten die Attacken den ganzen Tag über an. Am Montag beging die Ukraine den Tag ihrer Rüstungsindustrie. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, dass sein Land die Langstreckenwaffen für Treffer im russischen Rückraum selbst geschaffen habe. Ebenso habe die Ukraine ihre Drohnenabwehr, den Einsatz ferngesteuerter Kampfroboter und Seedrohnen ausgebaut. Kyjiw biete diese Waffen und die Erfahrung im Umgang damit auch seinen Partnern an. "Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Krieges wurde eine feindliche Stellung ausschließlich mit unbemannten Systemen – Robotern und Drohnen – erobert", nannte Selenskyj ein Beispiel. "Die Besatzer ergaben sich, und diese Operation wurde ohne Beteiligung der Infanterie und ohne Verluste auf unserer Seite durchgeführt." Nähere Details nannte der Präsident nicht. Zugleich hat die ukrainische Armee eigenen Angaben zufolge ein grenznahes Dorf im Gebiet Sumy unter dem Druck russischer Angriffe geräumt. Dabei handele es sich um den Weiler Myropilske, teilte das 14. Armeekorps auf Facebook mit. Um eigene Verluste zu vermeiden, hätten sich die Verteidiger auf vorbereitete Stellungen zurückgezogen. Die russische Armee hat an mehreren Stellen die Grenze zum nordukrainischen Gebiet Sumy überschritten. Den größten Streifen halten die Russen bei Junakiwka besetzt, von wo aus ukrainische Truppen 2024 in das westrussische Gebiet Kursk vorgedrungen waren. Die Kämpfe um Myropilske bedeuten einen weiteren russischen Einbruch, auch wenn die eroberte Fläche bislang klein ist. Russland führt seit mehr als vier Jahren einen groß angelegten Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine. Am Boden sind die russischen Truppen seit Herbst 2023 ununterbrochen vorgerückt, auch wenn die Geländegewinne klein blieben und mit hohen Verlusten erkauft wurden. Die Ukraine wehrt sich vorrangig mit dem immer intensiveren Einsatz kleiner Gefechtsfelddrohnen.