Datum14.04.2026 05:31
Quellewww.spiegel.de
TLDRCDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche steht nach öffentlicher Kritik durch Kanzler Merz gestärkt da, da Parteikollegen sie unterstützen und ihr einen klaren Stil bescheinigen, der an Karl-Theodor zu Guttenberg erinnert. Bei der AfD trat Oberst a.D. Rüdiger Lucassen von seinem Posten im Verteidigungsausschuss zurück, um interne Personaldebatten zu vermeiden. Bundespräsident Steinmeier besucht unterdessen die DLRG in Stralsund im Rahmen seiner Initiative "Ortszeit Deutschland".
InhaltDie Wirtschaftsministerin ist nach dem Kanzler-Rüffel stärker als vorher, in der AfD tritt ein Oberst a.D. zurück, und der Bundespräsident schaut bei den Rettungsschwimmern vorbei. Das ist die Lage am Dienstagmorgen. Heute geht es um den Kanzler und seine Wirtschaftsministerin, Personalquerelen bei der AfD und die Frage, was von Bundespräsident Steinmeier bleiben wird. Wenn der Bundestag zur Sitzungswoche zusammenkommt, hat der Dienstagnachmittag immer einen besonderen Reiz. Dann treffen sich die Fraktionen zu ihren Sitzungen, und auf der sogenannten Fraktionsebene des Reichstagsgebäudes, wo sie ihre Sitzungssäle haben, entfaltet sich das Gewusel und Gewese des politischen Betriebs. Manchmal geht es hinter den verschlossenen Türen auch heftiger zur Sache. Bei der Union ist das seltener der Fall, ihre Abgeordneten sind eher für Disziplin bekannt. Aber heute könnten sie Diskussionsbedarf haben. Das liegt weniger an den gestern bekannt gewordenen Beschlüssen der Koalition (mehr dazu lesen Sie hier ) – gegen den Tankrabatt etwa dürften die wenigsten etwas einzuwenden haben. Umso mehr bewegt gerade eine Frau aus dem Kabinett von Friedrich Merz die Union: CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Kanzler Friedrich Merz hatte seine Ministerin vergangene Woche erst intern und dann, als das nichts nutzte, auch öffentlich zur Ordnung gerufen: Er sei "befremdet über den öffentlichen Schlagabtausch" zwischen ihr und SPD-Finanzminister Lars Klingbeil, hieß es aus seinem Umfeld (mehr dazu hier ). Doch Reiche wirkt seither nicht etwa geschwächt, im Gegenteil. Prominente Parteifreunde sprangen ihr bei und stellten sich damit gegen den Kanzler. Das könnte daran liegen, dass Reiche jene klare Kante liefert, die Merz seiner Partei zwar versprochen hat, bislang aber schuldig geblieben ist. Reiche ist eine selbstbewusste Frau, die es nicht nötig hat, sich von Männern erklären zu lassen, wie Politik funktioniert. Doch es gibt starke Parallelen zwischen ihrem Stil und der Art, wie ihr heutiger Lebensgefährte Karl-Theodor zu Guttenberg einst Politik machte. Etwa, als er sich 2009, damals junger Wirtschaftsminister, in der Diskussion über eine Rettung des Autobauers Opel gegen die Kabinettslinie stellte und für eine Insolvenz plädierte. Seinem Stil blieb er auch danach treu, zumindest eine Zeit lang ging das gut. Vielleicht liefert die heutige Sitzung der Fraktion (der Reiche nicht angehört) ja weitere Hinweise darauf, ob die Methode für Katherina Reiche ebenfalls aufgeht. Im CDU-Vorstand soll Merz jedenfalls gestern schon wieder versöhnlich geklungen und sich hinter seine Ministerin gestellt haben: Reiche habe die Unterstützung "von uns allen", sagte er demnach. Offenbar hat auch er registriert, wie viel Zuspruch sie bekommen hat. Auch die Abgeordneten der rechtsextremen AfD kommen heute zur Fraktionssitzung zusammen. Bereits zuvor trifft sich der Arbeitskreis Verteidigung, also der Kreis von AfD-Parlamentariern, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Dort wird es heute um eine heikle Personalie gehen. Einige Abgeordnete wollten den bisherigen Leiter des Kreises abwählen, den ehemaligen Berufssoldaten Rüdiger Lucassen. Doch Lucassen ist ihnen gestern zuvorgekommen, er trat als Leiter des Arbeitskreises und verteidigungspolitischer Sprecher zurück. Das Schreiben an die Fraktionschefs Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie den übrigen Fraktionsvorstand liegt dem SPIEGEL vor. Darin schreibt Lucassen, er wolle "die großen Siegchancen der AfD in den kommenden Landtagswahlen nicht durch Personaldebatten" schmälern. Der Vorgang ist bemerkenswert, schließlich konnte man Lucassen kaum die fachliche Qualifikation für seinen bisherigen Job absprechen. Er diente 34 Jahre als Berufssoldat, war Hubschrauberpilot, Kommandeur, Referent bei der Nato und brachte es bis zum Oberst. Warum also wollten die eigenen Leute ihn loswerden? "Dazu gibt es zwei Versionen", schreibt mir mein Kollege Fabian Hillebrand, der sich mit der AfD im Allgemeinen und dem Knatsch um Lucassen im Besonderen beschäftigt hat. Lucassen glaubte, dass er wegen seiner inhaltlichen Positionen angegriffen werde, hat Fabian aus dem Umfeld des Verteidigungspolitikers gehört. Er sei offen gegenüber Wehrpflicht und Nato, kritisch gegenüber Russland (mehr zu den Hintergründen des AfD-Streits über die Wehrpflicht lesen Sie hier ). Die anderen sagten, dass Lucassen den Arbeitskreis zu militärisch geführt habe, straff und im Kommandoton. Der hessische AfD-Abgeordnete Jan Nolte wird den Arbeitskreis Verteidigung nun zunächst interimsmäßig führen. Offiziell über die Neubesetzung entscheiden muss dann die AfD-Fraktion als Ganzes. Auch Nolte war Soldat, hat es allerdings nicht bis zum Oberst gebracht, sondern lediglich bis zum Oberbootsmann. Das ist bei der Marine das, was der Oberfeldwebel bei Heer und Luftwaffe ist. Ein höherer Unteroffizier. Noch am Sonntag hat Israels Premier Benjamin Netanyahu seine Truppen im Südlibanon besucht, nach wochenlangen Kämpfen israelischer Streitkräfte mit der Hisbollah-Miliz. Heute nun wollen die libanesische Regierung und Israel erstmals seit Jahrzehnten direkte Gespräche auf politischer Ebene führen. Aufnehmen sollen sie die libanesische Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, und Israels Botschafter in Washington, Jechiel Leiter. Das Problem: Die von Iran unterstützte Hisbollah-Miliz, gegen die Israel kämpft, lehnt die Verhandlungen ab. Gestern forderte sie, das Treffen abzusagen. Und die libanesische Regierung bekommt die Miliz nicht unter Kontrolle. Die Frage ist also, wozu die Gespräche überhaupt führen können. Gestern ging der Krieg im Südlibanon weiter. Daran änderte auch ein Telefonat zwischen Friedrich Merz und Netanyahu nichts. Der Kanzler habe den Premier aufgerufen, "die Kampfhandlungen im Süden des Libanon zu beenden", teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius mit. Zumindest hat Merz es mal versucht. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. …ist die DLRG-Ortsgruppe Stralsund. Ihr Übungstag wird heute von einem besonderen Gast besucht. Das Staatsoberhaupt selbst gibt sich die Ehre. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier führt seine Amtsgeschäfte drei Tage lang von Stralsund aus, neben der DLRG-Ortsgruppe besucht er unter anderem die Spielkartenfabrik. Die Reihe heißt "Ortszeit Deutschland" und hat Steinmeier schon in diverse andere Ecken der Republik geführt. Im nächsten Jahr, wenn seine zweite Amtszeit endet, wird sich die Frage stellen, was von diesem Bundespräsidenten eigentlich bleibt. Nach zehn Jahren. Gar nicht so einfach. Aber die DLRG-Ortsgruppe wird heute bestimmt die Gelegenheit für ein paar Selfies bekommen. Wochenlange Vorbereitung, aber kurz vor dem Wettkampf kommt die Nervosität. Eine Mentaltrainerin sagt, wie Sie Schwächen in Stärken umdeuten und welche Sofortmaßnahmen Sportler durch den Marathon bringen. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihr Christoph Hickmann, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros