Senegal: Erstes Urteil nach verschärftem Anti-Homosexuellen-Gesetz gefällt

Datum13.04.2026 20:07

Quellewww.spiegel.de

TLDRIm Senegal wurde erstmals ein 24-Jähriger nach einem verschärften Anti-Homosexuellen-Gesetz zu sechs Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. Das Gesetz, das im März in Kraft trat, erhöht die Strafen für gleichgeschlechtliche Beziehungen auf fünf bis zehn Jahre Gefängnis. Neben individuellen Handlungen werden nun auch "Förderung" und Finanzierung von LGBTQ+-Aktivitäten bestraft. Menschenrechtsaktivisten beklagen ein Klima der Angst. Der Senegal reiht sich damit in die über 60 Länder weltweit ein, die gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisieren.

InhaltIm Senegal drohen seit März deutlich längere Gefängnisstrafen für gleichgeschlechtliche Beziehungen. Ein 24-Jähriger ist nun das erste Opfer der Gesetzesänderung geworden. Ein Gericht im Senegal hat einen 24-jährigen Mann wegen seiner sexuellen Orientierung zu sechs Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. Es ist das erste Urteil unter einem im März stark verschärften Gesetz gegen homosexuelle Beziehungen. Der Verurteilte muss zusätzlich zu der Haftstrafe umgerechnet rund 3000 Euro zahlen. Ihm wurden "widernatürliche Handlungen und öffentliche Unzucht" vorgeworfen. Die Nationalversammlung hatte vergangenen Monat mit 135 Jastimmen und drei Enthaltungen einen Gesetzentwurf der Regierung verabschiedet, der deutlich längere Haftstrafen und höhere Geldstrafen für "widernatürliche Handlungen" vorsieht. Für gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen drohen fünf bis zehn Jahre Gefängnis statt zuvor ein bis fünf Jahre. Auch die "Förderung" oder Finanzierung solcher Handlungen etwa durch Organisationen oder Medien kann in dem westafrikanischen Küstenstaat bestraft werden. Die Human Rights Watch-Forscherin Larissa Kojoué sagte am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press, das Gesetz habe ein Klima der "ständigen Angst" geschaffen. Verhaftungen seien aggressiver geworden, "weil es nun Unterstützung vom Staatsapparat gibt". Weltweit kriminalisieren rund 65 Länder gleichgeschlechtliche Beziehungen, mehr als die Hälfte davon liegt in Afrika. In vielen afrikanischen Staaten wird die Anerkennung der Rechte schwuler, bisexueller und anderer queerer Menschen (LGBTQ+) als schädlicher Import aus dem Westen dargestellt. Die entsprechenden Strafgesetze gehen jedoch häufig auf die Kolonialzeit zurück.