Zahlungen an Islamisten in Syrien – Zementhersteller Lafarge zu Millionenstrafe verurteilt

Datum13.04.2026 16:51

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Zementhersteller Lafarge wurde wegen Terrorfinanzierung in Syrien zu einer Geldstrafe von über einer Million Euro verurteilt. Das Unternehmen zahlte Schutzgelder an den IS und andere Milizen, um den Betrieb einer Zementfabrik während des Bürgerkriegs aufrechtzuerhalten. Gerichte befanden, dass diese Zahlungen auch die Planung von Anschlägen in Europa ermöglichten. Der Ex-Chef erhielt sechs Jahre Haft. Lafarge, nun Teil von Holcim, musste sich trotz Verteidigungsargumenten der Erpressung vor Gericht verantworten.

InhaltTrotz des Bürgerkriegs in Syrien machte der französische Zementhersteller Lafarge weiter Geschäfte dort. Ein Gericht in Paris hat nun entschieden: Der Konzern hat sich damit der Terrorfinanzierung schuldig gemacht. 130 Menschen starben, als 2015 Terroristen an mehreren Orten in Paris das Feuer eröffneten. Anschläge wie dieser waren auch deshalb möglich, weil Unternehmen wie der französische Zementhersteller Lafarge in Syrien Geschäfte machten. Zu diesem Schluss ist nun ein Gericht in Paris gekommen. Es verurteilte den Ex-Chef des Konzerns wegen Zahlung von Schutzgeldern an dschihadistische Milizen zu sechs Jahren Haft. Für das Unternehmen verhängten die Richter die höchstmögliche Strafzahlung von 1,125 Millionen Euro. Sieben weitere Angeklagte, unter ihnen zwei syrische Mittelsmänner, wurden ebenfalls zu Haftstrafen zwischen 18 Monaten und sieben Jahren verurteilt. Lafarge habe der Miliz Islamischer Staat (IS) und zwei anderen Gruppen insgesamt 5,6 Millionen Euro gezahlt, um 2013 und 2014 inmitten des Bürgerkriegs eine Zementfabrik in Syrien weiterlaufen zu lassen, erklärten die Richter. "Dies ermöglichte dem IS auch die Organisation von Anschlägen in Europa", erklärte die Vorsitzende Richterin Isabelle Prévost-Desprez mit Blick auf die Anschläge vom November 2015 in Paris. Mehrere Angehörige der Opfer dieser Anschläge waren als Nebenkläger in dem Prozess aufgetreten. Lafarge, das inzwischen von dem Schweizer Konzern Holcim übernommen wurde, sei eine "echte Geschäftspartnerschaft" mit dem IS eingegangen, betonte die Richterin. Die Verteidigung hatte versucht, die Richter davon zu überzeugen, dass das Unternehmen von den Milizen erpresst worden sei. "Was wäre aus den Beschäftigten des Werks geworden, wenn wir gegangen wären?", hatte der frühere Vizechef von Lafarge, Christian Herrault, während des Verfahrens betont. Die Strategie ging nicht auf: Die Staatsanwaltschaft verwies auf interne Kommunikation, die auf ausgehandelte Vereinbarungen hindeutete. Der frühere Chef des syrischen Tochterunternehmens, Bruno Pescheux, machte geltend, dass das Unternehmen mit einem schnellen Ende des Konflikts gerechnet habe. "Alle haben uns gesagt, es würde schnell vorbei sein", erklärte er. Die Staatsanwaltschaft erkannte an, dass die Angeklagten nicht die dschihadistische Ideologie unterstützten. Sie prangerte aber fehlende Eingeständnisse und Reue an. Lafarge hatte 2012 seine internationalen Mitarbeiter aus Syrien abgezogen. Das Zementwerk, in das Lafarge 680 Millionen Euro investiert hatte, blieb jedoch mithilfe der syrischen Mitarbeiter in Betrieb. 2014 übernahm der IS die Kontrolle über das Werk. Auch in den USA gab es bereits ein Verfahren gegen Lafarge beziehungsweise Holcim. Mehr dazu lesen Sie hier.