VW verkauft weniger Autos, ist in China dennoch wieder Marktführer

Datum13.04.2026 13:54

Quellewww.spiegel.de

TLDRVolkswagen verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen weltweiten Absatzrückgang, belastet durch China und die USA. Überraschenderweise wurde VW in China trotz sinkender Gesamtzahlen wieder Marktführer, begünstigt durch Änderungen in der E-Auto-Förderung und ein starkes Verbrennergeschäft. Der Konzern erwartet jedoch keine dauerhafte Trendwende. Weltweit blieben die Verkaufszahlen stabil, der Gesamtmarkt schrumpfte jedoch. Europa zeigte sich als positiver Markt für VW. E-Auto-Verkäufe gingen weltweit und insbesondere in China und den USA deutlich zurück.

InhaltEine spezielle Bilanz hat Volkswagen für das erste Quartal 2026 vorgelegt. Es finden sich darin Indizien, die Alarmstimmung auslösen – und ebenso viele, die auf eine Trendwende zum Guten hindeuten. Volkswagen hat in den ersten Monaten des Jahres erneut weniger Autos verkauft. Weltweit seien von Anfang Januar bis Ende März nur noch 2,05 Millionen Fahrzeuge aller Konzernmarken abgesetzt worden, 4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie die Wolfsburger mitteilten. Dabei belasten vor allem schwache Verkaufszahlen in China und den USA die Entwicklung, sie drückten die Gesamtabsatzzahlen deutlich nach unten: Dennoch gab es in China einen Überraschungserfolg: In den ersten drei Monaten stieg die Marke VW inklusive Jetta dort wieder zum Marktführer auf. Das lag vor allem an Änderungen der E-Auto-Förderung, unter denen einheimische Elektro-Marken litten. VW dagegen konnte dank seines starken Verbrenner-Geschäfts seinen Marktanteil wieder etwas ausbauen. Die Wolfsburger gehen aber nicht davon aus, dass das bis Jahresende so bleiben wird. Im vergangenen Jahr hatte VW in China bei den Neuzulassungen nur noch auf Platz drei gelegen, hinter dem E-Auto-Bauer BYD und der Volvo-Mutter Geely. Zuvor war VW jahrzehntelang Marktführer in dem Land gewesen. Der Konzern hatte zuletzt betont, Platz drei auf jeden Fall verteidigen zu wollen. Weltweit habe man den Marktanteil jedoch weitgehend stabil gehalten, hieß es von VW weiter. Allerdings bei einem deutlich geschrumpften Gesamtmarkt: "Der weltweite Automobilmarkt ging bis Ende März insgesamt zurück", sagte Audi-Vertriebsvorstand Marco Schubert, der das Ressort auch im Gesamtkonzern betreut. Der Krieg im Nahen Osten habe bisher noch keine größeren Auswirkungen auf die Gesamtauslieferungen. In Deutschland und auch in ganz Europa legte Europas größter Autobauer dagegen zu. In Westeuropa wurden fast 850.000 Autos ausgeliefert, 4,2 Prozent mehr als vor einem Jahr, in Osteuropa waren es 135.000, ein Plus von 7,6 Prozent. In Deutschland lag das Plus bei 4,8 Prozent. Bereits in den vergangenen beiden Jahren waren die globalen Verkaufszahlen des VW-Konzerns gesunken. 2025 rutschte der Absatz mit 8,98 Millionen Auslieferungen unter die Marke von neun Millionen Fahrzeugen. Der Rückstand zum Marktführer Toyota, der auf 11,3 Millionen zulegte, war damit weiter gewachsen. Die Japaner hatten Volkswagen 2020 als weltgrößten Hersteller abgelöst. Einen deutlichen Rückgang gab es auch bei den zuletzt stetig gewachsenen E-Auto-Verkäufen: Um 7,7 Prozent ging die Zahl der weltweiten Auslieferungen zurück, auf noch 200.000 Fahrzeuge. Der Rückgang war damit sogar noch deutlich größer als bei den Verbrennern. In China schrumpfte der dort ohnehin schwache E-Auto-Absatz um fast 64 Prozent. Grund waren die veränderten Förderbestimmungen dort. In den USA, wo Präsident Trump die E-Auto-Förderung sogar komplett gestrichen hat, ging es sogar um 80 Prozent nach unten. VW zog inzwischen Konsequenzen: Am Freitag kündigte der Konzern an, die Produktion des E-Autos ID.4 in den USA einzustellen. Stattdessen sollen dort mehr Verbrenner-SUVs vom Typ Atlas gebaut werden. In Europa legten die E-Auto-Auslieferungen des Konzerns dagegen weiter zu, um 11,5 Prozent auf 176.400 Fahrzeuge. Gut entwickelte sich hier auch der Auftragseingang: Über alle Antriebsarten sei der in Europa um 3 Prozent gestiegen, bei den reinen E-Autos sogar um 4 Prozent. Und auch die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden ziehe wieder an. Im ersten Quartal habe der Konzern weltweit 31 Prozent mehr Plug-in-Hybride ausgeliefert als im Vorjahreszeitraum. Ähnliche Entwicklungen zeigten sich auch bei Audi: Weltweit sanken die Auslieferungen der VW-Tochter um 6,1 Prozent auf 360.106, wie sie mitteilte. Der Verkauf von Elektroautos gab sogar um 9,4 Prozent auf 43.029 nach. Audi verwies ebenfalls auf einen allgemein rückläufigen weltweiten Automarkt. Man habe darin seinen Marktanteil stabil halten können. In Deutschland und Europa legte die Marke sogar zu: Im Heimatmarkt ging es um 3,8 Prozent auf 50.308 Autos nach oben, in Europa ohne Deutschland um 5,9 Prozent auf 123.724. Besonders drastisch brachen die Auslieferungen in Nordamerika ein, die bei Audi ohne Mexiko gerechnet werden. Dort ging es um 27 Prozent auf 35.464 Fahrzeuge nach unten. Der Verkauf von reinen Elektroautos sackte gar um 85 Prozent auf 959 ab – dabei gibt Audi die Kosten der Zölle nach wie vor nicht in größerem Maße an die Kunden weiter. In China betrug das Minus im ersten Quartal 12 Prozent auf 127.109 Autos. Immerhin: Die Zahl der ausgelieferten Elektroautos legte in China um 27,8 Prozent zu – allerdings mit 4094 Fahrzeugen auf niedrigem Niveau. Trotz schwacher Zahlen: Am Elektroauto führt in Zukunft kein Weg vorbei. Auch wenn in zehn Jahren noch Benziner verkauft werden – es wird sie kaum jemand mehr fahren wollen. Hier lesen Sie die ganze Analyse.