Presseschau zur Wahl in Ungarn: Kommentatoren sehen Russland als "größten Verlierer der Wahl"

Datum13.04.2026 10:59

Quellewww.zeit.de

TLDRDer klare Sieg Péter Magyars in Ungarn wird international als wichtiger Schritt gegen EU-feindliche Kräfte gewertet. Russland und die USA gelten als Verlierer: Moskau verliert mit Orbán seinen EU-Verbündeten, während Donald Trumps Unterstützung für Orbán sich als "toxisch" erweist. Magyars proeuropäischer Kurs wird als Kurswechsel gesehen, der auch US-Interessen dienen könnte. Seine Wahl bedeutet für Rechtspopulisten in Europa eine schwierigere Machtausübung.

InhaltInternationale Medien nennen auch Russland und die USA als Verlierer der Wahl in Ungarn. Putin habe seinen stärksten Verbündeten in der EU verloren. Die Presseschau Der klare Wahlsieg des ungarischen Oppositionsführers Péter Magyar und seiner Tiszda-Partei lässt bei den Kommentatoren europäischer Medien Hoffnungen auf ein Ende der Unterstützung EU-feindlicher und rechtspopulistischer Strömungen aufkommen. Neben dem abgewählten ungarischen Staatsführer Viktor Orbán sehen die politischen Beobachter auch die russische und die US-amerikanische Regierung als große Verlierer der Wahl in Ungarn. Ein Blick in die Kommentare der internationalen Presse: "Kyjiw ist der größte Gewinner dieser Wahl außerhalb Ungarns, während Moskau der größte Verlierer ist", schreibt die Londoner Financial Times. Orbán sei der nützlichste Verbündete der russischen Regierung innerhalb der EU gewesen. Und obwohl sich auch sein Opponent Magyar gegen Waffenlieferungen für die Ukraine ausgesprochen hatte, habe er versprochen, die Zusammenarbeit Ungarns mit der EU wieder herzustellen. Darunter falle unter anderem seine Zustimmung zum 90 Milliarden Euro Darlehen der EU an die Ukraine. Die italienische Zeitung La Repubblica bezeichnete US-Präsident Donald Trump, der sich für Orbáns Wiederwahl eingesetzt hatte, als "großen Verlierer" der Wahl. "Im Plan des Weißen Hauses war Orbán der Vorreiter und Dreh- und Angelpunkt jener europäischen extremen Rechten, die in Frankreich und Deutschland sowie in Italien an die Macht kommen sollte, um die europäische Integration endgültig zu lähmen." Trumps Segen würde sich im europäischen Kontext als "toxisch" erweisen. Die Ablehnung Trumps in Europa wurzle aus einer tiefen Divergenz in grundlegenden Werten und sei "Teil einer europäischen Identität". Das Wall Street Journal bezeichnet die proeuropäische Einstellung Magyars als Kurswechsel, der auch den Interessen der USA dienen würde. "Die Trump-Regierung täte gut daran, ihre Schwärmerei für Orbán hinter sich zu lassen und mit Magyar zusammenzuarbeiten, um ihm zum Erfolg zu verhelfen." Viktor Orbáns Ungarn sei vielleicht doch kein Vorbild für das konservative Lager in den USA, so die US-amerikanische Tageszeitung. Orbáns rechtsgerichteter Staatsinterventionismus brachte zunächst zwar Stimmen ein, doch seine Anziehungskraft habe nachgelassen, als das Wachstum und das Realeinkommen im Land hinter den Erwartungen zurückblieben. Die Republikaner in den USA sollten ihre Lehren aus Orbáns Abwahl ziehen. "Magyar ist ein patriotischer Konservativer. Linke wählten ihn mit zugehaltener Nase, damit sie Orbán endlich loswerden", schreibt die österreichische Tageszeitung Die Presse. Durch seinen proeuropäischen Kurs habe Magyar die Mehrheitsmeinung der Ungarn getroffen, die trotz Orbáns Feindseligkeit froh über die Mitgliedschaft in der EU wären. Für die europäischen Rechtspopulisten werde es künftig schwerer werden, ihre Macht auszuüben, schreibt Die Presse weiter. Für die EU sei das eine gute Nachricht. Viktor Orbán hatte nach seinem Verlust das Wahlergebnis nicht angezweifelt. Dies ist laut der konservativen tschechischen Zeitung Lidové noviny ein "Glück für Ungarn". Eine Anfechtung hätte schädlich für "den Ruf des Landes sowie seine wirtschaftlichen Interessen" sein können. Magyar müsse sich nun bemühen, alle Gemüter zu beruhigen. Ungarn solle zwar auf die europäischen und prowestlichen Partner zukommen, sich aber "keinesfalls als unterwürfiger Verbündeter" zeigen. Verfolgen Sie alle aktuellen Entwicklungen in unserem Liveblog.