Bundesligarückschau: Den Ehevertrag bitte, Herr Schlotterbeck

Datum13.04.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRBayern bricht Torrekord. St. Pauli verliert klar. Leipzig dominiert Gladbach, das Abstiegssorgen hat. Gladbach-Fans protestieren gegen den Wechsel ihres Kapitäns zu RB. Nico Schlotterbeck verlängert unbefristet in Dortmund, aber Pfiffe bleiben wegen einer vermuteten Ausstiegsklausel für Sommer 2025. Die BVB-Fans zweifeln an seiner Treue.

InhaltNico Schlotterbeck verlängert endlich, doch im Dortmunder Stadion gibt es Pfiffe. Und eine Cheftrainerin in der Bundesliga! Alles Wichtige zum revolutionären 29. Spieltag St. Pauli gegen die Bayern. Das Rekordspiel. Man konnte darauf warten, wann die Bayern ihren eigenen, 54 Jahre alten Rekord brechen. In der Saison 1971/72 hatten sie 101 Tore geschossen, das letzte erzielte Franz Beckenbauer. In Hamburg knackte Leon Goretzka mit einem Volleytor in der 53. Minute diese Marke. Es folgten noch drei weitere Treffer, die Bayern stehen also bei 105 – and counting. Jamal Musiala will entgegen Oliver Kahns Empfehlung nicht auf die WM verzichten und auch nicht auf Tore, er schoss eines und bereitete ein weiteres vor. So schwer war's aber auch nicht. Teilweise sah St. Pauli aus wie die Paulaner Amateurelf. Zum Glück ist am Mittwoch wieder Champions League. In Europa haben die Bayern noch Gegner und keine Opfer. Leipzig gegen Gladbach. 90 Minuten Dominanz der Leipziger, die viel höher als 1:0 hätten gewinnen müssen. Das kurze Zwischenhoch der Gladbacher unter Eugen Polanski ist schon wieder vorbei. Gladbach muss weiter den Abstieg fürchten. In Leipzig pfiffen die Fans ihren Kapitän Rocco Reitz, Gladbacher seit dem achten Lebensjahr, aus. Er wechselt im Sommer zu RB. "Wer das hier will, darf niemals unser Kapitän sein", schrieben die Fans auf ein Banner. Und dann mussten sie das alles auch noch ohne Bier und Bratwurst ertragen. Die Dachorganisation der Gladbach-Fans hatte dazu aufgerufen, im Stadion auf Konsum zu verzichten. "Jeder weitere Euro, der direkt oder indirekt an RB geht, ist kontraproduktiv und im konkreten Fall vermeidbar", schrieben sie. Da werden sie in Fuschl am See sofort die Gürtel enger geschnallt haben. Nico Schlotterbeck. Schon wieder. Die BVB-Fans hofften lange, dass er seinen Vertrag verlängern würde. Dass er sich für seine Entscheidung viel Zeit nahm, traf einige ins schwarz-gelbe Herz. Sie hinterfragten, wie echt seine Liebe zum BVB wirklich ist. Am Tag vor dem Heimspiel gegen Leverkusen verlängerte Schlotterbeck dann tatsächlich bis 2031. Weil ihn doch gar nicht so viele Topklubs wollen, wie etwa die böse Zunge von Stefan Effenberg behauptete. Im Westfalenstadion gab es jedenfalls keinen Jubel, sondern Pfiffe. Denn viele vermuten, Schlotterbecks Ja zum BVB sei in Wahrheit ein Jein. Er soll nämlich schon für diesen Sommer eine Ausstiegsklausel haben. Ist das also nur eine Scheinverlängerung, um nach einer möglicherweise erfolgreichen WM doch noch zu einem europäischen Topklub wechseln zu können? Laura Wontorra gab bei Dazn die Privatdetektivin. Sie verlangte vor dem Spiel vom neuen BVB-Sportdirektor Nils-Ole Book Einblick in den Ehevertrag. Book, der schnell lernt, dass der BVB nicht Elversberg ist, lobte Wontorras Hartnäckigkeit, sagte aber: "Wir werden uns nicht zu Vertragsinhalten äußern." Nach einem Dementi klang das nicht. Auch Schlotterbeck wollte nichts sagen. Am Ende des Spiels, das der BVB auch noch 0:1 verlor, sangen die Dortmunder Fans You'll Never Walk Alone. Vielleicht ein Versöhnungsangebot in dieser Ehekrise.