Datum13.04.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Hamburg gibt es Pläne, CO2-Emissionen aus Müllverbrennungsanlagen durch Carbon Capture and Storage (CCS) zu reduzieren, inspiriert von Kopenhagen. Ein Pilotprojekt soll CO2 abtrennen und weiterverwenden. Zudem steigt die Jahresgebühr für Stadträder. Der Eichenprozessionsspinner breitet sich aus. Über eine Nachnutzung der Blauen Moschee wird nachgedacht. Ein Pilotenstreik legt den Flughafen lahm.
InhaltDie Elbvertiefung am Montag – mit einer Preiserhöhung bei den Stadträdern, mehr Eichenprozessionsspinnern und Überlegungen zur Zukunft der Blauen Moschee viele Menschen haben sich während der Coronazeit ein neues Hobby zugelegt. Manche fingen an, Brot zu backen, andere sind Filmspezialisten geworden, ich habe begonnen, von meiner Wohnung in Barmbek aus Vögel zu beobachten. Der Ort eignet sich gut: Vor dem Balkon liegen Gärten, Bäume, ein kleiner Bach namens Seebek, dann wieder Bäume und Gärten. Ich stehe nicht um fünf Uhr auf, notiere mir jede Sichtung und setze alles daran, so viele Arten zu sehen, wie niemand zuvor (diese extreme Version der Vogelbeobachtung zeigt der schöne, frei verfügbare Film Listers: A Glimpse Into Extreme Birdwatching). Ich erfreue mich einfach daran, wer so vorbeikommt, besonders jetzt im Frühling: Gimpel, Buntspechte, Eichelhäher, Mönchsgrasmücken oder Graureiher. Letztens hat uns ein hübscher Grünspecht besucht. Mittlerweile kann ich die Vögel anhand von Federkleid, Körperform und Verhalten recht treffsicher benennen. Nur mit dem Gesang habe ich noch Probleme. Wenn es nicht gerade um klare Fälle wie Spechte oder Eichelhäher geht, will mir die Zuordnung immer noch nicht gut gelingen. Mir reicht aber schon, undefinierbares Gezwitscher zu hören, und ich fühle mich gut. Wieso ist das so? Darauf hat meine ZEIT-Kollegin Stefanie Kara kürzlich eine sehr interessante Antwort (Z+) gefunden (man kann sich im Artikel auch per Klick Vogelgesang anhören!). Demnach hat uns womöglich die Evolution eingetrichtert: Wo die Vögel verstummen, ist irgendetwas faul, vielleicht droht sogar Gefahr. Vogelgezwitscher hingegen signalisiert: Die Welt ist in Ordnung, entspann dich! Nicht so schlimm also, dass die Vögel, wenn ich losrenne und mein Fernglas hole, meist schon wieder aus dem Sichtfeld verschwunden sind. Ich kann sie ja noch hören. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Yannick Ramsel Wegen eines Pilotinnen- und Pilotenstreiks fallen am Hamburger Flughafen heute und morgen zahlreiche Flüge aus. Wie der Flughafen mitteilte, streikt die Vereinigung Cockpit bei Lufthansa von heute, 0.01 Uhr, bis morgen, 23.59 Uhr; Eurowings ist nur heute betroffen. Betroffene Fluggäste sollen sich laut Flughafen direkt an die jeweilige Fluggesellschaft wenden. Hamburgs Stadträder werden ab heute teurer. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, steigen für Neukunden die Jahresgebühr (von 5 auf 8,90 Euro pro Jahr) sowie Minuten- und Tagespreise (von 10 auf 14 Cent pro Minute); dafür gibt es im ersten Jahr zehn Euro Fahrtguthaben. Bestandskunden zahlen bei Abotarifen erst ab Anfang 2027 mehr. Neu sind künftig auch kostenlose Reservierungen bis 15 Minuten vorab und die Ausleihe von bis zu vier Rädern. Der Eichenprozessionsspinner breitet sich in Hamburg laut Umweltbehörde weiter aus. Die Behörde verzeichnet seit Jahren einen kontinuierlichen Anstieg der Zahlen, welcher sich allerdings im Rahmen der natürlichen Schwankungen bewege. Gefährlich sind im Mai und Juni vor allem die Brennhaare der Raupen, diese können Haut, Augen und Atemwege reizen. Für den Neubau der Asklepios Klinik Altona könnten 2027 erste Vorarbeiten beginnen. Klinikbetreiber Asklepios zufolge sollen dann zunächst öffentliche Leitungen verlegt werden, danach könnte der erste Spatenstich folgen. Der Neubau soll ein Krankenhaushochhaus von 1971 ablösen. Die Bauzeit werde voraussichtlich bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen. Rund 5.000 Menschen haben in Hamburg für die Prüfung rechtsextremer Parteien durch das Bundesverfassungsgericht demonstriert. Nach Polizeiangaben verlief die Kundgebung zur bundesweiten "Prüf"-Kampagne ("Prüfung Rettet Übrigens Freiheit!") ohne besondere Vorkommnisse. Nach dem Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg (IZH) im Juli 2024 äußert sich nun erstmals der zuständige Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph de Vries, zu einer möglichen Zukunft der Blauen Moschee an der Alster. Der CDU-Politiker sagte am Rande eines Interviews mit der ZEIT, es gebe "sinnvolle Überlegungen" zur Nachnutzung und verwies dabei auf den Verein Kulturbrücke, die sich vorstellen könne, die Moschee in ein Kulturhaus umzuwandeln – auch im Gedenken an die 2022 getötete Jina Mahsa Amini, deren Tod die damaligen Proteste im Iran auslöste. Noch ist indes unklar, ob das Bundesinnenministerium überhaupt über die Nachfolge der Blauen Moschee verfügen kann. Aktuell läuft vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein Rechtsstreit. Am 24. Juli 2024 hatte das Bundesinnenministerium, damals noch von Nancy Faeser (SPD) geführt, den Betreiberverein IZH als "eine extremistische Organisation des Islamismus" verboten. Dieser legte Rechtsmittel gegen das Verbot ein. Wann ein Urteil fällt, ist noch unklar. Sollte das Verbot Bestand haben, fällt die Moschee dem Bund zu. Der Hamburger Christoph de Vries arbeitet neben seinem Bundestagsmandat auch als Staatssekretär im Bundesinnenministerium und verantwortet hier unter anderem den Dialog mit dem Islam. Als sie das Verbot aussprach, sagte Nancy Faeser noch: "Die friedliche schiitische Glaubens- und Religionsausübung ist ausdrücklich nicht von unserem Verbot berührt." Der Senat hingegen gab gegenüber der ZEIT an, er wolle die Interessen von schiitischen Glaubensangehörigen in Hamburg berücksichtigen, sofern diese die Werteordnung des Grundgesetzes und den Gedanken der Völkerverständigung beachteten. Im Interview mit der ZEIT (Z+) spricht de Vries unter anderem über wachsenden Islamismus in Deutschland. Tom Kroll 2040 soll Hamburg klimaneutral sein. Dabei stoßen allein Müllverbrennungsanlagen Hunderttausende Tonnen CO₂ pro Jahr aus. Eine neue Technik könnte das Problem lindern. ZEIT-Autorin Kristina Läsker hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt; lesen Sie hier einen Auszug. Am Montag, 13. April, reist Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) mit einer Delegation aus Wirtschaft und Wissenschaft nach Kopenhagen. Im Fokus der dreitägigen Reise steht der Umgang mit schädlichen Kohlenstoffdioxid-Emissionen. Kopenhagen will bereits 2030 klimaneutral sein, zehn Jahre vor Hamburg, und ist ein Vorreiter im Klimaschutz. Dort wird CO₂, das bei der Müllverbrennung entsteht, per Carbon Capture and Storage (kurz: CCS) abgeschieden und weitergenutzt. Hamburg will davon lernen – und plant einen eigenen CCS-Pilotversuch in einer Müllverbrennungsanlage. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Versuch. Was ist Carbon Capture and Storage (CCS)? In Hamburg werden jedes Jahr mehr als elf Millionen Tonnen an Kohlenstoffdioxid (CO₂) ausgestoßen, die das Klima belasten. Mit einem Pilotprojekt will die Stadtreinigung herausfinden, wie sie ihren Anteil an dem Problem mindern kann. Der städtische Entsorger will dazu CO₂ aus dem Rauchgas einer Müllverbrennungsanlage trennen und weiterverwenden – ein bundesweit einmaliges Experiment. Getestet wird an der Müllverbrennung am Rugenberger Damm im Hafen nahe der Köhlbrandbrücke. Dort wird die Stadtreinigung CO₂ zunächst in kleinen Mengen aus den Abgasen holen. In einem zweiten Schritt – das ist der Clou daran – wird ein Partnerunternehmen das Treibhausgas aufbereiten und als chemisches Vorprodukt weiterverkaufen. Klimaexperten bezeichnen diese Verfahren als "CCS" und "CCU": Bei Carbon Capture and Storage (CCS) wird CO₂ (Englisch: carbon dioxide) aus Gas abgeschieden (capture) und unterirdisch gespeichert (storage). Bei Carbon Capture and Utilization (CCU) wird CO₂ aus Gas abgeschieden und genutzt (utilization). Wieso findet der Test ausgerechnet in einer Müllverbrennungsanlage statt? In Hamburg gibt es zwei Anlagen, in denen Haus- und Gewerbemüll verbrannt werden. Diese Betriebe entlasten die Hamburgerinnen und Hamburger von ihrem Abfall, aber sie erzeugen dabei stetig neuen: "Beim Verbrennen von einer Tonne Müll entsteht etwa eine Tonne CO₂", sagt Hartwig Söth, technischer Geschäftsführer der beiden Betriebe. Im Jahr 2025 hätten die beiden Anlagen etwa 640.000 Tonnen Müll verbrannt, sagt er. Dabei entstanden also 640.000 neue Tonnen CO₂. Die Stadt hat laut ihrer jüngsten Klimabilanz insgesamt etwa 11,7 Millionen Tonnen CO₂ im Jahr 2023 erzeugt. Aus der Verbrennung von Haus- und Gewerbemüll stammen pro Jahr also mehr als fünf Prozent. Die Anlagen gehören damit – neben den Kohlekraftwerken Wedel und Tiefstack – zu den größten Emittenten der Stadt. Um klimafreundlicher zu werden, muss die Stadt dafür sorgen, dass ihre Müllverbrennungen das CO₂ anders behandeln als bisher und es nicht mehr in die Atmosphäre freisetzen. Was der Senat sich von dem Test erhofft und was Kakaobutter damit zu tun hat, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Wie Leih-Omas die Welt neu entdecken Wer sich als Au-pair bewirbt, will Länder erkunden und persönlich wachsen. Das machen auch Frauen am Ende ihres Berufslebens: Sie werden Granny-Au-pair, etwa in Kanada. ZEIT-Autorin Sarah Heidi Engel hat sich das Konzept genauer angesehen. → Zum Artikel (Z+) Das 4. Internationale Bachfest Hamburg beschließt dieses Jahr sein Programm mit den "Weltlichen Kantaten" von Johann Sebastian Bach. Als Einführung gibt es eine Pre-Show mit dem Titel "Bach & Japanischer Tanz", die mit Hanayagi Shigeyoshimi gestaltet wird. Wir verlosen 5 x 2 Karten für das Abschlusskonzert am Freitag, dem 17. April ab 19.30 Uhr (Einführung ab 18.45 Uhr) in der Laeiszhalle, Großer Saal. Schreiben Sie uns bis morgen, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff "Kantaten" an hamburg@zeit.de. Die Gewinner werden von uns direkt benachrichtigt. Viel Glück! Ostermontag, Durchsage im Zug nach Hamburg: "Mit unserer Verspätung wird es auch nicht besser, im Gegenteil, es wird nur schlimmer. Für alle, die gerade zugestiegen sind, mal die Gründe dafür und warum es so voll ist: Zug liegen geblieben, Oberleitung gerissen und Personen im Gleis. Da wäre man doch besser zum Mond geflogen." Kurze Pause. "Ich bin mir ziemlich sicher, die haben auch mehr Platz in ihrer Kapsel." Gehört von Marion Dodt Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.