Datum13.04.2026 05:36
Quellewww.spiegel.de
TLDRViktor Orbán verlor die Wahl in Ungarn, was die EU-Politik betreffend eine Wendung bedeutet. Donald Trump kündigte eine Blockade der Straße von Hormus an, um Druck auf den Iran auszuüben. Wolfgang Kubicki könnte die FDP laut einem Experten zu Rechtspopulismus führen, um eine Nische zu besetzen. In der Bundesliga übernahm Marie-Louise Eta als erste Frau das Amt der Cheftrainerin.
InhaltViktor Orbán verliert die Wahl in Ungarn. Wolfgang Kubicki könnte Wahlen gewinnen. Und Donald Trump will jetzt auch eine Blockade. Das ist die Lage am Montagmorgen. Heute geht es um die Wahlniederlage von Viktor Orbán, um Donald Trumps eigene Seeblockade, um die Chancen von Wolfgang Kubicki und um die erste Cheftrainerin in der Bundesliga. Heute ist Party im Berliner Zoo: Fatou feiert 69. Geburtstag. Die Gorilla-Dame kam 1959 aus freier Wildbahn ins Gehege nach West-Berlin und gilt heute als ältester Gorilla der Welt. Sollte Wolfgang Kubicki neuer FDP-Chef werden, wäre er mit seinen 74 Jahren der wahrscheinlich älteste Parteivorsitzende Deutschlands. Friedrich Merz, davon ist auszugehen, tritt ihm diesen Ehrentitel liebend gern ab. Während es Fatou ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft hat, würde es Kubicki wohl schon genügen, es mit seiner FDP wieder in das eine oder andere Parlament zu schaffen. Kann er die Partei retten? Ich habe mit dem Bonner Politikwissenschaftler Frank Decker darüber gesprochen. Und Decker ist durchaus optimistisch, auch wenn er den Weg, den die FDP dafür gehen müsste, persönlich für einen politischen Irrweg hält. (Als Leserinnen und Leser dieser Morgen-Lage können Sie hier schon vorab ins Interview einchecken.) Kurz gesagt, Decker rät der FDP zum Rechtsruck: "Ich gehe davon aus, dass Kubicki die FDP zum Rechtspopulismus hin öffnen würde." Dort sei gegenwärtig mehr Platz, "die FDP könnte ein Alleinstellungsmerkmal als liberalkonservative Kraft entwickeln, könnte auch im Umgang mit der AfD weniger dogmatisch sein als die CDU mit ihrem Brandmauerbeschluss." Wenn die FDP ihre wirtschaftsliberalen, libertären Positionen noch zuspitze, würde sie eine Nische besetzen. Und was, bitte, ist dann noch der Unterschied zur AfD? Die Kubicki-FDP, meint Decker, wäre ein Angebot an jene Wählerinnen und Wähler, "denen die AfD zu extremistisch, zu gehässig, zu brutal ist". Game over nach 16 Jahren: In Ungarn muss sich Langzeitministerpräsident Viktor Orbán seinem Herausforderer Péter Magyar geschlagen geben (alles Wichtige dazu hier in der Liveanalyse ). Orbán wandelte Ungarn zum halbautoritären Staat, er wirkte wie die Reclam-Ausgabe von Donald Trump und Wladimir Putin. Nun verlieren Trump und Putin einen Verbündeten, die EU ihren illiberalen Quälgeist und Europas Rechtsaußen ihren Paten. So hatte AfD-Chefin Alice Weidel über Orbáns Ungarn einst von "unserem großen Vorbild" gesprochen. Ungarn hatte bislang neue Sanktionen gegen Russland, einen Kredit über 90 Milliarden Euro für die Ukraine sowie Verhandlungen mit Kyjiw über einen EU-Beitritt blockiert. Wegen Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit hält Brüssel EU-Gelder in zweistelliger Milliardenhöhe zurück. Unter Magyar dürften diese Blockaden enden. Der Neue habe die Chance, "Ungarns demolierte Demokratie zu reparieren und das Land wieder zu einem verlässlichen Partner in der EU zu machen", schreibt mein Kollege Jan Puhl. Allerdings bezeichnet sich auch Magyar als rechts. Er war einst selbst Profiteur des Systems Orbán, bekleidete einen Posten bei der Ungarischen Entwicklungsbank, war Geschäftsführer des Studentenkreditzentrums. Dann wandte er sich ab (lesen Sie hier mehr dazu). Vielleicht also wird Magyar künftig nicht alles anders machen. Aber hoffentlich vieles besser: für Ungarn und für Europa. Richard Nixon war Anhänger der "Madman-Theorie": Da er den Krieg in Vietnam unbedingt beenden wollte, sollten seine Gegner glauben, dass er zu allem fähig ist. Der irre Präsident. Das sollte Friedensverhandlungen beschleunigen. Es hat aber nicht genutzt. Bei Donald Trump dachte man auch mal, er spiele den Madman, um seine Ziele durchzusetzen. Bei ihm scheint das aber eher kein Spiel. Der irre Präsident. Das Ergebnis seiner Madman-Politik bleibt vorerst dies: Vor Beginn des Krieges gegen Iran musste die Welt die nukleare Bewaffnung des islamistischen Regimes in Teheran fürchten; nun ist zur Atomgefahr auch noch das Ölproblem hinzugekommen, durch Irans Blockade der Straße von Hormus (hier mehr dazu). Aus eins mach zwei. Am Wochenende verhandelte US-Vizepräsident JD Vance 21 Stunden lang mit Spitzenvertretern der Theokratie, die Gespräche blieben ohne Ergebnis. Trump hat nun seinerseits eine Blockade der Straße von Hormus angekündigt. Hintergrund: Iran nutzt die Meerenge für den eigenen Ölexport und verdient damit weiterhin Geld. Die US-Marine sei auch angewiesen, alle Schiffe abzufangen, die Gebühren an Iran gezahlt hätten, so Trump. Die Blockade soll laut dem US-Militär am Montag beginnen, um 16 Uhr deutscher Zeit. Die mit Iran vereinbarte Waffenruhe läuft noch bis zum 21. April. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. …ist die Bundesliga. Also genauer: die Fußball-Bundesliga der Männer. Denn nach mehr als 60 Jahren ist nun die erste Cheftrainerin in der Bundesliga-Historie am Start: Marie-Louise Eta hat den 1. FC Union Berlin übernommen. Die Aufgabe der 34-Jährigen: den Verein aus dem Osten Berlins vorm Abstieg bewahren – das hat sie vor zwei Jahren schon einmal geschafft, damals als Co-Trainerin. Mein Kollege Marcus Krämer aus dem Sport-Ressort bewertet das so: Eta wisse um ihre Rolle als Pionierin, "es gibt nur wenige Profi-Trainerinnen in Deutschland – und für die, die da sind, ist es extrem schwer, Jobs in leitenden Funktionen zu bekommen. Das ist schon im von Frauen gespielten Fußball so, bei den Männern ist es nahezu ein Ding der Unmöglichkeit". Eta hat es geschafft, zumindest vorübergehend. Im Sommer soll sie wie geplant die Bundesliga-Mannschaft der Frauen von Union übernehmen. Hier machen vertragliche Feinheiten den großen Unterschied: Ob Sperre beim Arbeitslosengeld, hohe Steuerlast oder Rentenlücken – darauf sollten Sie beim Aufhebungsvertrag und der Abfindung achten, damit Ihnen keine teuren Fehler unterlaufen . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihr Sebastian Fischer, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro