Datum12.04.2026 21:40
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Wirtschaftsflügel der CDU/CSU-Bundestagsfraktion unterstützt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche in ihrem Streit mit SPD-Vizekanzler Klingbeil über Entlastungen bei Spritpreisen. Reiche hatte Klingbeils Vorschläge als teuer und wirkungsschwach kritisiert. CDU-Chef Merz mahnte zur Zurückhaltung, um die Koalition nicht zu gefährden. Rücktrittsforderungen aus dem CDU-Sozialflügel wies der Wirtschaftsflügel zurück.
InhaltWirtschaftsministerin Reiche legte sich offen mit SPD-Vizekanzler Klingbeil an und zog damit den Ärger von Kanzler Merz auf sich. Aus ihrer eigenen Partei kamen Rücktrittforderungen. Nun stellen sich Parteifreunde hinter sie. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche bekommt Rückendeckung für ihr Vorgehen in der Debatte über Entlastungen wegen der hohen Spritpreise. Der Vorsitzende des Parlamentskreis Mittelstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian von Stetten, sagte: "Inhaltlich hat die Ministerin vollkommen Recht und bekommt aus der Fraktion große Unterstützung." Das sagte er dem Portal "The Pioneer". Er halte Reiche seit Amtsantritt für eine gute Wirtschaftsministerin, "und diese Auffassung hat sich auch in der letzten Woche nicht geändert". Reiche war am Freitag im Koalitionsstreit um die Energiepolitik offen auf Konfrontationskurs gegen Vizekanzler und SPD-Finanzminister Lars Klingbeil gegangen. "Der Koalitionspartner ist in den letzten Wochen damit aufgefallen, Vorschläge zu unterbreiten, die teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig sind", sagte sie. Wie der SPIEGEL aus dem Umfeld des Kanzlers erfuhr, war Friedrich Merz "befremdet über den öffentlichen Schlagabtausch" zwischen Reiche und der SPD. Demnach mahnte der CDU-Chef seine Parteifreundin zur Zurückhaltung . "Zur Energiepolitik hat es im Ministergespräch am Donnerstag eine klare Verabredung gegeben. Ziel ist es, Vorschläge einvernehmlich zu erarbeiten", war aus dem Kanzlerumfeld zu hören. Der Kanzler hatte Klingbeil und Reiche aufgefordert, einen gemeinsamen Vorschlag als Antwort der Bundesregierung auf die hohen Energiepreise zu erarbeiten. Und Merz hatte seine Koalitionäre in den vergangenen Tagen und Wochen intern zur Disziplin ermahnt. Öffentlicher Streit soll die schwarz-rote Reformagenda nicht gefährden. Doch offenbar kommen die Mahnungen des Kanzlers nicht wirklich an. Im Anschluss forderte ein Politiker aus dem CDU-Sozialflügel Reiches Rauswurf. Eine "Auswechslung" der Ministerin sei unumgänglich, auch weil sich Reiche dem Bundeskanzler widersetzt habe, sagte Christian Bäumler, Vize-Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, dem SWR . Der CDA-Vorsitzende Dennis Radtke kassierte diese Aussage aber umgehend ein. Es brauche jetzt harte Debatten, aber keine Personaldiskussionen. Auch von Stetten konterte die Forderung: "Rücktrittsforderungen aus der CDA heraus haben eigentlich immer den gegenteiligen Effekt und stützen die betroffene Person in der Gesamtpartei." Unterstützung bekam die Wirtschaftsministerin auch vom Vorsitzenden der Jungen Union, Johannes Winkel (CDU). "Katherina Reiche ist die Stimme der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesregierung. Sie hat in ihrem Kurs jede Unterstützung verdient", sagte er "Bild". In einer abgelegenen Villa wollen Friedrich Merz und Lars Klingbeil ihre Regierung auf Linie bringen. Lesen Sie hier , über welche Punkte die Koalitionäre bei der Klausur diskutieren.