Iran-Krieg: Warum Singapur sich in den Konflikt über die Straße von Hormus einmischt

Datum12.04.2026 21:25

Quellewww.spiegel.de

TLDRSingapur positioniert sich erstmals deutlich im Streit um die Straße von Hormus. Außenminister Balakrishnan lehnt die von Iran angedachte Maut für Schiffe ab, da dies gegen internationales Seerecht verstoße. Die Freiheit der Schifffahrt sei ein Recht, kein Privileg. Er verweist auf die strategische Bedeutung der Straße von Malakka für Singapur, die sogar mehr Öl transportiert als Hormus.

InhaltAuch vor Singapur verläuft eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten: die Straße von Malakka. Im Streit zwischen den USA und Iran über die Straße von Hormus hat sich der Stadtstaat nun ungewohnt deutlich positioniert. Angesichts des Vorhabens Irans, für die Passage der Straße von Hormus eine Maut zu erheben , hat sich der Außenminister Singapurs zu Wort gemeldet – der Stadtstaat, vor dem eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt verläuft. "Aus Prinzip, und nicht weil wir uns auf eine Seite stellen, kann ich nicht an Verhandlungen über eine sichere Durchfahrt von Schiffen oder Mautzahlungen teilnehmen", sagte Vivian Balakrishnan vor dem Parlament des Landes und verwies auf internationale Seerechtsübereinkommen. Die Straße von Malakka sei ein kritischer Engpass der internationalen Seefahrt, durch die sogar mehr Öl transportiert werde als durch die Straße von Hormus, so Minister Balakrishnan. "Das internationale Recht und UNCLOS sind die Verfassung der Ozeane. Und das ist ein Recht. Die Freiheit der Schifffahrt ist ein Recht und kein Privileg." Über Mautzahlungen zu verhandeln, würde dieses Recht erodieren. UNCLOS ist das Uno-Seerechtsübereinkommen. Zudem sei die Straße vor Singapur deutlich schmaler als die Straße von Hormus: "Am schmalsten Punkt ist die Straße von Hormus 21 Seemeilen breit. Raten Sie mal, wie breit die schmalste Stelle der Straße von Singapur ist. Es sind weniger als zwei Seemeilen." Bislang hat der Stadtstaat sich zum Irankrieg zurückhaltend geäußert und eine neutrale Haltung eingenommen. Das Land ist von Öl- und Gasimporten aus dem Nahen Osten abhängig. Die Straße von Malakka zählt zu den weltweit wichtigsten Handelsrouten. Sie verläuft zwischen der indonesischen Insel Sumatra und Malaysia und bildet die kürzeste Verbindung zwischen dem Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer. Etliche Schiffe passieren sie auf dem Weg von China nach Europa. Die Nachrichtenagentur AP meldete, dass Iran, aber auch Oman künftig Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus erheben wollen. Durch solch eine Maut solle der Wiederaufbau Irans finanziert werden, hieß es unter Berufung auf einen nicht näher genannten Beteiligten an den Verhandlungen. Die "Financial Times" berichtet, Iran plane eine Maut von einem US-Dollar je Barrel Rohöl. Ein großer Supertanker kann zwei Millionen Barrel fassen. Eine Maut in der Straße von Hormus würde gegen die Regeln des Uno-Seerechtsübereinkommens (UNCLOS) verstoßen . Die Meerenge liegt zwar in den Hoheitsgewässern Irans und Omans, sie gilt bislang aber als internationaler Schifffahrtsweg, der ohne Einschränkung oder Gebühren benutzt werden darf. Rund 120 Schiffe passierten die Engstelle vor der Krise täglich, überwiegend Öl- und Gastanker. Über den Seeweg wird zu Friedenszeiten bis zu einem Fünftel des weltweiten Rohölverbrauchs verschifft. Iran hat die Straße von Hormus als Waffe entdeckt. Lesen Sie hier , was das für die Gespräche mit den USA bedeutet.