Datum12.04.2026 19:11
Quellewww.zeit.de
TLDRBei einem Luftangriff der nigerianischen Streitkräfte auf einen Markt im Nordosten Naijeras sind laut Amnesty International mindestens 100 Zivilisten getötet worden. Die Regierung des Bundesstaates Yobe bestätigte einen fehlgeschlagenen Militärangriff auf eine Boko-Haram-Stellung. Massive zivile Opfer bei Militäroperationen sind in der Region, dem Zentrum des islamistischen Aufstands, keine Seltenheit mehr. Schwächen in Aufklärung und Koordination werden als Ursache genannt.
InhaltEin Luftangriff der nigerianischen Streitkräfte hat im Nordosten des Landes offenbar einen Markt getroffen. Dabei wurden laut Amnesty mindestens 100 Menschen getötet. Ein Luftangriff der nigerianischen Streitkräfte hat nach Angaben von Menschenrechtlern einen Markt im Nordosten des Landes getroffen. Dabei seien mindestens 100 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden, teilte Amnesty International am Sonntag mit. Der Angriff habe sich in einem Dorf an der Grenze der Bundesstaaten Yobe und Borno ereignet, auch lokale Medien berichteten darüber. Der Amnesty-Direktor für Nigeria, Isa Sanusi, sagte der Nachrichtenagentur AP, man stehe in Kontakt mit Betroffenen und einem Krankenhaus vor Ort. Die Regierung des Bundesstaats Yobe bestätigte einen fehlgegangenen Militärangriff. Ziel sei eine Stellung der Islamistengruppe Boko Haram gewesen, getroffen worden seien jedoch auch Menschen auf dem Weg zu einem Wochenmarkt. Einzelheiten wurden nicht genannt. Die nigerianische Luftwaffe äußerte sich zunächst nicht. Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und ein bedeutender Ölproduzent. Gleichzeitig ist das Land tief gespalten zwischen dem überwiegend muslimischen Norden und dem christlich geprägten Süden. Der Bundesstaat Borno im Nordosten gilt als Zentrum des seit 2009 andauernden islamistischen Aufstands im Land. Das Militär geht regelmäßig gegen bewaffnete Gruppen wie Boko Haram vor, die sich in schwer zugänglichen Regionen verstecken. Dabei kommt es immer wieder zu zivilen Opfern. Seit 2017 wurden nach einer AP-Auswertung mindestens 500 Zivilisten bei Luftangriffen getötet. Beobachter verweisen dabei auf Schwächen in der Aufklärung und Koordination zwischen den Sicherheitskräften. Nigeria steht zudem international unter Druck, seit die USA dem Land vorgeworfen haben, Christen nicht ausreichend zu schützen. US-Präsident Donald Trump drohte mehrfach mit militärischen Maßnahmen. Zuletzt führten die USA an Weihnachten gezielte Luftschläge gegen den IS in Nigeria durch, nach Angaben der Regierung auf deren Bitte.