Datum12.04.2026 18:49
Quellewww.spiegel.de
TLDRBoris Johnson reiste inkognito an die ukrainische Front und kritisierte in einem Artikel westliche Untätigkeit im Ukraine-Krieg. Er warnte davor, den Konflikt zu vergessen und appellierte an mehr Engagement. Russland reagierte gereizt auf Johnsons Besuch und seine Aussagen, nannte ihn einen „Schurken“ und warf ihm PR auf Kosten von Menschenleben vor.
InhaltInkognito war der frühere britische Premier an die Front gereist, nun hat er seine Erfahrungen in einem Artikel geschildert – und davor gewarnt, die Ukraine zu vergessen. Russland reagiert gereizt. Der britische Ex-Premierminister Boris Johnson ist schon vor Wochen unerkannt an die ukrainische Front gereist. Nun hat er über einen Besuch bei ukrainischen Streitkräften in Saporischschja berichtet – und damit Russland erzürnt. Aus Moskau gab es heftige Kritik an dem "Schurken" Johnson, wie eine Sprecherin des russischen Außenministeriums den Briten bezeichnete. Details zu seinem Besuch in der Region der umkämpften ukrainischen Großstadt schilderte Johnson ausführlich in einem am Freitag erschienenen Artikel für die Boulevardzeitung "Daily Mail" . "Boris in the Kill Zone", Boris in der Todeszone, ist der Bericht überschrieben und zeigt den Politiker mit Stahlhelm und Schutzweste vor zerschossenen Gebäuden. Auch eine Dokumentation soll den Angaben nach demnächst erscheinen. Veröffentlichten Bildern zufolge war Johnson bereits Ende Februar in der Ukraine. In dem Artikel wirft der Ex-Premier den westlichen Staaten etwa vor, nicht genug gegen Russlands Invasion in der Ukraine zu tun. "Willkommen zurück in der sogenannten Kill Zone, und willkommen zurück in dem Krieg, den der Westen zu vergessen droht", schreibt er. Und weiter: Die Ukraine befinde sich seit Jahren in einem Kampf um die Freiheit. Über das "einfache Ziel" dieses Kampfes herrsche "angeblich" auch in Europa und den USA Einigkeit. "Und doch ist derzeit kein einziger Staats- oder Regierungschef in einer dieser westlichen Hauptstädte bereit, genug zu tun, um dieses Ziel zu erreichen", so Johnson. Johnson war beim Kriegsausbruch 2022 noch Regierungschef. Zu seiner Reise ins Kriegsgebiet sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa: "Danke an Boris Johnson, der gezeigt hat, wie die Mächte des Bösen aussehen – das hätte niemand besser hinbekommen." Der Brite betreibe "PR" auf Kosten von Menschenleben, so der Vorwurf Moskaus. "Johnson war persönlich an der Abkehr vom Verhandlungsprozess und der Eskalation des Konflikts beteiligt. Ein Schurke, der an den Ort des Verbrechens zurückgekehrt ist."