Friedenspreis: Autorin Klementyna Suchanow erhält Dresdner Friedenspreis

Datum12.04.2026 16:24

Quellewww.spiegel.de

TLDRKlementyna Suchanow, Anführerin des polnischen Frauenstreiks gegen ein Abtreibungsverbot und Autorin, erhält den Dresdner Friedenspreis. Sie wurde für ihren Kampf gegen den Abbau des Rechtsstaats und für Frauenrechte geehrt. Suchanow warnt in ihrem Buch "Das ist Krieg" vor globalen Netzwerken radikaler Fundamentalisten, die Gesellschaften spalten und einen "kulturellen Krieg" durch Themen wie Abtreibung anheizen. Sie sieht russische Einflüsse und eine Rückwärtsgewandtheit als Ziele.

InhaltIn Polen war die Autorin Klementyna Suchanow Anführerin des Frauenstreiks gegen ein verschärftes Abtreibungsrecht, in ihren Arbeiten warnt sie vor den Netzwerken Radikaler. Nun wurde sie mit dem Dresdner Friedenspreis gewürdigt. Für ihren Kampf gegen ein faktisches Abtreibungsverbot und den Abbau des Rechtsstaats unter der einstigen autoritären polnischen Regierung der PiS-Partei wurde Klementyna Suchanow schwer unter Druck gesetzt. Ein Bild von ihr, wie sie am Boden liegt, ein schwerer Polizeistiefel neben ihrem Kopf, zeugt von ihrem Ringen für Frauenrechte. Nun wurde die Autorin und Mitbegründerin der polnischen Frauenstreikbewegung mit dem Dresdner Friedenspreis 2026 ausgezeichnet, verliehen in der Semperoper. Ihr mutiges Eintreten für Menschenrechte strahle weit über die Grenzen Polens hinaus, so Dresdens Stadtverwaltung. Seit 2016 brachte sie immer wieder Zehntausende in Polen auf die Straße. In Interviews und ihrem Buch "Das ist Krieg" warnt die 52-Jährige auch vor weiteren Gefahren, etwa geheimen Strategien radikaler Fundamentalisten, die versuchten, ihre Ziele über länderübergreifende Netzwerke zum Nachteil der Zivilgesellschaft zu erreichen. Suchanow geht in ihrem Buch den globalen Verflechtungen von radikal religiösen und politisch ultrakonservativen bis rechtsgerichteten Kreise nach. Ihre Erkenntnis: Eine sich immer stärker radikalisierende Gruppe von Menschen und Organisationen strebe eine rückwärtsgewandte Gesellschaftsordnung an. "Man will unsere Gesellschaften spalten", sagte sie kürzlich dem Fernsehsender "3sat" , es gehe darum, über Themen wie Abtreibung oder LGBTQ+ einen "kulturellen Krieg" zu schaffen. Rechtsgerichtete Organisationen würden etwa infiltriert von Russland "und auch für deren Zwecke eingespannt". "Es sieht so aus, als gäbe es da einen Plan", sagt Suchanow in dem Interview kurz vor der Preisverleihung. Er werde aus Moskau gespeist und sei in Europa sichtbar seit 2014, dem Jahr der prowestlichen Euromaidan-Revolution in der Ukraine. "Diese Dinge hängen miteinander zusammen", sagt sie. "Auch einige der Akteure sind ähnlich." Religiöse Rhetorik werde zum politischen Instrument gemacht, auch von Präsident Wladimir Putin, der Russland als Verteidiger traditioneller Werte inszeniere. "Man versucht, sich in unserer Gesellschaft mit bestimmten Themen einzuarbeiten", warnt Suchanow. "Zum Beispiel sind das die Probleme, die wir heute besprechen: globale, chaotische Situation, Kulturkriege zwischen den Ländern, den Nationen, die Familien sind gespalten, die Gesellschaft ist gespalten." Es gehe darum, Macht zu erlangen, um in den Mainstream zu kommen. Der mit 10.000 Euro dotierte Friedenspreis Dresden wird seit 2010 vergeben. Er würdigt Persönlichkeiten und Institutionen, die sich für Frieden und Menschenrechte engagieren. Ausgezeichnet wurden zuletzt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und posthum der russische Oppositionelle Alexej Nawalny.